Zeitung Heute : Sich helfen lassen

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Sigrid Kneist

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Der Familienfrieden ist ein kostbares Gut. Ihn gilt es unter allen Umständen zu bewahren. Bis vor kurzem geriet aber unser häusliches harmonisches Miteinander regelmäßig in Gefahr. Tränchen flossen, Charlotte heulte und keifte. Ich war wieder die blödeste aller Mütter und am Rande des Nervenzusammenbruchs. Diese aufreibenden Situationen schienen eine Konstante in unserem Alltag zu sein. Gottlob, aber nicht nur in unserem! Wer will schon alleine als Versager-Mutter dastehen? Eine kleine Umfrage bei Familien mit gleichaltrigen Töchtern ergab, dass diese sich durchaus mit dem selben Problem herumschlugen. Freundinnen konnten sich an ebensolche grauenvollen Szenen aus der eigenen Kindheit erinnern und verzogen allein bei dem Gedanken daran schmerzverzerrt das Gesicht.

Es geht um ein Problem, das proportional zur Länge der Haare auf dem Kopf wächst: Haare waschen und kämmen. Ein seit Generationen leidiges Kapitel. Wir persönlich konnten dieses jetzt schließen. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich Charlotte erst nach Drohungen mit Läusen und anderem Ungeziefer davon überzeugen konnte, sich die Haare waschen zu lassen. Wie ein Häufchen Elend saß sie in der Wanne, um die Tortur über sich ergehen zu lassen. Sie jaulte sofort los, wenn sich das Wasser trotz größter Vorsichtsmaßnahmen meinerseits den Weg in Ohren oder Augen bahnte. Das Drama steigerte sich, sobald ich anschließend Bürste oder Kamm in die Hand nahm. „Das ziept! Kannst du nicht aufpassen? Auaaah!“ – Markerschütternd waren die Schreie meiner zitternden Tochter, sobald ich versuchte, die Nester und Knoten in ihrem Blondhaar zu lösen. Charlotte selber ging einige Male radikaler vor, als sie mit der Bürste nicht mehr durchkam: Sie griff zur Schere. Hinterher war das Gejammer groß, wenn die nachwachsenden Strähnchen widerspenstig abstanden.

Aber das ist – wie gesagt – bei uns Vergangenheit. Wir haben nämlich ein kleines Helferchen aus der Kosmetikindustrie, dass das Frisieren feinen Mädchenhaares zum Kinderspiel werden lässt. Auf diesen brachte uns in einem Kreuzberger Drogeriemarkt eine freundliche Verkäuferin, der ich unser Dilemma schilderte. Sie wusste genau, wovon ich sprach, und hatte an ihrer achtjährigen Tochter schon etliche Produkte getestet. „Bändigt, glättet und entspannt trockenes, sprödes und widerspenstiges Haar“, heißt es auf dem orangenen Plastik- Fläschchen, das sie mir reichte. „Das ist jeden Cent wert“, sagte sie, als ich angesichts des ziemlich hohen Preises kritisch guckte.

Das wollte ich sofort testen. Charlotte war gespannt, ob sie von ihren Qualen erlöst würde. Siehe da, ein paar im Haar verriebene Tröpfchen des kleinen Wundermittels reichen, um Abende mit meiner Tochter im Badezimmer ganz entspannt angehen zu können. Die freundliche Verkäuferin hatte Recht. Was sind schon ein paar Euro, wenn dadurch der Familienfrieden bewahrt bleibt? Denn der ist eigentlich unbezahlbar.

Das Helferchen stammt aus der Haarpflege-Serie von L’Oréal, El Vital, Hair Control, Smooth Intense mit Nutrileum, und kostet in Drogeriemärkten zwischen 7,99 und 9,99 Euro.

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