SORGE UM DIE WELTWIRTSCHAFT : Die Krise der Schwellenländer

Die fünf großen Schwellenländer wollen einen Multimilliarden-Devisentopf schaffen, um sich damit gegen Kursstürze ihrer Währungen zu wappnen. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS) einigten sich auf ein Fondsvolumen von rund 100 Milliarden Dollar, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag bei einem BRICS-Treffen am Rande des G-20-Gipfels in St. Petersburg. China, das Land mit den weltweit höchsten Devisenreserven, werde den Großteil beisteuern. Allerdings wird der Topf erheblich kleiner als zunächst mit einer Summe von rund 240 Milliarden Dollar avisiert. Zudem erklärte ein BRICS-Vertreter, bis er funktionsfähig sei, werde es noch einige Zeit dauern. Auf dem Gipfel wurde deutlich, dass sich China, die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) um die Weltwirtschaft und insbesondere um die Situation in den Schwellenländern sorgen. „Die globale Erholung ist

immer noch anfällig“
, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zum Gipfel-Auftakt. Die Euro-Zone sei zwar in besserer Verfassung als vor einem Jahr. Zu Selbstzufriedenheit gebe es aber keinen Anlass, da viele Menschen ohne Jobs seien. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Wirtschaftsturbulenzen in aufstrebenden Schwellenländern wie Indien oder Brasilien überwunden werden können.

Derweil sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen abgestimmten Ausstieg der Top-Wirtschaftsmächte aus der lockeren

Geldpolitik
aus, um Brüche in der wirtschaftlichen Entwicklung zu verhindern. „Es wird schrittweise notwendig sein, dass wir die recht lockere Geldpolitik auch verändern.“ Eine der Lehren aus der Zusammenarbeit der G-20 ist Merkel zufolge, dass letztlich jede nationale Maßnahme auch internationale Auswirkungen auf Partner habe. „Deshalb müssen wir hier sicherstellen, dass die Dinge auch koordiniert ablaufen“, sagte sie. China lehnt trotz der labilen Konjunkturlage neue Konjunkturprogramme ab. „Wir werden bei kurzfristigen Fluktuationen nicht blindlings Stimuluspakete ausrollen“, so Vizefinanzminister Zhu Guangyao.Tsp/rtr/dpa

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