Zeitung Heute : Shopping im Netz: Weihnachten ohne Stress und Last-Minute-Käufe

Markus Ehrenberg

Am Nikolaustag spielt Aldi-Nord den Weihnachtsmann. Angeboten wird eine Webcam zum Preis von 87,98 Mark und die Telefonauskunft-CD-ROM für 6,98 Mark. Noch mehr PC-Schnäppchen für den Wunschzettel, denn vor ein paar Tagen gab es schon einen Pentium-III-Computer für 2500 Mark.

Geschenkekaufen vor Weihnachten - das bedeutet meist Ratlosigkeit, volle Geschäfte, Stress, Last-Minute-Käufe. Dabei kann man das ganz bequem von zu Hause aus erledigen, zumindest vorbereiten: im Internet. Ob Kleidung, Bücher, CDs, die neuesten High-Tech-Geräte oder persönliche Web-Adressen - fast alle größeren Firmen bieten ihre Produkte via Website feil, viele auch gleich zum virtuellen Einkauf.

Online bestellte Präsente sind in der Regel drei, vier Tage später im Briefkasten. Ein Klick auf den Warenkorb beim Buchhändler amazon.de , und das Harry-Potter-Buch wird nach Hause geliefert, auf Wunsch sogar verpackt, direkt zum Neffen oder der Nichte. Gezahlt wird per Kreditkarte oder Nachnahme (nicht zu empfehlen bei der beschenkten Nichte). Die größte Schwierigkeit ist hierbei nicht die Lieferung, sondern die Bestellung. Amazon startete ins dicke Weihnachtsgeschäft mit abgestürzten Websites. Dennoch: In Amerika ist Cyber-Shopping eine Selbstverständlichkeit. Rund ein Drittel aller Internet-Nutzer bestellt dort die Weihnachtsgeschenke online. Und spart dabei. Websites wie powershopping.de ermöglichen Rabatt-Einkäufe, wenn sich einzelne Interessenten per Netz zu Großabnehmern zusammenschließen. Warum die unverbindliche Preisempfehlung nicht beim Wort nehmen? So kostet eine Espressomaschine bei fünf Käufern statt 899 nur noch 799 Mark.

Unentschlossene Einzelschenker bummeln besser in den Cyber-Shops herum, lassen sich bei mallguide.de durch 1000 Websites mit Produkten und Dienstleistungen führen. Das umfangreichste Sortiment findet sich beim weltweit größten Netz-Portal AOL. Wozu noch auf den Kurfürstendamm? Online gibt es Schmucksets, Hähnchenbräter, Harry-Potter-Bücher, Sasha-CDs, Ledermäntel, ausgewählte Portwein-Kisten, einen hüftenschwingenden Weihnachtsmann (mit Akku bei tchibo.de) oder endlich eine Schuhputzmaschine (für 80 Mark bei paradise.de). Spargroschen klicken bei "Geschenken unter 50 Mark", Genießer bei quelle.de unter "Dessous".

Rechtzeitig vor Weihnachten geht sogar das legendäre Moskauer Kaufhaus GUM online. Das nutzt uns in Deutschland vielleicht wenig, aber dafür kann man bei GUM online eine junge Frau mieten, die mit einer Kamera auf dem Kopf durch das Kaufhaus fährt und per Handy Bestellungen entgegennimmt. 10 US-Dollar kostet die Stunde. Modernes Russland.

Und was schenkt man per Internet dem, der schon alles hat? Vielleicht einen Wellness-Gutschein (100 Mark bei yousmile.de ), eine Vier-Tageskreuzfahrt für 650 Mark oder eine persönliche Internet-Adresse. Für die nächste Hochzeit, die letzten Urlaubsfotos oder den Nachwuchs: www.unser-erstes-kind.de . Unter www.carambole.de kann man Internet-Domains für 89 Mark online registrieren und verschenken.

Eigentlich kommt diese Geschichte aber viel zu früh. Denn der Entertainment-Shop Bol.de spielt den Last-Minute-Weihnachtsmann. Dort kann man noch am 24. Dezember im Internet die neue Madonna-CD bestellen. Ein bundesweiter Express-Service liefert die Geschenke innerhalb von vier Stunden, rechtzeitig zum Gänsebraten. Zumindest in Berlin, einer von zwölf "Sprinter-Regionen". Wenn dieser Service funktioniert, ist das eine strategische Meisterleistung. Die 22 Lieferwagen werden von einem Satelliten-Navigationssystem gesteuert. Bloß: Was ist bei Glatteis? Virtuelle Weihnachten!

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