Zeitung Heute : Sitzmöbel: Vier zum Quadrat

Rolf Brockschmidt

Flexibilität, tönen Zeitgeistgurus, Flexibilität ist angesagt, Möbel für die Nomaden des 21. Jahrhunderts. Ein schwerer Dreisitzer kann da unter Umständen zum Problem werden. Also braucht man flexible Möbel. "Duca" ist so ein Sofa. Gerard van den Berg, ein niederländischer Designer, hat es für seine Firma "label" entworfen. Fürstlich ist zwar der Name, doch in der Ausführung ist "Duca" eher von calvinistischer Schlichtheit und Strenge geprägt. "Ich versuche die einfache und pure Form festzuhalten, von der ersten Skizze an bis zur letztendlichen Produktion. Meiner Meinung nach wird eine Idee nicht besser, wenn du immer mehr kleine Dinge hinzufügst. Die Kraft ist in der Essenz des Ausgangspunktes, nicht im Schmuck", hat Gerard van den Berg einmal zu seiner Arbeit gesagt.

"Duca" spielt mit dem Lounge-Effekt. Mit einer reinen Sitztiefe von 55 Zentimetern und einer Gesamttiefe von 93 Zentimetern laden die einzelnen Sofaelemente zum gepflegten Hinlümmeln ein. Jedes Sitzelement verfügt über eine Rücken- und nur eine Armlehne. Das ist kein Manko, sondern der Trick an der Sache. Je nach dem, wie man die beiden Teile kombiniert, ob beide mit Armlehne rechts oder lieber je eins rechts und eins links, lassen sich aus den beiden Elementen neue Sitzgruppen arrangieren: Aus den ungleichen Elementen lässt sich ein drei Meter breites Sofa zusammenschieben, aus den gleichen entsteht ein asymetrisches Sofa über Eck.

Interessant ist auch die Variante, die beiden Sofas einander gegenüberzustellen. Eine pfiffige Ergänzung hierzu ist die Tischreihe "Seamless" aus rostfreiem Stahl. Die schlichte gerade Tischkonstruktion harmoniert mit dem Unterbau des Sofas, dessen viereckige Füße ebenfalls aus rostfreiem Metallrohr geschaffen sind und somit der Sitzgruppe eine gewisse Leichtigkeit vermitteln. "Ich mag es nicht, wenn Möbel am Boden haften bleiben. Daher die Leichtfüßigeit. Die Kombination mit der etwas volleren organischen Form darüber ist für mich sehr natürlich. Ohne Spannung und Kontrast swingt ein Entwurf nicht", sagt van den Berg zu seiner grundsätzlichen Vorliebe für fragile, geradlinige Möbelbeine.

Der flache schmale Couchtisch schafft eine ideale Verbindung zwischen beiden Sofas, wenn sie sich gegenüberstehen. Der quadratische Tisch ist bei der kompakten Ecklösung eine ideale Ergänzung des Sofas, das somit in einen Tisch übergeht. Alle Teile erlauben verschiedene Varianten - der Flexibilität wird Genüge getan: Entweder entsteht ein opulentes Sofa für den großen Raum oder eine intime Sitzgruppe für begrenzte Platzverhältnisse.

Die Bezüge gibt es in Stoff oder Leder. Während bei den mit Stoff gepolsterten Modellen das Material an der Unterseite mit Klettband befestigt wird, geschieht dies bei den Ledermodellen wegen der größeren Spannung mit Nieten. Von außen wirken die Sitzelemente straff und sachlich, während die weichen Rundungen der Polster zum gemütlichen Verweilen einladen. Die Polster sind aus Kaltschaum und mit Flaumfedern abgedeckt. Passend zum Sofa sind Kopfstützen lieferbar, die an jeder Seite variabel eingesteckt werden können und so das Sofa immer wieder anders aussehen lassen.

Im Ansatz ähnlich, in der Ausführung aber verspielter, schwungvoller, gibt sich François Bauchets Sitzmöbel "Yang". Wie van den Berg hat der französische Designer, der an der Kunsthochschule von Staint Etienne lehrt, sein Programm auf einem Element aufgebaut, das seine Armlehne entweder links oder rechts hat. Mit 164 Zentimetern ist "Yang" etwas breiter und mit 125 Zentimetern deutlich tiefer als "Duca". Die Sitztiefe ist aber nicht gleichmäßig über das Sofa verteilt, sondern schwankt durch eine s-förmige Linienführung. Die ist so geschickt austariert, dass vier gleiche Elemente zusammen ein Sitzquadrat ergeben.

Auch hier lassen sich locker zwei oder drei Elemente aneinander stellen, die dann aber wesentlich mehr Schwung bieten als "Duca". Die Kombination beider Elemente verstärkt den Unterschied in der Sitztiefe deutlich. Der Korpus bietet Sitzfläche und Rückenlehne aus einem Guss, die Rückenlehnen haben jeweils noch einmal zusätzliche Kissen. Die Polsterung besteht aus Bultex Polyurethan-Schaumstoff. Das Ganze ruht auf schlanken, mattverchromten Metallfüßen, die das Sofa schweben lassen. Ein Sofa, das nicht nur für Freunde der Flexibilität, sondern auch der Asymmetrie wie geschaffen ist.

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