Zeitung Heute : Schulen schulen

Susanne Vieth-Entus

Das Land Berlin will seine Bildungseinrichtungen überprüfen. Was wären Möglichkeiten, die Qualität von Schulen zu verbessern?

Berlins Schulen sollen in regelmäßigen Abständen inspiziert und auf ihre Qualität überprüft werden. Die Senatsverwaltung für Bildung erarbeitet zurzeit einen Kriterienkatalog, anhand dessen die Inspekteure ihr Urteil über die Schulen fällen können. Sie folgt damit dem Vorbild Schleswig-Holsteins, das bereits mit dieser Art der Bewertung begonnen hat. Niedersachsen will im kommenden Schuljahr nachziehen. Wann Berlin startet, steht noch nicht fest. Bei null fängt Berlin aber nicht an.

Der Präsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, hat vor zwei Jahren einen Kriterienkatalog erarbeitet, der auf internationalen Standards beruht. Erprobt wurde dieser Katalog bereits vom Verband Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI): Der VBKI ermittelte mit Hilfe des von Lenzen konzipierten Fragebogens im vergangenen Jahr zum Beispiel Berlins „Leistungsschule“.

Zu den Kriterien gehörte die Effizienz des Unterrichts. Deshalb wurde an den Schulen erfragt, wie viele Sitzenbleiber und Abbrecher sie „produzieren“, ob die Lehrer klassenübergreifend den Wissensstand der Schüler erfassen und vergleichen, ob sie gegenseitig im Unterricht hospitieren oder sogar externe Fachleute zur Beurteilung heranziehen. Wichtig ist auch, dass die Lehrer regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen. Weitere Kriterien: Bietet die Schule außerhalb des Unterrichts Aktivitäten wie Arbeitsgemeinschaften, Wettbewerbsteilnahmen, Schulsportfahrten, Seminare für Schüler, Exkursionen? Hat die Schule Außenkontakte zu Firmen, Verbänden, anderen Schulen oder Universitäten?

Inwieweit die Senatsverwaltung für Bildung diese Kriterien für ihren eigenen Katalog übernimmt, steht noch nicht fest.Klar scheint zu sein, dass die Inspektionen im Drei-Jahres-Rhythmus stattfinden sollen. Kürzere Abstände sind geplant, wenn eine Schule negativ auffällt. Unklar ist hingegen noch, welche Konsequenzen es haben soll, wenn eine Schule keine Besserung zeigt. Nur den Schulleiter „haftbar“ zu machen, hält Lenzen für falsch. Schließlich sei der Leiter bisher nicht in der Lage, sich sein Personal selbst auszusuchen. Auch über sein Budget verfüge er nur teilweise.

Die ganze „Schul-Inspektion“ ist nur eines von vielen Mitteln, die Qualität der Schulen auf Dauer zu verbessern. Eine wichtige Rolle spielen auch die Vergleichsarbeiten, die seit zwei Jahren in allen Bundesländern geschrieben werden. Außerdem entwickelt die Kultusministerkonferenz Bildungsstandards, die bundesweit Grundlage für die Rahmenpläne der Schulen sein sollen.

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