Zeitung Heute : Sicher handeln mit Ebay

Scheingeschäfte, leere Verpackungen, überhöhte Gebote: Auch für Online-Auktionen gelten Regeln

Kurt Sagatz

Die Angebotspalette reicht von A wie Alfa Romeo bei Autos bis zu Z wie Zenith in der Rubrik Uhren. Insgesamt 12 Millionen Produkte umfassen die 18 000 Artikel-Rubriken des Online-Auktionshauses Ebay. Allein im letzten Quartal des Jahres 2002 wechselten bei Ebay Deutschland Waren im Wert von rund einer Milliarde Euro den Besitzer. Das Modell ist erfolgreich, dennoch bleibt bei jedem Bietvorgang die Angst, auf windige Abzocker-Angebote oder echte Auktionsbetrügereien reinzufallen oder doch zumindest die Sorge, am Ende mehr bezahlt zu haben, als vielleicht möglich gewesen wäre.

Tipps und Tricks

In den letzten Jahren hat sich das Handeln bei Ebay fast schon zu einer Art Volkssport entwickelt. Und genauso wie für jede andere „Sportart“ gibt es auch für Online-Auktionen einschlägige Regeln. Dabei handelt es sich nicht allein um jene Vereinbarung, die man mit der Anmeldung bei Ebay akzeptieren muss, sondern ebenso um die vielen kleinen Tipps und Tricks, die es zu beherzigen gilt. Schließlich möchte man auch als Gelegenheitsbieter nicht den Kürzeren ziehen.

Beinahe selbstverständlich ist, dass nur bei Offerten mitgeboten werden sollte, an denen man tatsächlich interessiert ist. Wer sich nicht sicher ist, ob das angebotene Produkt tatsächlich den eigenen Bedürfnissen entspricht, kann sich bei Verbraucher-Informationsportalen wie www.ciao.com darüber informieren, welchen Eindruck das Produkt bei anderen Nutzern hinterlassen hat.

Ist die Entscheidung für ein Produkt gefallen, sollte in jedem Fall der aktuelle Wert ermittelt werden. Hierbei helfen Seiten wie www.guenstiger.de oder www.preisvergleiche.de . Auch eine allgemeine Internet-Suche mit google.de kann hilfreich sein. Genau wie an der Börse kann man sich so nun ein Preislimit setzen, bis zu dem man mitzubieten bereit ist. Nicht vergessen: die Kosten für den Versand trägt zumeist der Käufer, auch diese Beträge müssen berücksichtigt werden.

Der Großteil der Angebote wird inzwischen mit einem geringen Einstandspreis ins Netz gestellt, der häufig gerade einmal bei einem Euro liegt. Doch selbst bei so günstigen Lockangeboten empfiehlt es sich nicht, allzu früh einzusteigen. Sonst wird nur der Preis vorfristig in die Höhe getrieben. Die erfahrenen Ebay-Nutzer warten hingegen bis ganz zum Schluss, bevor sie sich einschalten. Auch hierbei hilft das System, dass so eingestellt werden kann, dass die in kurzer Zeit endenden Auktionen weiter oben in der Liste angezeigt werden. Überhaupt lässt sich beobachten, dass man ein Schnäppchen eher nachts findet als in der Primetime am frühen Abend oder an den Wochenenden.

Wer es auf ein ganz bestimmtes Produkt abgesehen hat, und derzeit nicht fündig wird – weil es gerade nicht angeboten wird oder zu einem nicht gerechtfertigten Preis – sollte die Wunschprodukt-Information von Ebay nutzen. Bis zu drei Artikel-Kategorien lassen sich so automatisch beobachten. Und gibt es einen Treffer, wird der Nutzer per E-Mail darüber informiert.

Zu den unabdingbaren Voraussetzungen für erfolgreiches Handeln gehört, sich die Texte zu den Offerten gründlich durchzulesen. Denn schließlich will man nicht die beigefügten Illustrationsbilder kaufen, sondern eben das Produkt mit den im Text erläuterten Eigenschaften oder Einschränkungen. Offene Fragen lassen sich per E-Mail vom Anbieter klären. Reagiert dieser nicht, sollte man von Geboten ohnehin Abstand nehmen, egal wie hoch dessen Konto an Positiv-Bewertungen aussieht.

Beim Thema Bezahlen sind die Empfehlungen der Auktionsexperten sowie die Ratschläge von Ebay eindeutig. Vorkasse ist zwar von vielen Anbietern erwünscht, um jeder Gefahr aus dem Weg zu gehen, gilt die magische Grenze von 200 Euro. Bis zu diesem Betrag gewährt Ebay unter bestimmten Voraussetzungen Versicherungsschutz. Auf der sicheren Seite sind Käufer und Verkäufer mit dem gebührenpflichtigen Treuhand- Konto. Die Ware wird erst abgeschickt, wenn das Geld auf diesem Konto liegt. Der Verkäufer kommt erst an sein Geld, wenn vom Käufer das o.k. gegeben wurde.

Die oberste Maxime von Ebay ist, dass man grundsätzlich an das Gute im Menschen glaubt. Die Realität ist freilich oftmals anders, auch wenn es laut Ebay nur in einem von 10 000 Auktionen tatsächlich zu Problemen kommt. Damit das Mitsteigern um Schnäppchen oder lange gesuchte Raritäten nicht nachträglich zum großen Ärgernis wird, sollte man sich auch mit den Tricks und Schlichen der Betrüger in Grundzügen auskennen.

Keine Chance für Betrüger

Eine absolut vermeidbare Bauernfängerei ist beispielsweise der täuscherische Handel mit Verpackungen. So wird zwar auf dem Bild das Produkt gezeigt, im Text jedoch darauf hingewiesen, dass hier nur die Verpackung angeboten wird. Moralisch mag das bedenklich sein, juristisch lässt sich dagegen nur schwer vorgehen. Das gilt eingeschränkt auch für überhöhte Versandkosten. Wer die Zusätze nicht gründlich durchliest und darauf hereinfällt, ist zumeist der Dumme.

Juristisch eindeutig ist die Sachlage hingegen, wenn statt der ersteigerten Ware am Ende nur ein Backstein geliefert wird. Bloß ärgerlich, wenn sich ein Verfahren dann wegen des geringen Streitwertes nicht lohnt. In all diesen Fällen sollte unbedingt Ebay ( hinweis@ebay.de ) informiert werden – nicht zuletzt, um solche schwarzen Schafe vom weiteren Handeln auszuschließen.

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