Zeitung Heute : Skoda Superb - der Aufstieg geht weiter

Ingo von Dahlern

Es geht aufwärts bei der tschechischen VW-Tochter Skoda - und das bereits seit Jahren. Sowohl bei den Produktions- und Verkaufszahlen als auch der Modellpalette selbst. Am Anfang jener Ära, mit der 1987 die Heckmotorwagen abgelöst wurden, stand der Kompaktwagen Favorit. Seine Position hält heute der Fabia. 1996 wagte man in Mlada Boleslav den Sprung in die kompakte Mittelklasse, entwickelte auf der Plattform des VW Golf den Skoda Octavia. Er wurde zum Erfolgsmodell sowohl als Limousine als auch als Combi und ist auch als Allradler, als betont sportlicher RS und als besonders komfortabler Octavia Laurin & Klement verfügbar.

Der ist bislang das Top-Modell von Skoda. Aber nicht mehr lange. Denn bereits Mitte März steigt Skoda erneut eine Klasse auf, bringt mit dem Superb sein erstes Auto in der gehobenen Mittelklasse. Ein Marktsegment, in dem man seit gut einem halben Jahrhundert nicht mehr vertreten war. Denn es ist kein ganz neuer Bereich für die drittälteste europäische Automarke. Bereits 1934 gab es erstmals einen großen Skoda mit diesem Namen, sodass der neue Superb so etwas wie eine Rückkehr zu früherer Größe ist.

Zwar hatte sich Skoda in den 30ern zielstrebig Fahrzeugen der kleineren Klassen zugewandt und feierte dort mit seinen Modellreihen Popular und Rapid die zur Klasse der echten Volkswagen zählten, große Erfolge. Doch parallel dazu gab man den Bau luxuriöser Autos, der für Skoda bereits 1925 mit der Lizenzfertigung des Hispano Suiza H6B begonnen hatte, nicht auf. Neben dieses Luxusauto traten verschiedene große Modelle der Marke Laurin & Klement aus Mlada Boleslav, die 1925 von Skoda erworben wurde.

Der erste 1934 vorgestellte Skoda 640 Superb mit 3,30 Meter Radstand hatte einen 2,5-Liter-Sechszylinder mit einer Leistung von 55 PS, der vom Aggregat des Trucks Skoda 206 abgeleitet war. Wie bei seinen kleineren Modellen, so setzte Skoda auch beim Superb auf einen Zentralrohr-Rahmen mit einzeln aufgehängten Rädern vorn und einer Pendelachse hinten. Der Superb hatte ein Viergang-Getriebe mit synchronisiertem 3. und 4. Gang und eine hydraulische Bremse und war bis zu 110 km/h schnell. Er wurde 1936 vom Superb II mit 2,7 Liter und 60 PS abgelöst, dem 1937 der Superb II 913 mit 2,9 Liter und 65 PS folgte und1938 der Superb OHV mit 3,1 Liter und 85 PS, der bis 1946 gebaut wurde. 1940 kam mit dem Superb 4000 mit 4,0-Liter und 96 PS der einzige Achtzylinder mit 96 PS und 1942 die Militärversion Superb 3000. Und nach dem Krieg baute man von 1946 bis 1949 den Superb mit dem bewährten 3,1-Liter-OHV-Motor mit 85 PS - eine respektable Ahnenreihe, an die der neue Superb anknüpft.

Zugegeben, ganz so respektabel wie jene ganz großen Superb ist der neue Superb nicht. Aber mit einer Länge von 4,80 Meter ist er schon ein beachtliches Auto - gerade einmal zwei Zentimeter kürzer als die jetzt auslaufende E-Klasse von Mercedes-Benz und knapp drei Zentimeter länger als ein 5er von BMW. Basis dieses großen Skoda ist die Plattform des VW-Passat - aber nicht in der in Deutschland gebauten gut 4,70 Meter langen Variante mit einem Radstand von gut 2,70 Meter, sondern der in China gebauten verlängerten Version mit einem Radstand von gut 2,80 Meter. Das sind zehn Zentimeter mehr, die sich vor allem im Fond des Superb bemerkbar machen. Denn der Knieraum auf der Fondbank ist beachtlich - passt durchaus zu einem Auto, in dem man nicht selbst zum Steuer greift, sondern sich chauffieren lässt.

Solche Autos geben sich meist recht konservativ. So auch der neue Superb, dessen Linie zeitlos elegant und frei von modischen Schnörkeln ist - eine klassische Stufenhecklimousine, die allerdings mit ihrer kraftvollen Front unmissverständlich signalisiert, dass man es mit einem Skoda zu tun hat, der Respekt verdient. Respekt nicht nur wegen der äußeren und inneren Größe, zu der auch der 462 Liter fassende Kofferraum zählt, der leider nicht variabel ist, sondern auch wegen des hohen Komfort- und Ausstattungsniveaus, der Motorisierungen und Fahrleistungen und des hohen Fahrkomforts.

