Zeitung Heute : "So reich wie Bill Gates"

CAROLINE BOCK

"So reich wie Bill Gates" möchte er werden, "aber nicht so größenwahnsinnig".Aron Spohr (16), der im Frühjahr geheime Kundendaten des Onlinedienstes T-Online knackte und damit für Schlagzeilen sorgte, hat mittlerweile seinen Realschulabschluß in der Tasche und Mitte November eine Softwarefirma gegründet.Sein Startkapital: 5000 DM."Das sind natürlich Peanuts", sagt Spohr mit breitem Grinsen."Der Bank habe ich Artikel aus dem "Spiegel" und dem "Focus" über mich gezeigt - das hat viel mehr gezogen als ein Zeugnis."

Längst habe er den Kredit durch Aufträge von Großkunden wieder raus, erzählt er.In einem Bürogebäude in Köln-Porz richtet Spohr zur Zeit seine Firmenzentrale ein: zwei Zimmer mit vier Rechnern und einem Buchenholz-Schreibtisch.Computer Coffee heißt sein Unternehmen.Zur Zeit macht Spohr nach eigenen Angaben mit selbst programmierter Software aller Art zwischen 15 000 und 18 000 DM Umsatz im Monat - "mit steigender Tendenz".

Mit elf Jahren hatte Spohr seinen ersten Computer bekommen und mit 13 konnte er Computerspiele knacken.Drei Jahre später brachte er T-Online in Verlegenheit: Mit Hilfe eines selbstgeschriebenen Hilfsprogrammes, das er im Internet kostenlos anbot, konnte er sich Zugang zu Daten von T-Online-Kunden verschaffen.Programmierer verbesserten T-Online zwar, doch Spohr konnte in einer dreiviertel Stunde eine neue Schwachstelle aufzeigen."Jeden Online-Anbieter kann man knacken", sagt Spohr.Mit einem eingeschleusten Programm, dem "Trojanischen Pferd", sei das kein Problem.

Nachdem T-Online von den Aktionen Spohrs unter Druck geraten war, bot das Unternehmen dem 16jährigen eine Position als Berater an."Aber ohne Geld bezahlen zu wollen", berichtet Spohr, der sich die Programmiersprachen "Pascal" und "C" selbst beigebracht hat.Für seine Karriere war der Wirbel ein Segen: In einem Radiosender gibt er regelmäßig Tips fürs Internet, im Kleiderschrank hängen Anzüge fürs Geschäft und an seiner ehemaligen Schule wird er von Januar an Computerunterricht erteilen.

So amerikanisch sein Werdegang klingt, so selbstbewußt gibt sich Aron Spohr in seiner neuen Rolle als Firmeninhaber: Seiner Schule hat er 2500 DM für einen Computerraum und ein Jazzkonzert gespendet.Angst vor einer Bruchlandung habe er nicht."Kunden zu bekommen ist wie unter einer Regenwolke stehen.Man muß nur die Tropfen auffangen und sammeln - dann übersteht man auch eine Dürre", meint er - und lacht über seinen Vergleich.

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