Zeitung Heute : Schwach auf der Brust

HANS-PETER STRICKER

Mit Diskussionsforen kann T-Online wahrlich nicht werbenVON HANS-PETER STRICKER

Als Medium für den Gedanken- und Informationsaustausch zwischen Privatpersonen verstehen sich die Online-Dienste gerne - nicht nur zwischen Bekannten via elektronischer Post, sondern auch zwischen Fremden.Gleichgesinnte sollen - vor allem in sogenannten Diskussionsforen, einer Art digitaler Schwarzer Bretter - Meinungen austauschen, Fragen stellen und Antworten geben - über Tastatur und Bildschirm, nur der Computer und das daran angeschlossene Modem dazwischen. Die Realität bei T-Online, dem Datendienst der Deutschen Telekom AG, ist allerdings eher ernüchternd.Zugegeben: T-Online wirbt nicht gerade mit seinen Diskussionsforen.Aber das wäre auch gar nicht so leicht: In den wenigsten herrscht so etwas wie reger Verkehr, das inhaltliche Niveau ist vergleichsweise niedrig.Und es werden in ihnen - von wegen Diskussion abgesehen - deutlich mehr hilflose Fragen gestellt, als Antworten gegeben.Im ungünstigsten Falle muß man für deren Lektüre auch noch zahlen. Der Aufruf eines T-Online-Forums ist nicht schwieriger als der jeder beliebigen Seite im Online-Dienst: Man gibt eine vorher bekannte Seitennummer oder ein Kürzel ein, oder klickt sich über "Foren & Dialoge" zu einem interessant erscheinenden Forum durch.Nach einer kurzen Anmeldeprozedur kann man dann die bisherigen Beiträge lesen oder selbst einen hinzufügen.Meistens wird man das Forum aber gleich wieder verlassen: Man hat das deutliche Gefühl, das anderswo mehr los ist. Zum Beispiel im Internet.Dem Vorbild "Newsgruppen", von denen es dort mittlerweile mehr als 15.000 gibt, kommen die T-Online-Foren nur entfernt nahe.Wo man sich im Internet weltweit an mehrere zehn Millionen Diskussionspartner wenden kann - was für einen lebhaften Austausch zu fast jedem Thema auszureichen scheint -, ist man unter T-Online auf seine in dieser Hinsicht wohl zu wenigen 1,3 Millionen Mitglieder beschränkt.Allerdings haben die Foren in T-Online für manche einen entscheidenden Vorteil, der nicht unterschätzt werden sollte: Man spricht deutsch.Die Amtssprache des Internet ist hingegen englisch, obwohl es auch hier einige hundert deutschsprachige Newsgruppen gibt. Bezeichnenderweise sind unter den "44 besten Online-Foren", die die T-Online-Postille "com!" kürzlich präsentierte, nur neun echte T-Online-Foren: der Rest sind Internet-Newsgruppen.Zum Trost der Benutzer: Über den integrierten Internet-Browser kann man (mit Klick auf "Fenster/Netscape-News") auch an diesen teilnehmen. Und erhält vor allem erst einmal einen vollständigen Überblick über das Angebot ("Optionen/Alle Newsgruppen anzeigen").Einen vergleichbaren systematischen Überblick über die T-Online-Foren gibt es nicht: Wer in der Btx-Übersicht auf "Foren & Dialoge" klickt, gelangt zu einer thematisch eher dürftig strukturierten Liste (von "Reise" und "Entertainment" bis "Wissenschaft und Technik").Manches ist zudem Nepp: Wer etwa unter "Gesellschaft" auf "Behinderten-Forum" klickt, wird auf die Seite eines kommerziellen Anbieters geführt (30 Pfennig pro Minute!), auf der von Behinderung absolut nicht mehr die Rede ist. Die Foren - soviel läßt sich billigerweise sagen - sind nicht das Glanzstück von T-Online.Doch durch den Zugang zu den Internet-Newsgruppen wird dieses Manko leicht wettgemacht.Zudem hält T-Online auf seinem Newsserver mehr Gruppen bereit als viele Internet-Provider.

7.1.97

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