Zeitung Heute : Sommer, Uni, Sonnenschein

Viele Hochschulen bieten in den Semesterferien Programm. Die Angebote gelten nicht nur für Studenten

Stefan Jacobs

Im Sommer in der Sonne herumliegen kann jeder. Aber schlauer wird man davon eher selten. Die Hochschulen haben das erkannt und Abhilfe geschaffen: Sommeruniversitäten. Manche Unis veranstalten auch „Sommerkurse“ oder „Summer Schools“, was den Überblick etwas erschwert. Aber intensive Suche lohnt sich, denn viele Angebote stehen nicht nur mehreren Zielgruppen offen, sie sind auch attraktiver als der reguläre Studienbetrieb. Zudem können sie als Bildungsurlaub anerkannt werden.

Freie Universität. Die Freie Universität zum Beispiel schüttet das Sommerloch mit einem Füllhorn voller Angebote zu. „Fubis“ heißt das Zauberwort, das im vergangenen Jahr 400 Interessierte aus 46 Ländern anlockte. Es besteht aus zwei Blöcken (5. Juni bis 14. Juli und 17. Juli bis 12. August) und richtet sich vorwiegend an Studenten. Der Schwerpunkt der Veranstaltungen liegt auf den Geistes- und Sozialwissenschaften; Seminare und Vorträge werden durch Exkursionen in die Stadt angereichert. Eine Besonderheit ist, dass die Kurse auch auf Studien an anderen Universitäten angerechnet werden können – wer keine langen Semesterferien braucht, kann also den nächsten Scheinen an seiner Heimatuni ein Stück näher kommen. Zu beachten ist aber, dass – mit Ausnahme von Deutsch- und Literaturkursen – auf Englisch unterrichtet wird und die meisten Kurse 750 Euro (plus 150 Euro Anmeldegebühr) kosten. Für den ersten Block empfiehlt sich die Anmeldung bis Ende März, für den zweiten bis Mitte Mai.

Nur einmalig 20 Euro kostet dagegen die Teilnahme an der FU-Sommeruniversität, die Schülern der 10. bis 13. Klassen ein Probestudium ermöglicht: Vom 18. Juli bis 5. August gibt es in Dahlem Workshops, Seminare und Vorlesungen in Mathematik, Physik, Biologie, Informatik und Chemie. Man könne jederzeit ein- und aussteigen, sagt Projektleiterin Claudia Dreisbach, „obwohl die Veranstaltungen sehr anspruchsvoll sind“. Anmeldeschluss soll etwa Anfang Juli sein.

Die komfortabelste Variante einer Weiterbildung an der FU ist das Gasthörer-Card-Programm, das mit 100 bis 120 Euro pro Semester die Gebühren für Lehr- und Kulturveranstaltungen kombiniert. Viele davon werden im Sommer nach draußen in Schlossparks und Gärten verlegt; das Programm „Kunstgeschichte vor Ort“ beispielsweise umfasst 80 Veranstaltungen.

An Studienabsolventen, die promovieren wollen oder vielleicht mit einer Idee nicht recht vorankommen, richtet sich die Wissenschaftler-Sommeruni der FU Ende August. Der Schwerpunkt in diesem Jahr ist „Schreiben in der Wissenschaft“, je zwei Tage kosten 120 Euro. Das Programm ist noch in Arbeit.

Humboldt-Universität. Auch das Angebot der Humboldt-Uni ist bisher nicht komplett. Klar ist aber, dass zusammen mit der „Berliner Akademie“ vom 29. August bis 6. September eine Sommeruni zum Thema „Erinnerung als Beitrag zur Zukunftsgestaltung“ angeboten wird. Betrachtet wird so ziemlich alles von der Bakteriologie über Literatur bis zum Bauhaus. Das mit acht bis 50 Euro vergleichsweise preiswerte Angebot wird nach Angaben der Veranstalter vor allem von älteren Teilnehmern und Frauen genutzt. Die „Berliner Akademie für weiterbildende Studien“, wie sie vollständig heißt, ist ein eingetragener Verein, der seit 1986 jeweils mit einer der vier Berliner Universitäten und mit der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege eine Sommer-Uni organisiert. In diesem Jahr ist die HU dran. Der Verein informiert auch über Gasthörerschaften und veranstaltet mit seinen Partnern Semester-Einführungsveranstaltungen.

Technische Universität. Die Technische Universität bietet statt einer zentralen Sommer-Uni nur Summer Schools, die von den einzelnen Fakultäten organisiert werden und erst später dort erfragt werden können.

Universität der Künste. Die Universität der Künste veranstaltet im September und Oktober für Kunstschaffende aller Sparten die einwöchigen Workshops der „KlangKunstBühne“, die von namhaften Regisseuren wie Anna Viebrock und Calixto Bieito geleitet werden und entsprechend begehrt sind. Zur Förderung junger Pianisten veranstaltet die UdK vom 25. August bis 3. September einen Kurs für Klavier unter Leitung von Klaus Hellwig. Für 105 Euro werden mindestens vier Stunden Unterricht garantiert. Der Kurs findet in der Bundesallee statt und endet mit einem öffentlichen Abschlusskonzert. Der Anmeldung ist eine selbst bespielte Kassette – möglichst ein Konzertmitschnitt – mit zwei wichtigen Werken der Klavierliteratur beizulegen.

Universität Potsdam. Auch an den Brandenburger Hochschulen gibt es ein Leben nach dem Semester. Die Uni Potsdam kündigt neben „Sans Souci“ – so heißt ausgerechnet der sommerliche Deutschkurs für Ausländer – kurzfristige Angebote an, die vom sozialwissenschaftlichen Kolloquium bis zum Existenzgründerseminar reichen. „Schauen Sie Anfang Mai mal auf den Veranstaltungskalender unserer Website“, empfiehlt die Uni. Schon jetzt steht das Projekt „Juwel“, mit dem Schülerinnen für Technik und Naturwissenschaften begeistert werden sollen. Die Probewoche vom 27. Juni bis 1. Juli ist gratis.

Viadrina. An der Viadrina in Frankfurt (Oder) lädt das Sprachenzentrum zur Heinrich-von-Kleist-Sommeruni, das sich vom 8. bis 28. August mit deutscher Literatur und Kultur von 1800 bis zur Gegenwart befasst. Anmeldeschluss ist der 15. April, Kosten: 600 Euro. Außerdem bietet die juristische Fakultät einen englischsprachigen Kurs „The European System of Human Rights Protection“.

Sonstige Angebote. Bis 11. April sollte sich bewerben, wer sich im August an der BTU Cottbus im Projektmanagement weiterbilden will. Das Angebot in Zusammenarbeit mit Hochschulen aus Zürich und Graz richtet sich an angehende Architekten, Ingenieure und Stadtplaner.

Studenten, die es trotz dieser vielen Angebote ins Ausland zieht, sollten sich im April auf den Internetseiten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) umtun. Am besten in der Rubrik „Go East“, über die sich – vom Bildungsministerium gesponserte – Angebote in vielen osteuropäischen Städten finden lassen. Wem auch das nicht exotisch genug ist, der kann auf Angebote hoffen wie im vergangenen Jahr: Da gab es einen Gletscherforschungskurs in Sibirien.

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