Zeitung Heute : Schuss und Schluss

Kerstin Decker

Tatort ARD. Der Adel ist zurück in Sachsen. Rückeroberung!, nennt das der Herzog von Sachsen-Gronau. Kommissar Ehrlicher lächelt milde. Ehrlichers Sächsisch ist nur eine kleine Härte der weichen Konsonanten, so dass es beinahe charmant klingt. Am nächsten Tag ist der Herzog tot. Kommissar Ehrlicher erinnert sich, etwas vom Adel als absterbender Klasse in der Schule gelernt zu haben - Aber doch nicht so!, befindet er und nimmt die Ermittlungen auf. Ein Tatort voller Understatement. Sächsisch und doch nicht sächsisch.

Er erzählt sogar eine Geschichte, die Ehrlicher noch aus der Schule kennen dürfte: Der Hochadel als Heimstatt der Kriegsverbrecher. Und der Intrigen. Aber wie Hans-Werner Honert das auffädelt, das hat nichts Klischeehaftes, nichts Vordergründiges. Es geht um das verschollene Bernsteinzimmer und alte Canaris-Akten, erschossene Häftlinge, den schönen jungen Geliebten der schönen jungen Herzogstochter - eine Spur zu schön, man sah es gleich. Sorgsame Arbeit, wirklich. Kein vordergründiger Effekt, eher besaß das Ganze das Temperament eines Puzzlespiels. Ohne ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit verpasste man das jeweils nächste entscheidende Detail. Eine bis in die kleinste Rolle gut gespielte Verbeugung vor der Konzentrationsfähigkeit des zeitgenössischen Fernsehzuschauers.

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