Zeitung Heute : Silizium bis zum Jahr 2015

KURT SAGATZ

Intel will Entwicklungslinie treu bleiben / Neue Prozessoren für Einsteiger-PCVON KURT SAGATZ Auf der CeBIT hat Intel, der Weltmarktführer im Bereich PC-Prozessoren, den Prototypen einer mit 700 Megahertz getakteten Zentraleinheit vorgestellt.Bis dieser Prozessor tatsächlich in einen Computer eingebaut wird, dürfte es noch etwas dauern.Für den Endkunden wichtiger ist, sich auf die konkreten Entwicklung in den kommenden Monaten einstellen zu können.Kurt Sagatz sprach dazu in Hannover mit dem Geschäftsführer von Intel Deutschland, Joachim Rissmann. TAGESSPIEGEL: Herr Rissmann, Intel weht seit kurzem im Bereich der Low-Cost-PCs der Wind des Wettbewerbs schärfer ins Gesicht.Wie wird Ihr Unternehmen darauf reagieren? RISSMANN: Diesen Markt am unteren Ende der Low-Cost-PCs hat es immer schon gegeben, aber stärker in den USA als in Europa.Früher wurden diesem Markt die alten Prozessoren zur Verfügung gestellt.Wir müssen das jetzt anders machen: Neue Technologie, hier und da etwas reduziert, aber mit den neuen Fähigkeiten wie Multiprozessing und Gleitkommaberechnung für 3D-Darstellung.Der hierfür gedachte Prozessor ist der Celeron.Er basiert auf der gleichen Technologie wie der Pentium II, also der P6-Architektur. TAGESSPIEGEL: Für wen sind Computer mit diesem Chip gedacht? RISSMANN: In erster Linie sind solche PCs für Einsteiger, für Erstkunden gedacht.In dem Moment, wo sie etwas mehr Erfahrung haben oder die Möglichkeiten der heutigen Software nutzen wollen, wären die Kunden damit nicht mehr zufrieden. TAGESSPIEGEL: Welche Nutzungseinschränkungen müssen denn in Kauf genommen werden? RISSMANN: Unter anderem Einschränkungen im Bereich der Geschwindigkeit.Der Celeron bietet zwar gute Multimedia-Eigenschaften, aber ein Pentium-II-Prozessor bietet einfach noch mehr.Sie sehen das, wenn Sie ein Video abspielen, dann läßt er häufiger mal ein Frame fallen, was man an den etwas ruckeligen Bewegungen merkt. TAGESSPIEGEL: Wie groß wird denn der Preisvorteil sein bei der Entscheidung für einen Celeron-PC? RISSMANN: Für den, der nach einem bestimmten Budget vorgeht, wird das der typische 1000-Dollar-PC sein, wobei Sie darüber diskutieren können, ob das in Deutschland 1200 oder 1500 DM heißen muß.1500 DM ist wohl etwas fairer gerechnet.Es kommt aber darauf an, was Sie dafür haben wollen.So ein PC wird in der Regel weniger Ausbaufähigkeit bieten können.Was der Prozessor tatsächlich kosten wird, können wir erst sagen, wenn wir Celeron im April vorstellen werden. TAGESSPIEGEL: Aber es ist realistisch, daßim Weihnachtsgeschäft ein1500-DM-Celeron-PC in denHandel kommt? RISSMANN: Ja, Systeme in größerem Volumen werden voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres zu dem genannten Preis verfügbar sein.Aber man kann den Kunden nur warnen, auf scheinbar günstige Angebote zu springen, bis er nicht nachgesehen hat, was er eigentlich dafür bekommt. TAGESSPIEGEL: Bei welchen Nutzungsgewohnheiten würden Sie denn vom Kauf eines solchen PCs abraten? RISSMANN: Sobald man deutlich über Word-Prozessing rausgeht.Wenn Sie also anfangen, Spiele zu spielen, dann möchten Sie auch immer die neuesten spielen.Dafür benötigen Sie genügend Prozessorleistung.Wenn Sie Multimedia nutzen wollen, beispielsweise mit Powerpoint oder in der Bildbearbeitung, dann ist Pentium II die richtige Antwort. TAGESSPIEGEL: Worauf sollte der ambitionierte Hobby-Nutzer achten, wenn er heute ein Gerät kauft? RISSMANN: Zuerst muß er feststellen, was er für eine Leistung benötigt.Dann sollte abgeschätzt werden, was in den nächsten 12 bis 24 Monaten an Aufgaben und zusätzlichen Applikationen auf den Computer zukommt.Nehmen Sie beispielsweise ein Thema wie innerbetriebliches Training: Ein reines Computer Based Training mit Texten ist nicht mehr zeitgemäß.Da gehören Animationen und Videosequenzen hinein.Wer dabei nicht in einen Engpaß kommen will, sollte kein System unter 266 Megahertz wählen, besser noch 333 Megahertz. TAGESSPIEGEL: Mitte des Jahres steht die Einführung von Windows 98 an.Muß man nicht befürchten, mit Kompatibilitätsproblemen konfrontiert zu werden, wenn man heute einen PC kauft? RISSMANN: Nein, das wäre eine schlechte Zusammenarbeit.Aber Sie sollten daran denken, daß Windows 98 auch eine hohe Prozessorleistung benötigt.Auf einem älteren Gerät kann Windows 98 schon recht langsam laufen. TAGESSPIEGEL: Wie sieht bei Intel denn die mittelfristige Entwicklung aus? Für die Jahrtausendwende hat Intel bereits den 1000 Megahertz-Prozessor, also den Gigahertz-Prozessor angekündigt. RISSMANN: Dabei handelt es sich eigentlich um eine Vision.In einem Labor kann man das sicherlich erreichen.Die Frage ist: Wie schnell gelingt es uns, das auch in die Produktion zu bekommen? TAGESSPIEGEL: Dieses Vorhaben erfordert hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. RISSMANN: In diesem Jahr sind das 2,8 Milliarden DM.Je nach Jahr liegen die Kosten zwischen 12 bis 14 Prozent des Umsatzes.Auch bei Intel gibt es Schwankungen.Die einzige Kurve, die konstant aufwärts geht, sind Forschung und Entwicklung. TAGESSPIEGEL: Man wird diese Mittel nicht allein dafür aufwenden, bisherige Produkte nur weiterzuentwickeln.Sie werden doch sicherlich auch an neuen Sachen arbeiten? RISSMANN: Da gibt es die neue Architektur IA 64, also die 64-Bit-Intel-Architektur.Das erste Produkt wird im nächsten Jahr vorgestellt.Das basiert auf einer gemeinsamen Arbeit mit Hewlett-Packard, die ihr System-Know-how im Bereich von Enterprise-Server-Technologie einbringen.Es wird sich dabei um eine parallele Produktlinie zum Pentium II handeln, die voll kompatibel zum IA 32, also zur Pentium-Familie sein wird. TAGESSPIEGEL: Gibt es daneben auch Ansätze, die vom Silizium abgehen, beispielsweise zu polymeren Materialien? RISSMANN: Untersucht werden alle diese Möglichkeiten.Wir sind aber der Meinung, daß in der derzeitigen Architektur und der Silizium-Technologie noch bis zum Jahr 2015 genügend Luft steckt.Aktuell gibt es kein Produkt, für das eine solche Technologie vorgesehen ist.

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