Zeitung Heute : Sinnliches Flair

ROMAN RHODE

Margareth Menezes im Haus der Kulturen der WeltROMAN RHODEAls die füllige Stimme der Sängerin, zunächst nur von einer sanften Gitarre begleitet, die Trommelbespannung des noch unbesetzten Schlagzeugs erzittern läßt, entsteht eine Rückkopplung ganz eigener Art: Margareth Menezes erzeugt Rhythmus schon kraft ihres Gesangs, und Saul Barbosa liefert die ausgeklügelten Harmonien dazu.Das klingt sowohl nach träumerischem Sambolero als auch nach munterem Couplet.Und durch ihr sinnliches Flair, die lebhaft-körperliche Interpretation ihrer Lieder, bietet Menezes Poesie und Schauspielkunst zugleich. Wer die Musikerin kennt, den mag ein solcher Auftritt, in der plötzlichen Intimität eines Duos, verwundern: Ende der 80er Jahre wurde sie mit einer rasantperkussiven Band als Vorgruppe von David Byrne international bekannt, und vor zwei Jahren noch erschien sie bei den "Heimatklängen" mit einer Formation, die afro-elektrischen Samba-Reggae vorführte.In ihrem neuen Projekt dagegen, der Begegnung mit dem Gitarristen und Komponisten Saul Barbosa, setzt sie auf akustische Instrumente.Allerdings legt sie nach wie vor die Stadtfolklore, jene Musica Popular Brasileira, auf ihre Art aus - als Música Popular Baiana.In Bahia nämlich sind dort sind Candomblé, Capoeira, Afro-Samba und natürlich Menezes zu Hause."Oh Bahia", frohlockt sie zwischen Samba und Soul.Natürlich darf die Perkussion dazu dann doch nicht fehlen, zwei junge Musiker spielen Schlagzeug und ein breitgefächertes Instrumentarium aus Bombos und Idiophonen.Auch hier, inmitten einer Karnevals-Batucada, hat Menezes ihr Herz verloren.Immer wieder gerät sie dabei, angespornt durch die oft wunderbar dissonante Gitarre, in den Wirbel ihres unbändigen Tanzes.Bei weitem überragt dieses akustische Quartett die Power vielköpfiger Elektrikbands.Die Trillerpfeife aber kommt irgendwo aus den Reihen des Publikums und frohlockt: Auf nach Bahia! 

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