Zeitung Heute : Selbstachtung wiederfinden

-

Ob Personalmanager oder Taxifahrer: Wer seine Arbeit verliert, fühlt sich herabgesetzt. „Nur die Reaktionen sind unterschiedlich“, sagt Caroline Fischer. Die Psychologin leitet die Berliner Niederlassung von Rundstedt, einer Firma, zu deren Aufgaben es auch gehört, Arbeitslosen den Weg zurück in die Beschäftigung zu zeigen.

Dazu müssen sie zunächst ihre Selbstachtung wieder erhalten. Wie schafft man das? Fischer spricht aus Erfahrung, wenn sie sagt: „Jeder Fall von Würdeverlust ist individuell.“ Deshalb gibt es auch keine psychologischen Tricks, die man anwenden kann. Um die Würde eines Menschen wieder herzustellen, geht Fischer in drei Schritten vor. Zuerst führt sie ein persönliches Gespräch mit ihrem Klienten. „Den meisten hilft das schon sehr“, sagt die Psyochologin. „Viele trauen sich nicht, über die Demütigung mit Freunden oder dem Partner zu reden.“

Einer neutralen Person gegenüber tun sich viele auch leichter damit, ein gewisses Eigenverschulden an der Situation einzuräumen. Laut einer von Rundstedt durchgeführten Studie verfügen die meisten Gekündigten über „überproportional geringes politisches Gespür“. Sie merken nicht, wenn jemand an ihrem Stuhl sägt. Auch das wird thematisiert und eventuell verbessert.

In der zweiten Phase versucht Caroline Fischer, ihren Kunden die Selbstachtung durch Aufzeigen vergangener Erfolge zurückzugeben. Dazu schreiben sie ihre beruflichen Leistungen aus den letzten Jahren auf und leiten daraus Charaktereigenschaften wie „fleißig“ oder „engagiert“ ab.

Schließlich gibt Fischer dem Alltag der Arbeitssuchenden eine gewisse Struktur, um ihnen das Gefühl von Aussichtslosigkeit und Überforderung zu nehmen. Morgens joggen, mittags Bewerbungen schreiben, abends weiterbilden. Wer will, kriegt von Rundstedt sogar ein eigenes Büro zur Verfügung gestellt, in dem er seine Bewerbungen schreiben kann. So hat er nicht das Gefühl, nutzlos zu Hause herumzusitzen. chh

LEBENSHILFE

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben