Zeitung Heute : Short Messages Service: Lebensplanung mit dem SMS-Handy

Kurt Sagatz

Die Frage, ob der Inhalt die Masse rechtfertigt, darf man sich angesichts des Booms offenbar kaum noch stellen. 1,8 Milliarden Kurzmitteilungen, neudeutsch Short Messages oder SMS genannt, wurden im letzten Jahr allein in der Bundesrepublik versandt, rechnet Helge Sahl, Deutschland-Manager des in Großbritannien gestarten Handy-Informationsdienstes HyByte vor. Und darin wird sich seiner Meinung nach bis zur Einführung des Handystandards UMTS nichts ändern. Inzwischen werden die Kurzmitteilungen immer häufiger auch von Unternehmen genutzt, um kurz und kostensparend die mobilen Mitarbeiter über das Geschehen im Unternehmen zu informieren.

Die Zielgruppe von Hybyte, das seit letztem Jahr von Berlin aus den deutschen Markt aufrollen will, ist hingegen in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen zu suchen, die abends viel unterwegs sind und gerade deshalb darüber informiert bleiben wollen, was in der Szene passiert. Auf sie ist das HyByte-Unternehmenskonzept mit seinem "Mobile Life Management" zugeschnitten. Zum einen werden über HyByte die jungen Nutzer über aktuelle Events und Locations informiert. Anfangs vor allem in Berlin. Schließlich beläuft sich die Gruppe der jungen Handy-Nutzer mit SMS-Ambitionen hier auf immerhin 350 000 Menschen. Später soll eine Ausweitung des Dienstes in andere Teile des Bundesgebiets folgen. Auch Sport- oder Börsennews werden entsprechend den eigenen Interessen, die über die Website www.hybyte.de festgelegt werden, als SMS übertragen.

Mit seiner Ausrichtung steht der neue Dienst in Konkurrenz zu den verschiedenen Angeboten für WAP-Handys. Aus Sicht von Sahl hat HyByte jedoch den großen Vorteil, dass nur jene Meldungen bezahlt werden müssen, die tatsächlich dem Interessensprofil der jungen Nutzer entsprechen und genau dann über ein Ereignis informieren, wenn diese Information benötigt wird. Zudem lassen sich die SMS im Gegensatz zu WAP im Handy speichern. Zudem können über den HyByte-Dienst nicht nur rundgesendete Meldungen empfangen, sondern auch gezielt Informationen abgefragt werden. Zum Beispiel Börsenkurse. Da bei der Nutzung des Dienstes die SMS-Zentrale auf HyByte umgestellt wird, lassen sich mit einer leeren Message an eine bestimmte SMS-Nummern die gewünschten Infos besorgen.

Auf dem gleichen Wege gelangen neue Klingeltöne oder Bilder für das Handy-Display zum mobilen Benutzer, wobei derzeit ausschließlich die in der Zielgruppe sehr beliebten Nokia-Telefone auf diese Weise aufgepeppt werden können. Zu den weiteren Funktionen gehört der Organizer. Nachdem zuvor wichtige Daten wie zum Beispiel Geburtstage oder andere, variable Ereignisse in das eigene Internet-Profil eingegeben wurden, sendet HyByte zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt eine Erinnerungs-SMS an das Handy.

Die Nutzung der HyByte-Dienste ist kostenpflichtig. Mit dem Kauf einer kleinen, Streichholzschachtel-großen Box für 19,90 Mark werden 200 Credits erworben. Für den Versand einer Short-Message werden zwei Punkte berechnet, das Verschicken eines Ruftones kostet hingegen 10 Credits, also rund eine Mark. Und der abgefragte Börsenkurs wird mit 40 Pfennig berechnet. Die Boxen gibt es überall dort, wo bereits jetzt Edgar-Postkarten erhältlich sind. Insgesamt wird die HyByte-Box an 60 Stellen in Berlin verkauft.

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