Zeitung Heute : Sicherheit made in Russia

Stephan Hille

Der Gegensatz könnte kaum größer sein: Düster ragt der triste Plattenbau in den grauen Moskauer Winterhimmel. Den Besucher empfängt in der Eingangshalle des Instituts für Radiophysik eine gespenstische Leere. Zu Sowjetzeiten forschten hier die Wissenschaftler unter strengster Geheimhaltung. Fünfzehn Stockwerke weiter oben empfängt Natalja Kasperskaja Besucher in einem freundlichen Büro. Die 36-jährige ist Chefin der Softwarefirma „Kaspersky Labs“, die sich auf Datensicherheit und die Bekämpfung von Viren und Computer-Hackern spezialisiert hat. Vor fünf Jahren hat die studierte Mathematikerin und Absolventin des Moskauer Instituts für elektronischen Maschinenbau gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Jewgenij die Software-Schmiede gegründet. Heute zählt „Kaspersky Labs“ zu den weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet.

Bereits im achten Jahr reist die Unternehmerin zur Computermesse Cebit nach Hannover. „Für uns ist dies eines der wichtigsten Ereignisse im Jahr, um neue Partner und Kunden zu finden“, sagt Kasperskaja.

„Wer sich mit Datensicherheit beschäftigt, kennt uns“, sagt die Geschäftsfrau nicht ohne Stolz. Zu den Kunden zählen Großkonzerne wie Ford und Motorola. Das Unternehmen unterhält Niederlassungen in den USA, Großbritannien und Frankreich. In Kürze will Kasperskaja auch in Deutschland eine Niederlassung eröffnen. Doch die Hauptabnehmer sind kleine und mittlere Unternehmen.

Sie alle beziehen das Programm „Kaspersky Anti-Virus“, Flaggschiff der Software-Schmiede, mit dem sowohl Großkonzerne als auch Home-User laut Eigenwerbung den besten Schutz vor Computer-Bazillen erhalten, die aus den Weiten des Cyberraumes drohen.

Ausgetüftelt und entwickelt wurde die Rezeptur von Nataljas Ex-Ehemann, Jewgenij Kasperskij, Chefentwickler und Namensgeber des Unternehmens. Ein Großteil der Schädlinge sind für den 37-jährigen Virendoktor nicht unbekannt: „Häufig handelt es sich um nahe Verwandte eines bekannten Virus“, sagt Kasperskij.

Seit der Unternehmensgründung vor fünf Jahren habe die russische Softwarefirma jedes Jahr ihren Umsatz verdoppelt, betont die resolute Chefin. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz immerhin bei 12 Millionen Dollar. Inzwischen wurde ein weltweites Vertriebssystem aufgebaut.

Ein Zufall, Improvisation und das Know-How ihres Ex-Mannes legten noch zu Sowjetzeiten den Grundstock für die Erfolgsgeschichte des Unternehmens. 1989 arbeitete Jewgenij Kasperskij noch als Programmierer in einem geschlossenen Institut für Kryptographie des sowjetischen Verteidigungsministeriums, als der Computervirus „Cascade“ seine Festplatte attackierte. Aus der Not heraus schrieb der Informatiker sein erstes Anti-Viren-Programm. Mit jedem Virenangriff verfeinerte er sein Programm und stellte die Ergebnisse ins Internet.

Seit dem Sprung in die Selbstständigkeit vor fünf Jahren ist das Unternehmen von 19 auf über 250 Mitarbeiter angewachsen.

Der Messestand von Kaspersky Lab auf der Cebit befindet sich in Halle 6, H18.

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