Zeitung Heute : Schweinegrippe in Deutschland

Patienten in Bayern und Hamburg nicht lebensgefährlich erkrankt / Virologen und Regierung: Keine Panik

Sven Lemkemeyer

Berlin - Die Schweinegrippe hat am Mittwoch Deutschland erreicht. In Bayern wurden zwei Infektionen mit dem Virus bestätigt, in Hamburg eine. Keiner der Erkrankten, die sich alle in Mexiko aufgehalten hatten, sei in einer lebensbedrohlichen Situation, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker. Zudem gab es in Deutschland neun weitere Verdachtsfälle: vier in Bayern und jeweils einen in Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Sachsen. In der EU gab es bis zum Mittwochnachmittag nach Angaben des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm 13 bestätigte Infektionen mit dem H1N1-Virus. Weltweit gebe es 128 Fälle, die meisten davon mit 64 in den USA.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Regierung nehme die Krankheit ernst, warnte aber vor Hysterie. Merkel sagte, es würden alle nötigen Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung getroffen. So werde sichergestellt, dass es genügend Medikamente gebe.

Der Berliner Immunologe Stefan Kaufmann bezeichnete das Gefahrenpotenzial der Schweinegrippe als relativ niedrig. Bei einer Infektion schwebten nur ein Prozent der Patienten in Lebensgefahr, sagte er der Agentur dpa. Bei einer Ansteckung mit der Vogelgrippe liege die Todesrate bei 30 bis 50 Prozent. Die Schweinegrippe sei gefährlich, weil sie von Mensch zu Mensch übertragen werde, sagte der Professor vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. „Aber die bekannten Medikamente wirken, und ein Impfstoff kann innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate entwickelt werden.“ Auch der Virologe Alexander Kekulé warnte in der ARD vor Panik. Das Schweinegrippen-Virus habe „eine niedrige Aggressivität“. Allerdings sei nie auszuschließen, dass sich ein Virus im Verlauf einer Epidemie oder Pandemie verändere.

Aus den USA wurde der erste Grippe- Todesfall außerhalb Mexikos gemeldet. Das 23 Monate alte Kind stammte aus Mexiko und war nach der Erkrankung von seinen Eltern zur Behandlung nach Texas gebracht worden. Weil die meisten Infektionen aus Mexiko gemeldet wurden, erwog die EU am Mittwoch die Aussetzung von Flügen nach und von Mexiko. Dies sagte die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Zudem werde überlegt, die Flughäfen zu desinfizieren.

In Mexiko stand das Leben am Mittwoch weitgehend still, allerdings wurde die Zahl der durch das Virus Gestorbenen erheblich nach unten korrigiert. Bestätigt sind in dem am schwersten betroffenen Land bislang nach neuen Angaben 26 Infektionen, darunter sieben Todesfälle. Bislang hatten die Behörden von mehr als 150 Toten gesprochen. Dabei dürfte es sich nach Einschätzung von Virologen aber um Opfer der saisonalen Grippe oder anderer Erkrankungen gehandelt haben.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben