Zeitung Heute : Sonnenstrahlen für die Seele

Lichtkegel, Duftkerzen, Kräuterdampfbäder: Wellness liegt im Trend. Wie man herausfindet, was einem gut tut

Vivien Leue

Der Himmel ist grau, ein kalter Wind pfeift durch die Häuserschluchten am Potsdamer Platz. Die Menschen unten auf den Straßen huschen mit hochgestelltem Mantelkragen von Termin zu Termin. Hektik und Stress stehen vielen ins Gesicht geschrieben. „Der Körper ist gerade jetzt im Winter träge und leicht angreifbar“, sagt Yee-Man Timm, Leiterin des Olympus Club im achten Stock vom Grand Hyatt Hotel. Hier oben im Wellnessbereich steht man über den Dächern Berlins – und über den Dingen.

„Schon wenn man seinem Körper und Geist einmal im Monat etwas Gutes gönnt, kann man die entspannende Wirkung mit in den Beruf tragen“, sagt Monika Lomp vom Deutschen Wellness Verband. Noch besser aber sei es, seinen hektischen Lebensstil grundlegend zu ändern. Auf Wellness-Momente hat sich der Olympus Club spezialisiert. In eineinhalb Stunden kann Yee-Man Timm einem gestressten Gast bereits viel anbieten. Zur Lockerung von Körper und Geist empfiehlt sie ein leichtes Workout-Training: „Zehn Minuten auf dem Laufband reichen völlig.“ Danach versprechen fernöstliche Massagen, türkische Dampfbäder, finnische Saunen oder das Auflegen von Klangschalen Entspannung. Letztere beruhigen durch unterschiedliche Klänge, Schwingungen und Vibrationen. Bei Behandlungen mit Namen wie Eye Zone Treatment, Salt Glow Wrap oder Body Polish mag man zunächst an Autopflege denken. Es handelt sich aber um den Körper, der liebevoll geschrubbt und poliert wird. Zudem gibt es vor jeder Behandlung die Möglichkeit, aus einer Musikkarte beruhigende Klänge mit Namen wie Arabic, Bali, Reiki oder Celtic zu wählen.

Doch äußere Anwendungen allein reichen Wellness-Fachfrau Monika Lomp zufolge nicht: „Alle Sinne sollten stimuliert und entspannt werden.“ Frau Lomp empfiehlt vor allem für Wellness-Einsteiger spezielle Wochenendangebote. Ob einem Ayurveda, Shiatsu, Qi Gong oder etwa Wärmebäder gut tun, könne dann jeder individuell entscheiden. „Man sollte sich auf jeden Fall für die einzelnen Behandlungen und Therapien Zeit lassen und nicht alles hektisch durchplanen“, empfiehlt die Expertin.

Nicht weit entfernt vom Wellness-Club im Hyatt liegt das Hotel Bleibtreu – es hat sich schon bei einem Wellness-Test des Magazins „Focus“ behauptet. Das kleine Privathotel in einem Charlottenburger Altbau bietet Gästen verschiedene Aromen und Lichtstimmungen auf den Zimmern sowie eine ökologische und allergikerfreundliche Einrichtung. Zu den Wochenendpaketen gehören Angebote wie Reflexzonenmassagen an Fuß, Hand und Ohr; Lichttherapie, Kräuterdampfbäder oder die so genannte Chi Machine. Das High-Tech-Gerät soll durch Massagetechniken den Körper trainieren, entschlacken und entspannen. Selbst die Küche im Bleibtreu arbeitet nach dem Wellness-Rezept: Da kann man auch zuckerfreie und fettarme Gerichte bestellen.

Tipps zur Auswahl des richtigen „Vitalfoods“, wie das in der Fachsprache heißt, bietet der Deutsche Wellness Verband auf seiner Homepage. „Da das ein großer Trend geworden ist, gibt es natürlich auch schwarze Schafe“, sagt Monika Lomp. Um sich zu schützen, kann man auf die Checkliste des Verbandes schauen. Bietet das Wellness-Hotel einen durchdachten Gesundheitsservice? Sind die Räumlichkeiten mit modernen Geräten ausgestattet? Gibt es Tipps rund um die gebuchten Behandlungen?

Derartige Erklärungen kann sich der Kunde im Meridian Spa in Berlin Spandau stets einholen. Besonderheiten wie die Außen- und Tageslichtsauna oder die Warmluftbäder, die den entspannenden Effekt der Wärme mit Aromen und Lichtkegeln verstärken, erklären Chefin Karin Liepold und ihr Team gerne. „Eine Besonderheit sind die finnischen Aufgüsse mit echtem Birkenreisig und seinen ätherischen Ölen“, sagt Frau Liepold.

Die Leiterin des hoch gelegenen Olympus Club, Yee-Man Timm, hält derweil kurz inne. Ein Sonnenstrahl durchbricht die Wolken und taucht den Potsdamer Platz in goldenes Licht. Einige Passanten schauen in den Himmel und lächeln. Wellness? Das geht manchmal ganz leicht.

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