Zeitung Heute : Solarfirmen sind heiß begehrt

Deutsche Techniken zur Nutzung erneuerbarer Energien sind Exportschlager

Heiko Schwarzburger

Automobile, Werkzeugmaschinen, Bier: In diesen Branchen sind die Deutschen bereits unbestritten Exportweltmeister. Auch in der Energietechnik haben deutsche Unternehmen die Nase vorn. Was bislang für Atomtechnik, Gasturbinen und Kraftwerke galt, trifft in zunehmendem Maße auch für die wirtschaftliche Entwicklung bei den erneuerbaren Energien zu – also bei Sonnenstrom, Windkraft, Biomasse oder Wärmepumpen. Beinahe unbemerkt hat die Branche in den vergangenen Jahren rund 150 000 Jobs geschaffen.

Der gesamte Umsatz im Markt der erneuerbaren Energien in Deutschland erreichte 2005 rund zehn Milliarden Euro. Davon entfielen 2,7 Milliarden Euro auf neue Solartechnik. Motor des Aufschwungs sind sowohl die boomende Nachfrage im Inland als auch der Export. „Die deutsche Heizungsindustrie kann ihre bereits hohe Exportquote nochmals steigern, wenn sie schneller als ausländische Mitbewerber auf den massiven Ausbau moderner Brennwerttechnik und erneuerbarer Energien im Wärmemarkt setzt“, sagte Heinrich Schulte, Präsident des Bundesindustrieverbandes Deutschland für Haus-, Energie und Umwelttechnik, als der Verband im Frühjahr die Zahlen für 2005 bekannt gab. In Europa verfügen die deutschen Hersteller von Heiztechnik über einen Marktanteil von 60 Prozent. Bei der Brennwerttechnik – also extrem sparsame Ölbrenner und Gasthermen – sind sie Weltmarktführer. Allerdings: Mit steigenden Ölpreisen ging die Nachfrage nach Ölheizungen und Gasthermen bundesweit zurück.

Die größten Zuwächse aber verzeichneten Technologien, die auf Erdwärme, Sonne und Wind setzen. Die Photovoltaik etwa verwandelt Sonnenlicht in Strom. 2005 wuchs dieses Segment in Deutschland um 25 Prozent, in der zweiten Jahreshälfte wurde gar der Rohstoff Silizium für die Solarzellen knapp. Auch die Solarthermie, bei der Sonnenwärme zur Unterstützung der Heizung genutzt wird, zog um 30 Prozent an. In Europa und den wichtigsten Regionalmärkten in Übersee wuchs dieser Markt noch schneller. Der weltweit größte Einzelmarkt ist China. Als Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger verkündete, in der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt ein ehrgeiziges Förderprogramm für Solartechnik aufzulegen, reagierten die deutschen Modulhersteller und Systemanbieter mit Firmenkäufen in den USA.

Die USA wollen bis 2025 von arabischem Öl unabhängig werden. Angesichts des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine Anfang 2006 kündigte auch Japan an, die erneuerbaren Energien verstärkt zu fördern. Die japanischen Unternehmen gelten auf dem Weltmarkt als die schärfsten Konkurrenten der deutschen Solarfirmen.

Auch in Europa zeichnen sich wichtige Weichenstellungen ab: Die spanische Regierung erließ 2005 eine Baupflicht für Solarthermieanlagen. In Italien wurden im Oktober 2005 kurzerhand die klassischen Standard- und Niedertemperaturheizkessel für Heizöl und Erdgas verboten. Schweden will es bis zum Jahr 2020 als erstes Industrieland schaffen, seinen Energieverbrauch ohne Erdöl zu decken.

In den skandinavischen Ländern, in Österreich und in der Schweiz machen die deutschen Hersteller von Wärmepumpen seit einigen Jahren enorme Geschäfte. Wärmepumpen werden mit Strom betrieben und zapfen die thermischen Reserven des Erdreichs, des Grundwassers oder der Umgebungsluft an. Sie funktionieren nach dem umgekehrten Prinzip eines Kühlschranks. 2005 wuchs diese Branche in Deutschland um fast ein Drittel. In Europa gehört sie zu den Marktführern.

Den größten Sprung aber machte die Bioenergie. Bundesweit wurden fast doppelt so viele Holzpelletsfeuerungen neu installiert wie im Vorjahr, etwa 50 000.

Die Windkraft dagegen stagnierte hierzulande: Die wirtschaftlich interessanten Standorte sind weitgehend abgedeckt. Weltweit wuchs der Markt für Windkraft aber um 20 Prozent. Weil die deutschen Hersteller mehr als 60 Prozent ihrer Produkte ins Ausland exportieren, wird die Stagnation im Inland mehr als wettgemacht. Dennoch: Die Energieversorgung Deutschlands bleibt abhängig von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran – allesamt Rohstoffe, deren Preise weiter steigen werden. Derzeit halten die erneuerbaren Energien einen Marktanteil von acht Prozent.

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