Zeitung Heute : Shiraz

Suppe zum Selbermachen

Elisabeth Binder

Shiraz, Danckelmannstr. 20, Charlottenburg, Tel. 326 796 60, geöffnet montags bis freitags von 12 bis 24 Uhr, sonnabends, sonntags und an Feiertagen von 16 bis 24 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Erfindung der Tapas-Bar war ein ziemlich genialer Coup. Im kleinen Vielerlei kann man großartig schwelgen. Da sollten die Betreiber persischer Restaurants genau hinschauen, damit sie den Trend nicht verschlafen. Das „Shiraz“ trägt den Namen einer berühmten iranischen Stadt, die Inneneinrichtung sieht aus wie ein persisch geschminktes Berliner Wohnzimmer, im vorderen Teil noch ganz aufgeräumt, nach hinten hin zunehmend krempelig mit einem unvermuteten Computertisch, auf dem unausgepackte Broschüren liegen. Für Puristen und Anhänger des modernen Restaurant-Minimalismus ist das nichts. Die gegenüberstehenden Sofas sind immerhin nicht plüschig, sondern bankhart, zum Teil verkleidet mit den braungrauweiß gestreiften Berberdecken, die mich sehr an meine Studentenzeit erinnern. Viele Perserteppiche und am Übergang zur unaufgeräumten Zone gar eine kleine Liegewiese aus Teppichen und Kissen. Das Essen im Liegen ist, fürchte ich, wieder sehr im Kommen.

Der offene Riesling, den wir als Aperitif dem iranischen Bergblumentee vorzogen, tendierte ein bisschen ins Süßliche, war aber noch okay (0,2 Liter für 3,50 Euro). Zum eigentlichen Essen gab’s dann passend zum Namen den roten Shiraz aus Australien (18 Euro), der relativ zuverlässig zu exotischen Küchen passt, auch zur Üppigkeit der persischen Gewürzküche.

Ein Korb war gut gefüllt mit dünnen Fladenbrotquadraten aus dem Steinofen, die „Lawash“ genannt werden. Die gemischten Vorspeisen waren interessanterweise in weißen Porzellanschüsseln angerichtet, die nach dem Vorbild der Currywurst-Pappschachteln geformt sind. So witzig die sein mögen, wenn es darum geht, Pommes einen Edeltouch zu geben, so sehr empfand ich sie hier als Stilbruch. Passte einfach nicht zum Rest der Folklore. Sehr schön angeschärft das Zucchini-Tomaten-Gemüse. Der milderen Spinat-Joghurt-Creme geben iranische Gewürze eine eigenwillige Prägung. Einen besänftigenden Kontrast zu den schärferen Gerichten bietet der Joghurt mit Gurken und Kräutern. Von feiner Schärfe die gebratenen Auberginen mit Tomaten und Kichererbsen. Das alles rückt ein bisschen ab von der Knoblauch-Wolke, die unweigerlich über mediterranen Vorspeisen hängt. Dazu gibt es originellerweise einen Teller mit Minzeblättern, Petersilie, Radieschen und Kräuteroliven. Das verdient Nachahmung (7, 50 Euro)!

Zu den Spezialitäten des Hauses zählt die „Dizi“ genannte Fleischsuppe. Sie wird effektvoll, man könnte auch sagen: etwas umständlich, serviert. In einer Schale befindet sich die Fleischbrühe, und der Chef des Hauses führt vor, wie man ein Stück vom Fladenbrot in kleine Stücke reißen muss, die da hineingehören. Dazu gibt es einen bunten kleinen Suppentopf, der aussieht, als wenn er lieber eine Kaffeekanne geworden wäre, mit Kartoffeln, Kichererbsen, dicken Brocken Lammhaxe, Tomaten und Bohnen drin. Nach Belieben füllt man das in die Brühe und manscht es mit einem Stampfer zusammen. Es scheint sich hier um eine echte Mitmach-Küche zu handeln, die den Koch in die angenehme Lage versetzt, einen Teil der Verantwortung für das Gelingen oder auch Nichtgelingen der Gerichte auf die zerbrechlichen Schultern seiner Gäste abwälzen zu können (7 Euro).

Das „Bákhtiari-Kebab“ war dagegen eher konventionell: Etwas trockene, aber nicht unzarte Lammfleisch- und Hähnchenwürfel waren aufgereiht wie am Spieß, von diesem aber rücksichtsvollerweise befreit worden. Dazu gab es Reis, gebackene Tomaten und eine schöne tomatige Sauce, wieder von dieser gekonnten Schärfe, die schon bei den Vorgerichten positiv aufgefallen war (14 Euro).

Leider schafft man nach solchen Breitseiten kein Dessert mehr, was wirklich schade ist. Es wird vor allem Gebäck angeboten. Zwei winzige Kostproben von den mit Honig getränkten und mit Mandeln, Pistazien, Zimt und orientalischen Gewürzen gefüllten Baghlawa gab es statt Schnaps zur Rechnung. Überdurchschnittlich gut! Das nächste Mal fangen wir damit einfach an, gehen dann über zu den Vorspeisen und überlassen die Hauptgerichte ganz einfach sich selber.

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