Zeitung Heute : Sommerliche Schönheiten

Einige Arten und Sorten der Magnolie entfalten ihre Blüten erst im Juni

Tassilo Wengel

Noch stehen die Magnolien in zahlreichen Formen und Varietäten in voller Blüte. Altbekannt und beliebt sind die kleinen Sternmagnolien (Magnolia stellata) oder die Tulpenmagnolien (Magnolia-Soulangiana-Hybriden) mit ihren großen, weißen, duftenden Blüten.

Doch noch immer gehören die Arten und Sorten zu den Raritäten, die erst im Sommer ihre Blüten entfalten. Sie sind nicht weniger attraktiv und eignen sich auch teilweise für kleine Gärten. Vor allem die kleinwüchsigen, strauchförmig wachsenden Exemplare sind hier besonders zu empfehlen.

Häufigste Art unter den im Sommer blühenden Magnolien ist Siebolds Magnolie (Magnolia sieboldii). Sie wurde nach Philipp Franz von Siebold (1796–1866) benannt, einem deutschen Arzt, der auch als Japan- und Naturforscher bekannt wurde. Die Heimat von Siebolds Magnolie ist der Ferne Osten. Das Gebiet reicht von Japan über Korea bis in die südliche Mandschurei, wo sie vor allem in den Bergwäldern wächst. Dort bildet sie mehrere Meter hohe Sträucher, deren Zweige bis auf den Boden herabhängen. In Kultur bleibt sie kleiner und entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem schön gewachsenen, drei Meter hohen Strauch. Die Zweige hängen weit herab und verleihen der Pflanze dadurch einen besonderen Reiz. Junge Triebe und Knospen sind behaart, ebenso die dunkelgrünen Blätter. Sie sind sechs bis fünfzehn Zentimeter lang und haben eine bläuliche Unterseite. Nach der Laubentfaltung entwickeln sich von Anfang Juni bis in den August hinein an den Enden der Zweige zahlreiche duftende, weiße Blüten. Sie sind schalenförmig und haben einen Durchmesser von sieben bis zehn Zentimetern. Ein schöner Kontrast zu den hellen Blüten sind die leuchtend karminroten Staubblätter. Im Herbst schmückt sich die Pflanze noch einmal, und zwar mit reichlich roten Früchten. Sie haben eine zylindrische Form und sind zwei bis sieben Zentimeter lang. Insgesamt gesehen handelt es sich bei der Siebolds Magnolie um ein sehr dankbares Gehölz für sonnige bis halbschattige Standorte. Da die Art relativ kalktolerant ist, gedeiht sie auch auf neutralen bis leicht alkalischen Böden gut. Allerdings sollte man den Boden mit Torfmull verbessern. Wer die Pflanze vermehren möchte, kann durch die Bewurzelung der herabhängenden Zweige leicht neue Pflanzen erzielen.

Eine weitere Art ist Magnolia sinensis, die auch gelegentlich als Magnolia sieboldii ssp. sinensis geführt wird. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf die chinesische Provinz Sechuan beschränkt. Sie ist eine größere Ausgabe der Siebolds Magnolie und erreicht etwa sechs Meter Höhe. Ihr Wuchs ist ausladender und die Blätter sind mit einer Länge von 18 Zentimetern ebenfalls größer, von ledriger Struktur und mit einer hellen Unterseite versehen. Die Blüten haben einen Durchmesser von zwölf Zentimetern und duften sehr intensiv.

Nur selten findet man in heimischen Gärten die Wilson Magnolie (Magnolia wilsonii), die in Höhenlagen zwischen 2000 und 2700 Metern in den chinesischen Provinzen Sechuan, Kansu und Nord-Yunnan wächst. Sie wurde nach dem englischen Pflanzenjäger Ernest Henry Wilson (1876-1930) benannt, der sie dort 1904 entdeckte. Er sammelte Herbarmaterial, das er an die Firma Veitch in England schickte. Auf einer weiteren Reise nach China, die er 1908 im Auftrag des Arnold Arboretums der Harvard Universität in Boston (USA) unternahm, konnte er Samen sammeln. Allerdings überstanden die kleinen Sämlinge den eisigen amerikanischen Winter nur teilweise. Der Direktor des Arboretums schickte deshalb 1913 den gesamten Bestand an Jungpflanzen nach Frankreich zur Vermehrung und Verbreitung. Damit gelangte die Pflanze in die Gärten Europas, wo sie bis heute allerdings eine Rarität geblieben ist. Der Grund dürfte in der mangelhaften Winterhärte zu suchen sein, denn die Pflanze gilt als eine der schönsten der im Sommer blühenden Magnolien. Sie entwickelt sich zu einem bis drei Meter hohen Strauch mit purpurbraunen Zweigen, die in der Jugend hellbraun behaart sind. Die eher länglichen Blätter sind auf der Oberseite seegrün, auf der Unterseite blaugrün und seidig behaart. Von Mai bis Juni entfalten sich die hängenden schalenförmigen, duftenden Blüten mit einem Durchmesser von sieben bis zehn Zentimeter an langen behaarten Stängeln unter den Blättern. Sehr wirkungsvoll ist der Ring purpurroter Staubgefäße im Kontrast zu den reinweißen Blüten. Gelegentlich gibt es eine Nachblüte im August. Empfehlenswert ist ein halbschattiger Standort ohne direkte Mittagssonne, da die Blätter in der prallen Sonne und bei Hitze zu Verbrennungen neigen. Der Boden sollte tiefgründig und humos, leicht sauer bis neutral sein.

Schließlich soll noch auf eine Hybride aufmerksam gemacht werden, die aus Magnolia sieboldii und Magnolia hypoleuca hervorging. Es handelt sich um Magnolia x wieseneri, die in japanischen Baumschulen entstanden sein soll und gelegentlich auch als Magnolia x watso nii bezeichnet wird. Die Pflanze entwickelt sich zu einem kleinen buschigen Baum von drei Meter Höhe und hat lange, sparrige Äste. Die Blüten stehen aufrecht und erreichen einen Durchmesser von etwa zwölf Zentimetern. Von den elfenbeinfarbenen Blütenblättern sind die äußeren rosa. Sie sind eine reizvolle Ergänzung zum Ring roter Staubgefäße im inneren Bereich der Blüte. Besonders auffallend ist auch der schwere Duft, der an Ananas erinnert. Die Blüten entfalten sich Anfang Juni und erscheinen bis in den Juli hinein in schöner Folge. Damit sich die Pflanze optimal entwickelt, ist ein tiefgründiger, humoser Boden mit leicht saurem bis neutralem pH-Wert wichtig. Der Standort sollte nicht zu heiß sein, weshalb man die Pflanze besser an einen Platz ohne direkte Einstrahlung der Mittagssonne pflanzt. Gut bekommt der Magnolie ein Standort mit Nachmittagssonne.

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