Zeitung Heute : Selbstbewußte Virtuosen

GALMIER (sid).Sie haben die besten und teuersten Ballkünstler Europas - doch Jugoslawiens Fußball-Virtuosen müssen im Konzert der Großen ihre Orchesterreife erst noch beweisen.Sinisa Mihajlovic (Sampdoria Genua), Vladimir Jugovic (Lazio Rom), Dejan Savicevic (AC Mailand) oder Champions-League-Held Predrag Mijatovic (Real Madrid) stehen im Team des wohl härtesten Konkurrenten von Europameister Deutschland im Kampf um den Sieg in der Gruppe F.

Doch Vujadin Boskov, unter anderem Europapokalsieger mit Sampdoria Genua und nun als Generalsekretär des jugoslawischen Verbandes gefragter Gesprächspartner, weiß, daß das allein nicht ausreicht."Zwei Spieler kommen aus Spanien, zwei aus Italien, drei aus Jugoslawien.In jedem Land wird ein anderes System gespielt.Wir müssen daher hart an uns arbeiten", sagt Boskov.Das unglückliche Viertelfinal-Aus bei der WM 1990 in Italien im Elfmeterschießen gegen Argentinien war der letzte Auftritt bei einem großen Fußball-Turnier.1992 war Jugoslawien wegen der Sanktionen aufgrund des Bürgerkrieges von der EM-Endrunde ebenso ausgeschlossen worden wie 1994 von der WM-Qualifikation.1996 scheiterte man in der Qualifikation zur EM in England.

Trotz dieser langen Durststrecke ist im vornehmen Quartier der Jugoslawen, dem "Relais du Silence" La Charpiniere, 58 km nordwestlich von Lyon, nichts zu spüren.Die Spieler stellen sich ausgiebig den Medien und zeigen sich selbstbewußt."Wir werden mit Sicherheit als Sieger vom Platz gehen", tönt Verteidiger Mihajlovic.

Dirigent des jugoslawischen Starensembles ist seit Dezember 1994 Slobodan Santrac, dem zu Beginn seiner Tätigkeit vorgeworfen wurde, eine Marionette der Stars zu sein.Doch bei seinen Spielern genießt der mit 218 Treffern immer noch beste jugoslawische Liga-Torschütze hohes Ansehen.Das 0:2 gegen Spanien war die einzige Niederlage der Jugoslawen in der WM-Qualifikation, in der man in insgesamt zwölf Spielen 41 Tore erzielte.14 Treffer markierte alleine Mijatovic.

Trotz der mißlungenen WM-Tests der Iraner in der Vorbereitung warnt Santrac: "Alle sprechen davon, daß wir der klare Favorit sind.Wir werden jedenfalls nicht den Fehler machen, die Iraner zu unterschätzen."

Der Außenseiter mit den in Deutschland spielenden Profis Ali Daei, Karim Bagheri und Khodadad Azizi schottet sich im Quartier in Yssingeaux, 52 km nördlich von St.Etienne ab.Nach den Querelen im Vorfeld verfügte Teammanager Noamus Geheimtraining und einen Maulkorberlaß.

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