Zeitung Heute : Sonnenhell

ECKART SCHWINGER

Vadim Repin mit Beethovens Violinkonzert im SchauspielhausECKART SCHWINGERAls Dreizehnjähriger trat er im Schauspielhaus als Zugpferdchen von Tichon Chrennikow auf und spielte das Violinkonzert Nr.2 des einstigen Generalsekretärs des sowjetischen Komponistenverbandes.Enige Jahre danach brachte dann der 1971 in Nowosibirsk geborene Vadim Repin in diesem Haus mit dem London Philharmonie Orchestra das Tschaikowski-Konzert zur Aufführung.Nun erschien der inzwischen 26jährige Künstler, der unterdessen auch Werke von Sofia Gubaidulina und Karl Amadeus Hartmann spielt, wieder im Schauspielhaus und bescherte uns in einem Konzert des MDR-Sinfonieorchesters unter Gilbert Varga Beethovens Violinkonzert. Das ungekünstelte lyrische Espressivo, der seidig schimmernde, schlanke Ton, den Repin auch bei der Bach-Zugabe an den Tag legte, nahmen für sich ein.Sicherlich, Gidon Kremer, der nicht nur intellektuell-analytisch, sondern auch bisweilen provozierend scharfkantig geigt, versetzt uns auch bei diesem Beethoven geistig in eine ungleich stärkere Hochspannung.Repin geht von A bis Z geradezu unsensationell still und überlegen zu Werke.Nur bei den Kadenzen fühlt er sich etwas heftiger herausgefordert, zeigt er, daß er auch technische Hexereien spielend leicht zu bewältigen vermag. Unmittelbar danach geht er lächelnd heiter wieder zu seinem sonnenhellen, ungemein biegsamen und variablen, allerdings auch etwas unreflektierten Musizierstil über, so, als sei ihm an einem Spiel nach alter Teufelsgeigerart (zu der er als Kind offenbar getrimmt wurde) überhaupt nicht mehr gelegen.Das Rondo-Finale, bei dem man schon etwas den wagemutigen Spielgestus vermißt, hinterläßt dann auch längst nicht so intensive Spuren wie das Larghetto in der außerordentlich filigranen Aufhellung.Das aus Leipzig angereiste MDR-Sinfonieorchester trat ebenfalls in flexibler Form an und präsentierte unter Gilbert Varga zum Schluß die e-Moll-Sinfonie Nr.2.von Sergej Rachmaninow.

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