Zeitung Heute : Schwarze Bretter weltweit

HANS-PETER STRICKER

In den Newsgruppen finden sich Antworten auf 1000 FragenVON HANS-PETER STRICKER

Gibt es einen schlechtesten Beatles-Song? Verursacht ein falsches Kopfkissen Migräne? Und was muß man tun, wenn der WWW-Browser beim Laden der Homepage von Dr.Oetker abstürzt? Die Vielzahl an Fragen, die in mehr als 14.000 Internet-Newsgruppen diskutiert oder beantwortet werden, ist durchaus beeindruckend.Mit Schwarzen Brettern werden sie gerne verglichen, nur daß es solche Schwarzen Bretter noch nie gegeben hat.Denn wer hat schon erlebt, daß er am Abend einen Zettel mit einer dringenden Frage angepinnt hat, an den schon am nächsten Morgen eine Antwort geheftet war.

Anders als Schwarze Bretter haben Newsgruppen keinen festen geographischen Ort: Wer einen Beitrag an eine Newsgruppe schickt, sendet ihn zwar zunächst an einen bestimmten News-Server, zum Beispiel an den der Freien Universität Berlin, auf dem knapp 6000 Newsgruppen geführt werden.Von dort aus wird er aber sofort an Tausende weiterer News-Server auf der ganzen Welt verteilt, über die die entsprechende Newsgruppe ebenfalls abrufbar ist.

Auf diese Weise kann die Nachricht schon im nächsten Augenblick von all jenen gelesen werden, die sich regelmäßig (oder zufällig) über den Inhalt der entsprechenden Newsgruppe informieren - bei ihrem jeweiligen News-Server.Und mit etwas Glück ist sogar einer unter ihnen, der auf den "Sende Antwort"-Button seines News-Readers klickt.Ruft der Benutzer dann etwas später seinerseits die Newsgruppe auf, findet er sowohl den eigenen Artikel als auch, gleichsam angeheftet, eine oder mehrere Antworten.

News-Reader sind das, was Browser für das World Wide Web (WWW) sind: vor allem Programme, die Newsgruppen und ihrer einzelnen Beiträge anzeigen.Anders als mit einem Browser kann man mit einem News-Reader aber auch die eigenen Artikel versenden - als Antwort oder als neuen Beitrag.

Wer Wert darauf legt, daß sein Artikel auch wirklich gelesen wird, muß sich freilich Mühe mit einer guten und aussagekräftigen Überschrift geben.Denn wer eine Newsgruppe aufruft, erhält erst einmal nur die Überschriften der Nachrichten.Anhand dieser entscheidet der Leser, welche Nachrichten er sich tatsächlich von seinem News-Server herunterlädt und anzeigen läßt.Ein verzweifeltes "Bitte unbedingt lesen!" funktioniert dabei wahrscheinlich nur bedingt, gerade wenn der Leser auf der Suche nach bestimmten Informationen ist.

Die meisten News-Reader erlauben es, oft gelesene Newsgruppen zu abonnieren und per Mausklick alle neuen Artikel aus den abonnierten Gruppen auf einmal vom News-Server herunterzuladen.Um zu entscheiden, welche Newsgruppen man abonnieren möchte, und um zu sehen, welche Gruppen der News-Server überhaupt bereithält, kann man sich von ihm per Mausklick eine vollständige Liste zuschicken lassen.

Die Suche nach relevanten Gruppen wird dann durch eine hierarchische Namensgebung erleichtert: Mit "sci" beginnen die wissenschaftlichen Newsgruppen, mit "comp" die computer-spezifischen, mit "alt" die allerverschiedensten (von "Adoption" bis "Zen") und mit "de" die deutschsprachigen.Die Frage nach dem schlechtesten Beatles-Song wurde übrigens in der Newsgruppe "rec.music.beatles" aufgeworfen - "rec" für recreation (Freizeit).

Einen ganz anderen Weg, um zu "seiner" Newsgruppe zu finden, bietet neuerdings der über das World Wide Web abrufbare Suchdienst AltaVista.Mit seiner Hilfe können sämtliche Beiträge zu fast allen Newsgruppen nach einem Suchbegriff durchforstet werden.Enorme Telefonkosten können gespart werden, wenn man einen sogenannten Offline-Reader benutzt.Zwar kann man Newsgruppen auch mit einem WWW-Browser aufrufen und die Beiträge lesen, nur geht alles verloren, wenn die Internet-Sitzung beendet wird und man somit nicht mehr online, sondern offline ist.

Ein Offline-Reader wie der "Forte Agent" speichert hingegen alle einmal empfangenen Daten automatisch auf der Festplatte ab.Die kostbare Verbindungszeit wird dann vernünftigerweise nur zum Herunterladen der gewünschten Artikel genutzt.Gelesen wird später - offline.

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