SKULPTURAaron Curry : Im Schmelztiegel

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Mit Aaron Curry zeigt der Schinkel Pavillon einen der spannendsten jüngeren amerikanischen Bildhauer. 1972 im texanischen San Antonio geboren, wurde Currys visueller Orientierungssinn von Folk Art und Trashkultur geformt. Mit dem Outsiderblick näherte er sich der Skulptur des 20. Jahrhunderts. Es hatte etwas von naivem Fantum, wie er in frühen Arbeiten Reverenzen an Alexander Calder oder Hans Arp mit Versatzstücken von Graffiti und Street Art kombinierte. Seine Skulpturen gleichen mutierten Comicfiguren, die sich über die Bühne des Ausstellungsraums verteilen. Für jeden Ort entwickelt Curry neue Arbeiten und bewahrt den Eindruck des Provisorischen, noch nicht Verfestigten.

So arbeitet er an der Überwindung von Gegensätzen wie Form und Inhalt, Figürlichkeit und Abstraktion sowie Räumlichkeit und Fläche. Während der letzten Frieze Art Fair in London beklebte er im „20 Hoxton Square“ Boden, Wände und Skulpturen mit illusionistischen Tropfengemälden, so dass Hinter- und Vordergrund verschmolzen und Galeriebesucher wie Statisten in einer virtuelle Architektur aussahen. So wurde Currys Repräsentationskritik erst richtig spannend. Im letzten Frühjahr zeigte die Kestnergesellschaft sein Schaffen erstmals in Deutschland. Doch jetzt ist der richtige Moment, den Mann zu entdecken. Die letzten Monate war Aaron Curry Berliner Stipendiat der American Academy und hatte Zeit, seine Ausstellung im Schinkel Pavillon vorzubereiten. Dabei wird spannend sein, wie er mit der dominanten Architektur und den vielen Fensterscheiben umgehen wird. Im White Cube gelingen seine Illusionseffekte leichter. Curry selbst: „Das wird hart.“ Kolja Reichert



Schinkel Pavillon, Sa 15.1. bis Do 31.3.,

Do-Sa 12-18 Uhr

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