SKULPTUREN„Tierperspektiven“ : Von Pfoten und Flügeln

Jens Hinrichsen

Guck mal, wer da guckt. Große Froschaugen sehen dich an. Rehaugen blinzeln. Eine Labormaus blickt ehrfürchtig zur schwarzen Wolke aus Heliumbällen empor. Ist da wer?

Die Ausstellung „Tierperspektiven“ will die Beziehungen zwischen Tier und Mensch anhand zeitgenössischer Kunstwerke hinterfragen. Der Sehsinn spielt dabei eine herausragende Rolle. „Dass uns der Anblick der Tiere so ergötzt, beruht hauptsächlich darauf, dass es uns freut, unser eigenes Wesen so vereinfacht vor uns zu sehen“, meinte Arthur Schopenhauer. Andererseits beneiden wir das Tier, wenn es kann, was wir nicht können: über den Wolken schweben, unter Wasser atmen, die Welt aus der Frosch- oder Vogelperspektive betrachten.

Die Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum konzentriert sich auf Tierskulpturen. Mit skurrilen Wolpertinger-Mischwesen thematisiert Thomas Grünfeld die menschliche Arroganz gegenüber der Natur. Auch Wim Delvoye (Foto: Linda, ausgestopftes tätowiertes Schwein, 2006) und Deborah Sengl arbeiten mit Tierpräparaten.

Nur ein Katzensprung ist es zu den klassischen Tierplastiken des 20. Jahrhunderts im Kolbe-Neubau. Die Parallel-Schau „Bestiarum“ vermittelt die Faszination von Bildhauern wie Renée Sintenins, August Gaul oder Fritz Behn an der Vielfalt der Fauna. Ab Mai beteiligen sich noch weitere Institutionen an der Tierbeschau: die Sammlung Hoffmann mit den „Tierperspektiven 2“ und die NGBK mit der Multimedia-Gruppenschau „Tier-Werden, Mensch werden“. Vierbeiner müssen wohl trotzdem draußen bleiben. Jens Hinrichsen

Georg-Kolbe-Museum, So 26.4. bis So 21.6.,

Di-So 10-17 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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