SKULPTUR„Im weißen Licht“ : Urlaub in der Moderne

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Manchmal bringt ein Umzug neue Perspektiven. Im Fall der klassizistischen Skulpturen aus der Friedrichswerderschen Kirche ist das jedenfalls zu hoffen. Der berühmte Sakralbau, zwischen 1824 und 1830 von Karl Friedrich Schinkel erbaut und schon seit etlichen Jahren zu einer Filiale der Nationalgalerie umgewidmet, wurde wegen Rissen im Mauerwerk bis auf Weiteres geschlossen. 36 Skulpturen aus der dortigen Sammlung, darunter der Originalgips der berühmten „Prinzessinnengruppe“ von Johann Gottfried Schadow, bestehend aus den Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen (Foto), werden bis zum Sommer in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie ausgestellt; genauso wie Büsten von Johann Wolfgang von Goethe, Alexander von Humboldt und anderen berühmten Personen aus Schinkels Zeit. Ein beziehunsgreicher Ortswechsel! Vom Kirchenschiff in den Glasbau.

Mies van der Rohe, der Erbauer der Neuen Nationalgalerie, hat sich zu Beginn seiner Karriere intensiv mit der Architektur Schinkels auseinandergesetzt. Und Schinkel gilt mit seiner strengen Formensprache als Vor-Vordenker der Moderne. Der Kunsthistoriker Werner Hofmann behauptet gar, dass sich in manchen von Schinkels Bauten „der asketische Container-Kubismus von Mies van der Rohe (bereits) ankündigt“. Für die Skulpturen bedeutet diese Rekontextualisierung eine Reise durch Raum und Zeit, das Ganze entspricht so recht der Cut-and- paste-Kultur der digitalen Ära. Ausschneiden, einfügen und schon ergibt sich etwas Neues. Birgit Rieger

Neue Nationalgalerie, Fr 8.2. bis So 28.7., Di/Mi/Fr/So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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