Zeitung Heute : Sonderthema Bildungsmesse: Im Doppelpack

Andreas Heimann

Ein gutes Zeugnisse allein überzeugt bei einem Einstellungsgespräch nicht. Schon in Stellenanzeigen listen Personalabteilungen eine ganze Reihe von Anforderungen auf, die sich auf so genannte Soft Skills beziehen. Das sind die "weichen Fähigkeiten", die auch als soziale Kompetenzen bezeichnet werden. Was genau sich dahinter verbirgt, ist nicht eindeutig definiert. Doch als unbestritten gilt, dass neben reinem Fachwissen zum Beispiel auch die Fähigkeiten gefragt sind, sich in ein Team einzufügen oder Konflikte auszuhalten und lösen zu helfen.

"Die Bedeutung von Soft Skills ist nicht zu leugnen", sagt Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. "Das heißt nicht, dass Abschlüsse entwertet würden oder andere Qualifikationen jetzt irrelevant sind." Und Soft Skills fallen auch nicht überall gleichermaßen ins Gewicht: "Bei Akademikern zählt das sicher mehr als bei Hilfsarbeitern." Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten seien Soft Skills aber insgesamt wichtiger geworden. "Früher hat man sich per Bildungsabschluss für einen Beruf qualifiziert. Heute ist das nur mit dem Abschluss nicht getan", sagt Werner.

"Soft Skills sind erfolgsrelevanter geworden", bestätigt auch Rainer Schmidt-Rudloff von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. "Organisatorische Veränderungen hin zu Gruppenarbeit und Projektorganisation bauen auf Kommunikation auf. Teamfähigkeit wird deshalb immer entscheidender." Weil Unternehmen häufiger mit Partnern im Ausland zusammen arbeiten, sei auch interkulturelle Kompetenz gefragt - die Fähigkeit, auf Menschen anderer Kulturen einzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Nicht nur für Führungskräfte, auch für andere Arbeitnehmer seien etwa Planungskompetenz und Motivationsfähigkeit wichtiger geworden. "Auch ein Ingenieur muss heute ein Projekt präsentieren können", sagt Schmidt-Rudloff. "Solche Fähigkeiten sind mitentscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens."

Bei der Personalauswahl müssen Bewerber daher zunehmend auch im Hinblick auf Soft Skills überzeugen: Lädt ein Unternehmen beispielsweise zu einem Assessment Center (AC) ein, ist mit einem Auswahlverfahren zu rechnen, bei dem auch die soziale Kompetenz überprüft wird - zum Beispiel, indem die Bewerber ein Verkaufsgespräch simulieren müssen. Schon vor dem Assessment Center sollten sich Bewerber deshalb darüber informieren, welche Anforderungen an den zukünftigen Mitarbeiter gestellt werden. Außerdem ist es wichtig, sich zu überlegen, welche Fähigkeiten dabei gefragt sein könnten, empfiehlt Britta Hermann, Personalberaterin aus Bochum, die auch als Ratgeber-Autorin tätig ist.

Alle Soft Skills nützen jedoch nichts, wenn es an den Hard Skills mangelt: "Die sind unverzichtbar", betont Rainer Schmidt-Rudloff. "Fachkenntnisse und soziale Kompetenzen gehören immer zusammen", sagt auch Hans-Eberhard Plath vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg. Teamfähigkeit etwa hänge nicht nur von einem bestimmten sozialen Verhalten ab, sondern auch von den jeweiligen Fähigkeiten: Wer kompetent ist, in dem, was er tun soll, trägt zum Erfolg des Teams bei. Wenn dagegen manche Mitglieder des Teams weniger leisten können als andere, kann das Ärger bedeuten: "Das ist dann mit Konfliktfähigkeit nicht zu lösen", sagt Plath.

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