Hochwertige Materialien und Oberflächen und eine ebenso hochwertige Verarbeitung bestimmen die Atmosphäre im Superb, den es in den drei Ausstattungsversionen Classic, Comfort und Elegance mit jeweils eigenem Charakter gib, der vor allem durch die Materialien für Sitze, Türverkleidungen und die verschiedenen Applikationen bestimmt wird. Der obere Teil der Armaturentafel hinter dem längs- und höhenverstellbaren Vierspeichen-Lenkrad ist immer dunkel ausgeführt, während der untere Teil je nach Innenausstattung variiert. Wie für Skoda üblich, sind die großen Rundinstrumente grün beleuchtet und Heizung und Lüftung werden von der großen Mittelkonsole aus bedient, wo sich auch das große Display für das Navigationssystem befindet. Die Sitze geben sich großzügig und bequem, ohne dass man bei flotter Fahrt auf ordentlichen Seitenhalt verzichten muss.

Und flott bewegen lässt sich der Superb schon mit der Basismotorisierung, dem 85 kW (115 PS) leistenden drehmomentstarken Zweiliter-Benziner, der den Spurt auf Tempo 100 binnen 11,6 Sekunden und maximal 197 km/h erlaubt. Mit 9,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 216 km/h erheblich flotter ist der Superb mit dem aufgeladenen 1,8-Liter mit 110 kW (150 PS) und richtig sportlich gibt er sich mit dem 2,8-Liter-V6 mit 142 kW (193 PS), der in nur 8,0 Sekunden den Spurt auf Tempo 100 und maximal 237 km/h möglich macht. Alle drei Benziner sind mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert. Den V6 gibt es auf Wunsch aber auch mit Fünfgang-Automatik mit Tiptronic. Die Benziner-Durchscnittsverbräuche liegen zwischen 8,4 und 9,9 l/100 km.

Sehr viel sparsamer mit nur 5,7 und 7,0 l sind da die beiden Diesel, die zugleich alles andere als behäbig sind. Schon dem 205 km/h schnellen 1,9-Liter-TDI mit Pumpe-Düse-Hochdruckeinspritzung mit 96 kW (130 PS) reichen 10,4 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100, und der bis zu 219 km/h schnelle 2,5-Liter-TDI-V6 mit 114 kW (155 PS) absolviert den Spurt auf Tempo 100 in nur 9,5 Sekunden. Auch dieser V6 lässt sich mit der Fünfgang-Automatik mit Tiptronic kombinieren. Beide Diesel erfüllen die Abgasnorm EU3.

Flotte Autos durchweg also, die mit einem dazu gut passenden Fahrwerk ausgestattet sind - mit Vierlenker-Vorderachse und Verbundlenker-Hinterachse, die den Superb mit seiner guten Straßenkontakt vermittelnden Servolenkung und den langhubigen Schraubenfedern zu einem ausgesprochen fahrsicheren und komfortablen Auto machen, das man auch bei zügiger Fahrt auf kurvenreichen Strecken jederzeit fest im Griff behält.

Die Sechszylinder sind mit der Fahrdynamikregelung ESP einschließlich Bremsassistent ausgestattet, die für die anderen Motorisierungen auf Wunsch verfügbar ist, und gebremst wird mit vier Scheiben und unterstützt durch ein ABS. Bei Traktionsproblemen hilft die elektronische Differenzialsperre und die 1,9-Liter-Turbodiesel haben auch eine Antriebsschlupfregelung (ASR) und eine Motorschleppmomentregelung.

Gediegene sehr flotte Autos rundum, die mit umfangreicher Komfort- und Sicherheitsausstattung überzeugen und vielen attraktiven Details - von der speziellen Regenschirm-Box in der linken Hintertür einschließlich Schirm über das Stauraumsystem CargoFlex bis hin zur pfiffigen Innenraumbeleuchtung und einer Fülle raffinierter Ablagen. Autos zugleich, die Oberklasse zu moderaten Preisen bieten, denn das Superb-Einstiegsmodell 2.0 Classic kostet 22 390 Euro. Das ist nicht nur ein attraktives Angebot für Aufsteiger innerhalb der Marke Skoda, sondern sicher auch eine Versuchung für manchen Fahrer, der für so viel Auto unter anderen Markenzeichen erheblich tiefer in die Tasche greifen muss.

Daten auf einen Blick

Karosserie: Viertürige Stufenhecklimousine.

Maße/Gewichte: 4,80 m lang, 1,77 m breit, 1,47 m hoch, Radstand 2,80 m, Leergewicht 1412-1605 kg, Zuladung 577-585 kg, Kofferraum 462 l, Tankinhalt 62 l.

Antrieb: Vierzylinder-Benziner mit 2,0 Liter und 85 kW (115 PS) und 1,8 Liter und Turbolader mit 110 kW (150 PS), 2,8-l-V6-Benziner mit 142 kW (193 PS), direkt einspritzender 1,9-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 96 kW (130 PS) und direkt einspritzender 2,5-Liter-V6-Turbodiesel mit 114 kW (155 PS), Fünfgang-Getriebe, Fünfgang-Automatik mit Tiptronic (Option für V6-Motoren), Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit Vierlenker-Achse, hinten Verbundlenkerachse, Schraubenfedern, Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, vier Scheibenbremsen, ABS., EDS, ASR und ESP (Serie für V6, Option für alle anderen).

Fahrleistungen: 8,0-11,6 s von Null auf Tempo 100, 197-237 km/h.

Verbrauch: Durchschnittlich 5,7-9,9 l/100 km.

Preise: Einstiegspreis 22 390 Euro (2.0 Classic), 29 100 Euro (2.8 V6 Comfort) und 30 300 Euro (1.8T Elegance)

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