Zeitung Heute : Sehenswerte Städtchen im Hinterland der Costa del Azahar

Klaus Thiele

Die Altstadt von Peniscola sieht aus, als hätten Filmleute sie eigens als gigantische Kulisse für einen der alten HollywoodSchinken ins Wasser gebaut. Tatsächlich ritt vor der "Stadt im Meer" Charlton Heston in den sechziger Jahren als spanischer Nationalheld El Cid mit seinen Mannen über den Strand. Die auf eine Felshalbinsel gebaute Stadt mit wuchtigen Mauern und wehrhaftem Kastell ragte eindrucksvoll im Hintergrund auf.

Ein Stilbruch war es freilich schon, denn als El Cid 1094 das Gebiet um Valencia von den Mauren befreite, befand sich noch eine arabische Alcazaba auf dem Felsklotz, dessen strategische Lage schon Iberer, Phönizier, Griechen, Karthager und Römer zu nutzen wussten. Die Templer schleiften die arabische Burg. Sie und später die Baumeister des Montesa-Ordens gaben der Festung bis zum 15. Jahrhundert im Wesentlichen ihr heutiges Gesicht. Unter Philipp II. wurden im 16. Jahrhundert noch ein paar zusätzliche Bollwerke angefügt.

Küste der Orangenblüte

Der Montesa-Orden war "Speerspitze" der Reconquista, der Rückeroberung Spaniens durch die Christen. Er stellte Peniscola während der Kirchenteilung dem aus Aragon stammenden Pedro de Luna zur Verfügung. Dieser regierte 1411 bis 1417 von dort als Gegenpapst Benedikt XIII. Im hohen Alter von 98 Jahren starb er 1423 in der Überzeugung, der wahre Papst zu sein, obwohl das Konzil von Konstanz ihn längst abgesetzt und als Ketzer angeklagt hatte. Burg und Stadt des "Papa Luna" sind heute die Attraktion der 112 Kilometer langen Mittelmeerküste der Provinz Castellon, die sich zwischen Valencia und dem Ebro-Delta erstreckt. Der Aufstieg durch die Altstadtgassen hinauf zum Castillo lohnt allein wegen des prächtigen Ausblickes, auch wenn sich einem vor manchem Souvenirladen die Nackenhaare sträuben.

Costa del Azahar, Küste der Orangenblüte, ist der touristische Begriff der Region. Ein treffender Name, wie dem Besucher seine Nase im Frühjahr untrügerisch verrät. Denn dann duften in dem bis zu 20 Kilometer breiten Küstenstreifen aus fruchtbarem Schwemmland in endlosen Plantagen Millionen von Orangenblüten. Die Costa del Azahar ist eine der weniger bekannten Badeküsten Spaniens, aber keineswegs mehr "unentdeckt". Deutsche Reiseveranstalter bieten sie zwar kaum an, aber im Sommer machen dort viele Spanier Urlaub. Später als anderswo, dafür aber teilweise umso hastiger entstanden in Orten wie Benicasim, Orpesa, Benicarló oder um die Hauptstadt Castelló de la Plana Hotel- und Apartmentkästen, mit denen Schönheitspreise nicht unbedingt zu gewinnen sind. Aber es gibt auch noch weniger zugebaute Buchten, wie zum Beispiel bei Alcoceber beziehungsweise Alcossebre. Die Region ist "zweisprachig". Man spricht offiziell Kastilisch und Valencianisch.

Vorposten gegen die Mauren

Was diese Küste für Spanien-Liebhaber interessant macht, das ist neben der Felsenstadt Peniscola vor allem das Hinterland Maestrazgo, auf Valencianisch Maestre. Das ist ein noch sehr ursprüngliches, von Landflucht geplagtes Stück altes Spanien, dessen Name auf die Großmeister des Montesa-Ordens zurückgeht, der in der schroffen Bergregion Vorposten gegen die Mauren errichtete. Man steht erstaunt vor verschlafenen Bergnestern wie Ares del Maestre oder einem Ort wie Mirambel, der mühelos als Kulisse für Ritterfilme dienen könnte. Das in einem Hochtal gelegene San Mateo (Sant Mateu) war einmal Verwaltungssitz des Montesa-Ordens, Hauptstadt des historischen Maestrazgo, Zentrum des Wollhandels, als noch riesige Schafherden durch das Bergland zogen.

Im heute bescheidenen Landstädtchen waren vom 14. bis 16. Jahrhundert Päpste und Könige zu Gast. Von der längst vergessenen Blütezeit künden noch ein paar Adelspaläste und die Erzpriesterkirche. Letztere wurde im 13. Jahrhundert im romanischen Stil begonnen, im 15. Jahrhundert gotisch vollendet. Hübsch gruselig ist das mittelalterliche Kerker-Museum Les Presons, dem der winzige Friseurladen des Señor Arin angeschlossen war. Er war Barbier, Zahnbrecher und Geburtshelfer in einer Person und außerdem ein Vorfahre jener netten Señora, die heute Besucher durch das kleine Museum führt.

Auf keinen Fall auslassen darf man beim Durchstromern des Maestrazgo die Stadt Morella etwa 50 Kilometer im Hinterland. Sie zieht sich weithin sichtbar einen 1070 Meter hohen Felskegel hinauf, gekrönt von den Ruinen einer mittelalterlichen Zitadelle, zu deren Herren auch El Cid gehörte. Sehenswert sind die gotischen Portale der Basilika Santa Maria la Mayor, die Stadtmauern und -tore, der Kreuzgang der ehemaligen Franziskanerkirche und in der Altstadt die Arkadengänge mit gemütlichen Lokalen und Kneipen. Und man sollte sich nach dem Bummel durch Morella Zeit nehmen, um im Meson del Pastor einzukehren. Dort gibt es als Kontrast zur Küche an der Küste mit frischen Fischen und Meeresfrüchten eine kräftige Alternative mit Lamm, Ziege, Kaninchen und Schinken. Aber das Besondere an Morella ist, dass hier das Deftige nobel verfeinert wird, denn Morella ist ein Trüffelzentrum. Und im Herbst werden in der Umgebung zudem die wunderbarsten Steinpilze gefunden.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben