Zeitung Heute : „Software wirkt präventiv“

Peter Zelt über die Suche nach Plagiaten

Foto: Marc Etzold
Foto: Marc Etzold

An der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät nutzen Sie seit einigen Jahren eine Software zur Erkennung von Plagiaten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Die Professoren und Dozenten, die die Software nutzen, finden sie hilfreich. Das ist wie mit Geschwindigkeitskontrollen. Wenn man über den Berliner Ring fährt und weiß, dass an den Autobahnabzweigungen oft geblitzt wird, dann hält man öfter die Geschwindigkeit ein. Es geht also um Stichproben, nicht jede Hausarbeit muss durch die Software gejagt werden.

Wie arbeitet die Software?

Der Dozent sendet einen ganzen Text oder Textteile an den Plagiatsdienst, der dann im Internet nach identischen Stellen sucht. Dort gibt es ja wahnsinnig viele Veröffentlichungen. Man kann von einem Dozenten nicht erwarten, dass er alles, was zu seinem Themengebiet je ins Netz gestellt worden ist, auch kennt. Die Software markiert die Stellen, die möglicherweise aus dem Internet kopiert worden sind und meldet das dem Dozenten.

Wie viele Plagiate haben Sie so entdeckt?

Der Dozent muss entscheiden, ob der Student wirklich abgeschrieben hat. Nicht jede markierte Stelle ist auch ein Plagiat. Es kann durchaus sein, dass die Software beispielsweise die Zitation nicht richtig erkannt hat. Insofern kann ich nicht sagen, wie viele Plagiatsfälle aufgrund der Software entdeckt wurden.

Was sind die Grenzen der Software?

Meine Erfahrung ist, dass die Trefferquote im Internet sehr hoch ist. Wenn Studenten aber untereinander abschreiben und die Arbeiten nicht digital vorliegen, kann die Software nichts finden. Gleiches gilt für Artikel im Internet, die nicht kostenlos gefunden werden können.

Wie Artikel aus Fachzeitschriften?

Genau. Zwar können viele Studenten über das HU-Netzwerk online kostenlos auf solche Fachzeitschriften zugreifen. Diese Abonnements sind aber sehr teuer. Der Plagiatserkennungsdienst kann sich das kaum leisten. Das ist natürlich ein Mangel. Bei solch anspruchsvollen Artikeln ist allerdings die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Dozent diese gelesen hat.

Wie reagieren die Studenten auf den Einsatz der Software?

Die Software erhöht den Druck auf Studenten und wirkt so präventiv. Eines darf man nicht vergessen: Aufgrund des Urheberrechts müssen wir mit Einverständniserklärungen arbeiten, wenn wir nicht nur Auszüge, sondern die Arbeiten im Ganzen überprüfen lassen wollen. Das klappt ganz gut, die Studenten machen da größtenteils mit. Dennoch würde eine dahingehende Anpassung der Prüfungsordnungen die Rechtssicherheit für alle erhöhen.

Die Fragen stellte Marc Etzold.

Peter Zelt (54) leitet das EDV-Zentrum der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der HU. Dort verwaltet er die Plagiatssoftware „Strike Plagiarism“.

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