Zeitung Heute : Schutzlos muß sich keiner im Internet bewegen

Regierungen in den USA und in Deutschland blockieren Systeme für mehr DatensicherheitViele Internet-Nutzer sind Angriffen von Hackern schutzlos ausgeliefert.Zu diesem Ergebnis kamen Datenschützer bei einem Versuch in Ulm.Betroffen seien vor allem private Internet- Anschlüsse, sagte der Datenschutz-Experte Holger Heimann am Mittwoch bei einem zweitägigen Kongreß des Bundesverbandes der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) in Ulm.Eindringlinge könnten von außen ungehindert Zugang zu Daten auf den Heimrechnern bekommen.Gravierende Sicherheitslücken entdeckte der Datenschützer unter anderem im Computernetz der Polizeidirektion Ulm. Grund für die gravierenden Sicherheitslücken ist den Angaben zufolge die Unwissenheit vieler Nutzer.Hinzu kämen Administrations- und Softwarefehler.Heimann forderte von den großen Online-Diensten wie T-Online und AOL eine bessere Aufklärung der Nutzer.Bei dem Versuch in Ulm wurden 5 800 Rechner im Ulmer Stadtnetz getestet.Der Versuch sei mit einfachster Technik von einem Heim-PC mit geringer Leistung ausgeführt, sagte Heimann.Er verwies darauf, daß sogenannte "Firewalls", mit denen beispielsweise Firmen ihre internen Datennetze gegen das Internet abschotten, häufig leicht zu umgehen seien. Viele Internet-Nutzer seien beispielsweise beim Online-Shopping - nicht zuletzt aus Unwissenheit - unvorsichtig, erläuterte Hannes Federrath von der Technischen Universität Ulm.Vertrauliche Informationen, wie Bankverbindungen, gingen häufig völlig ungeschützt über das Netz. Erste Sicherungsverfahren wurden bereits in den 70er Jahren entwickelt.So können mit Hilfe der Kryptographie, bei der lesbare Informationen verschlüsselt werden, auch sensible Daten wie die Kontonummer geschützt werden.Dies ist jedoch nicht unbedingt im Sinn der staatlichen Stellen.So torpediert beispielsweise die US-Regierung den Export knacksicherer Verfahren, weil sie sich eine Hintertür für die Verfolgung von Straftaten sowie "geheimdienstliche Zwecke" offenhalten will.Die deutsche Regierung führt als Hauptargument gegen die sicheren Systeme vor allem den Kampf gegen die organisierte Kriminalität ins Feld.Es sollen nur Systeme zum Gebrauch zugelassen werden, die von staatlichen Stellen entschlüsselt werden können.Knacksichere Verschlüsselungsprogramme ohne "Hintertür" können laut Federrath mittlerweile jedoch einfach und kostenlos im Internet abgerufen werden. Umgehen kann man das Problem auch, indem auf andere Verfahren, die sogenannte Steganographie auswichen wird.Bei der Methode werden Nachrichten in Computerdateien, etwa Bilder- oder Tondateien, versteckt.Sie werden erst mit dem richtigen Zugangsschlüssel sichtbar.Im Gegensatz zur Kryptographie kann man hier nicht einmal erkennen, daß geheime Nachrichten ausgetauscht werden.Mit dieser Technik können auch graphische Darstellungen mit einem "elektronischen Wasserzeichen" zum Schutz des Urheberrechts versehen werden.

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