Zeitung Heute : Sicher in der Grauzone

Gegen die Sicherheitsfirma Blackwater, die im Auftrag der USA im Irak arbeitet, ermittelt die Justiz nun auch wegen Waffenschmuggels. Welche Rolle spielen Privatfirmen wie Blackwater in Krisen- und Kriegsgebieten?

Sarah Kramer

Kongo, Kosovo, Nigeria, Afghanistan, Irak – es gibt nur wenige Menschen, die sich freiwillig in diesen Krisengebieten aufhalten. Zu gefährlich scheint die Lage in diesen Ländern, zu groß das Risiko, einen Aufenthalt am Ende mit dem Leben zu bezahlen. Die internationalen Truppen, die in immer mehr Krisenregionen der Welt für Sicherheit sorgen sollen, sind damit zusehends überfordert: Sie müssen Wahlen überwachen, gegen Aufständische ins Feld ziehen, Terroristen und Attentäter bekämpfen, gegen Drogenhändler vorgehen – um nur einige Aufgabenbereiche zu nennen.

Für private Sicherheitsdienstleister ist die Versorgungslücke in den Krisengebieten ein gutes Geschäft. Sie kommen dort zum Einsatz, wo nationale oder internationale Kräfte an ihre personellen und materiellen Grenzen stoßen. Die Sicherheitsfirmen sorgen für Personenschutz, bewachen Gebäude oder gehen auf Patrouille. So hat zum Beispiel im Kosovo ein privates Sicherheitsunternehmen die Bewachung des amerikanischen Armeestützpunktes Camp Bondsteel übernommen. In Afghanistan bildet die US-Firma Dyncorp afghanische Polizisten aus.

Es sind vor allem amerikanische und britische Sicherheitsunternehmen, die den Markt beherrschen: Ihr Anteil am weltweiten Geschäft liegt derzeit bei fast 70 Prozent. Die US-Forschungsgesellschaft „Brookings Institution“ schätzte im Jahr 2004, dass sich Regierungen in aller Welt die Sicherheitsdienste von Privatunternehmen pro Jahr mehr als 100 Milliarden Dollar kosten ließen.

„Bei unseren Kunden ist das Bewusstsein für Risiken gewachsen“, sagt Robin Kroha, Manager für Krisen- und Sicherheitsmanagement bei der Risikoberatung Control Risks. „Die Auftraggeber haben erkannt, dass sie für ihre Mitarbeiter eine Fürsorgepflicht haben.“ Krohas 750 Kollegen sind auf der ganzen Welt im Einsatz, mehrere 100 Mitarbeiter sind derzeit im Irak. In dem Land, in dem beinahe täglich Selbstmordattentäter Unschuldige mit in den Tod reißen, ist die Nachfrage nach privaten Personen- und Objektschützern in den vergangenen Jahren rasant gewachsen: Schätzungen gehen davon aus, dass mittlerweile zwischen 20 000 und 50 000 Zivilisten aus den USA und Europa im Irak ihren Dienst leisten. Internationale Abkommen darüber, nach welchem Recht die Privatschützer in dem Krisengebiet operieren, gibt es bislang nicht – eine rechtliche Grauzone, gegen die vor allem demokratische Abgeordnete im US-Kongress seit langem vergeblich kämpfen. Auch im Irak ist der Umgang mit Sicherheitsleuten von Privatunternehmen jetzt ein Thema – nicht zuletzt wegen des Skandals um Mitarbeiter der US-Sicherheitsfirma Blackwater, die vor einer Woche grundlos elf Iraker erschossen haben sollen. Eine Kommission aus Vertretern der USA und dem Irak soll nun den Vorgang untersuchen. Iraks Präsident Nuri al Maliki hatte dem Unternehmen kaltblütigen Mord vorgeworfen. Blackwater beteuert, sich an die Gesetze gehalten zu haben. Die Iraker werfen privaten Sicherheitsdiensten dagegen seit langem vor, sich als „Privatarmee“ ungestraft außerhalb der Gesetze bewegt zu haben.

Beim deutschen Verteidigungsministerium und dem Auswärtigen Amt verfolgt man im Umgang mit privaten Sicherheitsdiensten eine klare Linie. „Wir sehen den Personen- und Gebäudeschutz als hoheitliche Aufgabe an, die wir bewusst nicht abgeben wollen, weil es um den Schutz der Soldaten geht“, sagt ein Sprecher des für Auslandseinsätze der Bundeswehr zuständigen Einsatzführungskommandos in Potsdam. Allerdings wird eingeräumt, dass es in den neunziger Jahren auch bei der Bundeswehr Überlegungen gab, private Sicherheitsunternehmen zu engagieren.

Das Auswärtige Amt setzt beim Einsatz in Krisengebieten wie Afghanistan ebenfalls in erster Linie auf die eigenen Leute: Wenn Personen geschützt werden müssen, übernehmen Mitarbeiter des Bundeskriminalamts oder der Länderpolizeien diese Aufgabe. Anders verhält es sich dagegen bei der Objektsicherung aus: Zum Schutz von Gebäuden und dem Eingangsbereich von Auslandsvertretungen kommen laut Auswärtigem Amt auch private Sicherheitsdienstleister zum Einsatz. Ob dabei einheimische, nationale oder internationale Kräfte zum Einsatz kommen, hänge dabei von der jeweiligen Infrastruktur und Situation vor Ort ab, sagt ein Sprecher des Außenamts. „Eine generelle Regelung gibt es nicht.“

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar