Zeitung Heute : Siegen ist nicht alles

Hartmut Moheit

Auf dem Siegerpodest ganz oben zu stehen und sich feiern zu lassen - das ist das Größte. Darüber freut sich Michael Schumacher genau so wie ihr, wenn ihr im Sport gewinnt. Alle sagen: "Nur Siege zählen." Und siegen wollte Michael Schumacher natürlich, als er beim Formel-1-Rennen am vergangenen Sonntag in Österreich in seinen Ferrari stieg. Schließlich ist er viermaliger Weltmeister und klarer Spitzenreiter in dieser Saison. Nur sein Teamkollege Rubens Barrichello konnte ihm in diesem Rennen gefährlich werden. Der war im Training der Schnellste gewesen und durfte deshalb vor Schumacher starten. Logischerweise wollte Barrichello auch Sieger werden.

Doch Michael Schumacher und Rubens Barrichello bekommen bei Ferrari nicht dieselbe Chance. Alles steht zuerst Michael Schumacher zu. Weil er ein überragender Fahrer ist, weil er Ferrari erst wieder an die Spitze gebracht hat und weil er Punkte sammeln muss, damit er diese Saison wieder Weltmeister wird. Deshalb sagten die Ferrari-Chefs zu Barrichello: "Schumacher muss gewinnen. Wenn er langsamer ist, musst du ihn eben vorbeilassen."

Genau das ist dann passiert. Barrichello bremste kurz vor der Ziellinie und ließ Schumacher vorbei. Dem war das so peinlich, dass er gar nicht aufs Siegertreppchen wollte. Und die Fans waren stinksauer. Klar wollen sie, dass er gewinnt - wenn er schneller ist als die anderen. Sie wären absolut nicht böse gewesen, wenn er diesmal nur Zweiter geworden wäre. Im Gegenteil: Man muss auch verlieren können - besonders ein berühmter Sportler wie Michael Schumacher. Wenn er trotz der Anweisung seiner Chefs hinter Barrichello ins Ziel eingefahren wäre, hätten seine treuen Fans nicht gepfiffen. Dann wäre er für sie als Zweiter der Sieger gewesen.

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