Zeitung Heute : Sortenvielfalt

Der Formen- und Farbenreichtum von Päonien ist kaum überschaubar

Dagmar Thiel/ddp

In China gelten sie als Königinnen aller Blumen. Päonien symbolisieren dort Wohlstand und Glück und werden im Reich der Mitte seit 2000 Jahren kultiviert und gezüchtet. Auch bei uns sind Päonien im Frühsommer die Attraktion im Garten. Weil sie ihre Blütenpracht um das Pfingstfest entfalten, werden sie gemeinhin auch Pfingstrosen genannt. Das Angebot ist nahezu unermesslich: Gartenbesitzer können aus etwa 3000 Sorten auswählen.

Man unterscheidet staudige Päonien, die im Herbst oberirdisch absterben und im Frühjahr aus dem Wurzelstock wieder austreiben, sowie Strauchpäonien mit verholzenden Trieben. Für beide Sorten muss der Standort sorgfältig ausgewählt werden, da Päonien ungestört wachsen und nicht verpflanzt werden sollten. „Ein kalkhaltiger Lehmboden und viel Sonne sind ideal“, sagt Thomas Seiler, Leiter der Fachgruppe Päonien bei der Gesellschaft der Staudenfreunde. „Einige Päonien gedeihen zwar auch im Halbschatten, für Schattenplätze sind sie jedoch nicht geeignet“, erklärt der Diplom-Biologe aus Heilbronn.

Wer die Schönheiten im eigenen Garten genießen will, braucht Geduld: Ihre volle Blütenpracht entfalten Pfingstrosen in der Regel erst nach zwei bis drei Jahren. Werden sie aus Samen gezogen, dauert es bis zur ersten Blüte sogar fünf bis zehn Jahre. „Päonien sind entwicklungsgeschichtlich sehr alt. Mit dem Tempo modernerer Pflanzen, die oft in einer Saison von der Keimung bis zur Samenreife gelangen und wirkungsvolle Methoden der Samenverbreitung entwickelt haben, können sie nicht mithalten“, sagt Thomas Seiler. Für Liebhaber mache aber gerade diese Langsamkeit den Charme der Päonien aus.

Seiler rät, im Garten sowohl Strauch- als auch Staudenpäonien zusammen zu pflanzen, um sich möglichst lange an den Blüten zu erfreuen. Strauchpäonien blühen oft schon Anfang Mai, Staudenpäonien entfalten dann von Mitte Mai bis Anfang Juni ihre Pracht.

Eine der größten Sammlungen von Strauchpäonien in Deutschland ist im Arboretum Ellerhoop-Thiensen in der Nähe von Hamburg zu sehen. „Bei uns wachsen über 2500 einzelne Exemplare“, sagt Hans-Dieter Warda, Leiter dieses Baumparks. Päonien aus aller Welt – heimische, chinesische oder amerikanische – machen das Arboretum im Frühsommer zu einem Paradiesgarten. Er ist ab Mai täglich geöffnet.

Päonien haben eine Wuchshöhe zwischen 60 und 150 Zentimetern und benötigen etwa einen Quadratmeter Platz. Sie können bis zu 60 Jahre alt werden. Je älter die Pflanze, desto prachtvoller wird das Blütenmeer. Meist treten die Pflanzen als „Ladies in Pink“ auf. Das Farbspektrum der Blüten reicht aber von schwarz-rot bis zu weiß. „Rosa ist allerdings die häufigste Farbe“, sagt Thomas Seiler. Was viele Gartenbesitzer erfreuen dürfte: Die Pflanzen werden von Schnecken verschont.

Die am meisten verbreiteten Arten unter den staudigen Päonien sind die Chinesische Pfingstrose (Paeonia lactiflora) und die Bauernpfingstrose (Paeonia officinalis). Die Bauernpfingstrose war lange in Klostergärten zu finden und wurde zur Heilung von Krankheiten verwendet. Die chinesische Pfingstrose kam erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Europa. Wegen ihrer Farben und ihrer Eleganz, vor allem aber wegen des Blüten- und Formenreichtums wird sie häufig als Edelpfingstrose bezeichnet. Auch die Strauchpäonien stammen aus China. Mit ihren elegant geschnittenen Blättern und variantenreichen Blüten stellen ihre bis zu eineinhalb Meter hohen Büsche die Attraktion im Garten dar. Die bis zu 20 Zentimeter großen Blüten präsentieren sich in seidigem Rosa, Weiß, Violett oder glühendem Rot. Sie sind dicht gefüllt oder haben offene Schalen.

Thoms Seiler empfiehlt, Päonien nicht als Containerware zu kaufen. Derzeit würden die Pflanzen bereits blühend in kleinen Töpfen angeboten. „Sie sehen jetzt zwar schön aus, haben aber oft Probleme mit dem Anwachsen“, sagt der Experte. Kaufen sollte man Päonien nur im September, Oktober und November. „Diese Monate sind die beste Pflanzzeit“, so Seiler. In spezialisierten Gärtnereien sind sie auch nur dann als Wurzelstock erhältlich. Im Winter können die Pflanzen sich neu bewurzeln und im Frühling austreiben. Dagmar Thiel/ddp

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