Zeitung Heute : Sex-Ausflüge hinterlassen gefährliche Spuren

BORIS REITSCHUSTER (afp)

Nackte Haut, verführerische Angebote und harte Porno-Szenen im Internet können für Computer-Nutzer gefährliche Folgen haben: Wer in dem weltweiten Computernetz harmlose Erotik oder anstößige Sex-Angebote sucht, bleibt nicht immer anonym, erst recht nicht, wenn er seine Adresse oder seine Kreditkartennummer angibt.Nach einem Bericht des Computermagazins "Chip" droht in diesem Fall ein voller Briefkasten und ein leeres Konto.Zudem bleiben die Sex-Fährten auch im eigenen Rechner gespeichert - was im Büro womöglich den Chef in Rage und zu Hause die Kinder auf dumme Gedanken bringen kann.

Auch ohne jedes Zutun "merkt" sich der Computer viele Geheimnisse seiner Benutzers.Wer sogenannte "Lesezeichen" setzt, um bestimmte Seiten im Internet schnell wiederzufinden, dokumentiert seine "Fährte" in dem Computernetz schwarz auf weiß.Aber auch Netznutzer, die auf Diskretion Wert legen, hinterlassen eindeutige Spuren.Der Weg durch das Internet wird im Computer automatisch protokolliert, es werden also alle Seiten aufgelistet, die der Benutzer zuletzt aufgeschlagen hat.Gefahr für die Diskretion lauert zudem im Adreßbuch für elektronische Post (E-Mail).Meist werden auch noch Kopien der abgeschickten Post-Sendungen gespeichert.Anzügliche Mitteilungen finden sich so schwarz auf weiß wieder - etwa wenn der Nachwuchs im Computer stöbert.

Was zu Hause zu Peinlichkeiten oder gar zum Ehestreit führen kann, hat auf dem Firmenrechner unter Umständen sogar die Kündigung zur Folge.Die geschäftliche E-Mail-Adresse darf meist nur für Berufs-Post verwendet werden.Entdeckt der Chef verfängliche Briefe, kann sich der Mitarbeiter nicht unbedingt auf den Schutz der Privatsphäre verlassen, warnt "Chip"-Chefredakteur Rainer Grabowski: "Entscheidend ist, was dazu im Arbeitsvertrag steht." Wenn eine eindeutige Regelung fehlt, ist der private Gang ins Internet ebenso wie private Telefonate unzulässig.Wer dagegen verstößt, riskiert eine Abmahnung oder gar eine Kündigung.Das gilt auch für das Abspeichern von privaten Dokumenten oder Bildern auf Bürocomputern.

Wer seine Gewohnheiten für sich behalten will, sollte die Internet- und E-Mail-Adressen nicht abspeichern und auch den temporären Speicher auf seinem Computer regelmäßig löschen.Auch mit persönlichen Daten oder Kreditkartennummern sollte der Computernutzer geizig umgehen: Oft werden die Daten etwa bei Erotik-Anbietern für einen angeblich kostenlosen Zugang angefordert.Im Kleingedruckten steht dann, daß sich die Gratis-Offerte nach einigen Tagen automatisch in eine teure Mitgliedschaft verwandelt.Der Kunde wird dann feststellen, daß er Pech gehabt hat: Er kann sich dann nämlich den Kopf zerbrechen, wie er dem Anbieter am anderen Ende der Welt kündigt - und vom Konto wird munter abgebucht.

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