Zeitung Heute : "Sir Arthur" krabbelt stets zum Licht

STEFAN HILDEBRANDT (dpa)

Intelligente Roboter auf der CeBITVON STEFAN HILDEBRANDT (dpa)"Sir Arthur" ist weder schön noch schlau, aber alle lieben ihn.Wenn er im Institutsflur auftaucht, dann wird jeder Schritt, jede Bewegung und jede Kopfdrehung mit wohlwollendem Lächeln quittiert."Sir Arthur" ist der heimliche Star des Instituts für Systementwurftechnologie (SET) am GMD-Forschungszentrum für Informationstechnik bei Bonn.Kaum größer als ein Dackel, kämpft sich "Sir Arthur" wacker über Teppichböden, rutschiges Linoleum und tückische Treppenabsätze."Sir Arthur" wurde geschaffen, um zu laufen.16 Motoren, sechs Gelenkbeine, vier Mikroprozessoren und zwei Lichtsensoren halten die ameisenähnliche Maschine und ihre Erfinder auf Trab.Das 1,5-Kilo-Leichtgewicht hält bei jedem Auslauf nach Lichtquellen Ausschau und steuert diese zielstrebig an."Sir Arthur" ist der Prototyp einer neuen Robotergeneration.Inspiriert von der Natur entwickelten die Wissenschaftler der GMD lernfähige Maschinen."In Zukunft werden diese Roboter zunehmende Handlungsautonomie bekommen", sagt Thomas Christaller, Leiter des SET.Wenn es ihnen ermöglicht wird, in gleichen Situationen verschieden zu reagieren, haben sie mehr Autonomie."Während "Sir Arthur" über Flure krabbelt, wird sein Kollege "Kurt" sein Dasein im Untergrund fristen.Der 1995 am SET entwickelte Roboter soll schon in wenigen Jahren in kommunalen Abwassersystemen selbständig Inspektionsaufgaben wahrnehmen.Unterirdische Ladestationen werden verhindern, daß den maschinellen Dauer-Kanalarbeitern der Saft ausgeht.Institutsleiter Christaller warnt allerdings vor überschwenglicher Robot-Euphorie: "In Bezug auf den Menschen versteht man unter Lernen viele Jahre Schule und ein Studium hinten dran.Die derzeitigen Roboter sind Lichtjahre davon entfernt, auch nur in die erste Klasse zu gehen." Angst vor der immer selbständigeren Maschine kennt Christaller nicht: "Wir sind es tagtäglich gewohnt, mit unkontrollierbaren Systemen umzugehen." Außerdem: "Menschen sind das Unberechenbarste, was ich kenne."Im Institut für Systementwurfstechnologie werden "Sir Arthur" und "Kurt" für die CeBIT fein gemacht.Fragen nach dem "Jobkiller" Roboter fürchtet Christaller nicht: "Diese Roboter werden Arbeitsplätze vernichten.Und das ist auch richtig so.Denn der Mensch ist ja nicht zum Arbeiten geboren, sondern zum Leben.Durch die Maschinen und die Organisationsformen brauchen wir immer weniger Arbeit.Wir sollten vielmehr dafür sorgen, daß wir gesellschaftlich zu anderen Vorstellungen kommen, wie der erwirtschaftete Reichtum verteilt wird."

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