Zeitung Heute : Sony bläst zum Angriff auf Floppy-Disk

JOHANNES FREWEL (AFP)

Mit der Entwicklung der 3,5-Zoll-Diskette vor 18 Jahren begann für Sony ein Siegeszug sondergleichen.Jetzt nimmt der japanische Elektronik-Riese Anlauf, das erfolgreichste Sicherungsmedium der Computergeschichte aus den Rechnern zu verbannen: Mit dem HiFD-Laufwerk (High Capacity Floppy Disk) will Sony auf der Computermesse "Systems" das Ende der Floppy einläuten.Nach Herstellerangaben soll der Disketten-Nachfolger mit Platz für 200 Megabyte Daten geräumiger und um ein Mehrfaches schneller sein als die in der gleichen Preislage um 250 DM angesiedelten Konkurrenzprodukte LS 120 und Zip.

Zwei Systeme kämpfen neben der HiFD darum, einen neuen Standard zu setzen.Das Laserservo-gesteuerte LS 120 mit 120 Megabyte Fassungsvermögen geht auf eine gemeinsame Entwicklung von 3M, Compaq, Matsushita und O.R.Technologie zurück.Die Magnetscheibe dreht nicht wie bei der Diskette 300mal, sonders 720mal pro Minute.Der Datendurchsatz liegt bis zu achtmal über dem der Diskette.Genau diese Gemächlichkeit ist der Punkt, an dem die Konkurrenzsysteme angreifen.Das Zip-Laufwerk von Iomega bringt zwar nur 100 Megabyte auf einem Medium unter, ist aber etwa sechsfach schneller als das LS 120.Größter Vorteil des Zip ist seine weltweite Verbreitung.Rund 16 Millionen Zip-Laufwerke und 100 Millionen Medien hat Iomega bereits verkauft und sich damit weit vom Feld seiner Konkurrenten abgesetzt.Allerdings macht der Wettbewerb beim Kampf um den lukrativen Markt mit Zip-Medien Iomega das Leben schwer.Zudem nahm das Unternehmen wegen Kompatibilitätsproblemen mit dem ZipPlus in Deutschland sein modernstes Laufwerk vom Markt.

Computernutzer zeigen sich allerdings bei Speichermedien erstaunlich resistent gegen Innovationen, obwohl allein zur Sicherung von Windows 95 mehr als 40 Disketten nötig sind.Vobis startete einen Versuch, alle Rechner statt mit Floppy standardmäßig mit LS 120 auszurüsten, doch die Kundschaft sprang darauf nicht an.Dabei können LS-120-Laufwerke ebenso wie HiFD-Geräte auch die bisherigen Disketten lesen.

Das Tabu durchbrach in diesem Jahr der kalifornische Produzent Apple mit seinem Internetrechner "iMac", der ohne Floppy auskommen muß.Apple will so den längst fälligen Abschied von der Diskette vorantreiben, die mit ihrer Speicherkapazität von bis zu 1,44 Megabyte hoffnungslos veraltet ist.Ein Problem haben jedoch alle drei Disketten-Nachfolger gemeinsam: Solange die Computer-Hersteller die Konkurrenzprodukte nicht sauber in ihre Systeme einbinden, ist noch fast immer eine Diskette nötig, um die Rechner nach einem Absturz wieder hochzufahren.

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