SONGWRITERAngus Stone : Fürs Altenteil zu jung

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Er ist einer der Archetypen der Popmusik: der junge Mann mit der Gitarre. Das Emblematische dieser Kombination tritt früh auf Plattencovern oder Konzertfotografien in Erscheinung und ist spätestens Mitte der Sechziger mit Charakteren wie Bob Dylan oder Leonard Cohen als ikonisches Motiv fest etabliert. Zwar gibt es in den kommenden Jahrzehnten erhebliche Schwankungen in der Relevanz und Beliebtheit der singenden Songwriter, aber ganz verschwunden sind sie nie. Und gerade scheint wieder eine gute Zeit anzubrechen: Mit dem 18-jährigen Briten Jake Bugg hat sich ein brillanter Rotzlöffel an die Spitze der Charts gepunkt, von dessen Popularitätsschub auch weniger charismatische Kollegen profitieren können.

Aber was heißt weniger charismatisch? Angus Stone etwa hätte mit 26 seine beste Zeit bereits hinter sich haben können. An der Seite seiner zwei Jahre älteren Schwester Julia brachte er mit beachtlichem Erfolg brillante Folk-meets-Rock-Alben unters Volk und hätte sich mit diesem Geschäftsmodell wohl bis zum Altenteil durchmogeln können. Doch nach einem ersten Solowerk unter dem verwirrenden Pseudonym Lady of the Sunshine erschien im letzten Sommer sein „echtes“ Solodebüt, und alles deutet darauf hin: Der Mann will es noch mal wissen. Zwar verhandelt Stone alle 13 Songs auf „Broken Brights“ mit der Grundentspanntheit eines australischen Hippiekindes (was er auch ist), vergisst dabei aber nie, den melancholischen Miniaturen einen melodischen Feinschliff mit auf den Weg zu geben, der zu gleichen Teilen von Fleet Foxes und Fleetwood Mac beeinflusst scheint. Das Ergebnis klingt grandios: Folkrock Noir zwischen Blockhütte und Luxusjacht.Jörg Wunder

Astra Kulturhaus, Fr 8.2., 20 Uhr, 27 €

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