Zeitung Heute : Sie sind seit zehn Jahren Stars im US-Fernsehen

Henriette Löwisch

Homer Simpson ist seit zehn Jahren ein hoffnungsloser Fall. Der übergewichtige Familienvater aus Springfield macht sich ständig selbst zum Affen, bringt Frau und Kinder zur Verzweiflung und kommt beruflich über seine Hausmeisterstelle in einem Atomkraftwerk nicht hinaus. Dennoch können Millionen Fernsehzuschauer nicht genug bekommen von der Zeichentrickfigur mit der gelben Haut und den dicken Lippen. Medienzar Rupert Murdoch verdankt den Simpsons den Erfolg seines US-Senders Fox. Heute bekommt die Serie zum zehnten Jahrestag ihrer Aufnahme ins Programm einen Stern auf Hollywoods Walk of Fame. Damit werden Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie endgültig unsterblich.

Die Cartoon-Familie des Underground-Zeichners Matt Groening erschien erstmals 1987 in einer Kurzfassung in der "Tracey Ullman Show". Zwei Jahre später kam das erste halbstündige Spezial auf den Bildschirm. Seither stolpert die Familie jeden Sonntag zur besten Sendezeit in eine neue Katastrophe: Homers Frau Marge mit dem unglaublich hoch toupierten blauen Haar, Tunichtgut Bart, seine schlaue Schwester Lisa mit dem Saxophon und die ununterbrochen am Schnuller lutschende kleine Maggie. Liebevoll ausgestaltet sind auch Nebenfiguren wie Homers bösartiger Chef Mister Burns, oder die spießigen Nachbarn Ned und Maude Flanders.

Der heute 45-jährige Groening behauptet, er habe sich die Simpsons während einer Viertelstunde ausgedacht, die er in einem Wartezimmer verbringen musste. Er schöpfte aus seinem eigenen Leben: Einst arbeitete er selbst in einer Kläranlage, die Vornamen der Simpsons entlieh er Eltern und Geschwistern. Dass er seinen eigenen Sohn im ersten Überschwang Homer nannte, kann er heute nur bedauern. Das Phänomen der Simpsons habe seine wildesten Träume übertroffen, sagte er in einem Interview, "und meine wildesten Alpträume".

Die Simpsons wurden im Laufe der Jahre ein derartiger Erfolg, dass selbst Prominente wie Ex-Beatle Paul McCartney oder der Physiker Stephen Hawking einzelnen Figuren vorübergehend ihre Stimmen liehen. Die Serie geht respektlos mit allen Säulen der US-Gesellschaft um, mit Politikern ebenso wie mit Anwälten, Fernsehnachrichten oder organisierter Religion. Die Zuschauer werden als Sofa-Hocker verhöhnt oder aufgefordert, auf andere Programme umzuschalten. Hintergründigere Satire-Elemente sind nur Erwachsenen zugänglich und erschließen sich oft erst beim zweiten Abspielen.

Bart und Homer Simpson führten zuvor nie gehörte Schimpfwörter und Flüche in den Sprachgebrauch des US-Fernsehens ein. 1992 beschwerte sich der damalige Präsident George Bush, er stelle sich die ideale Familie eher wie die Waltons als wie die Simpsons vor. Dabei ziehen sich Treue und Anhänglichkeit wie ein roter Faden durch jede Episode der Zeichentrickserie: Im Grunde ist sie nichts anderes als ein Huldgesang auf die amerikanische Familie.

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