SOULJoss Stone : Stern der Nacht

Jörg W,er

Man hat sich so an ihre Anwesenheit im globalisierten Popzirkus gewöhnt, dass man perplex ist, wenn man sich ihr Alter vergegenwärtigt: Joss Stone ist gerade mal 22, hat aber die gefühlte Karriere einer Mittdreißigerin hinter sich. Nachdem sie schon mit 14 in der BBC-Talentshow „Star for a Night“ für Furore gesorgt hatte, bekam sie 2003 die Chance, eine CD mit Coverversionen zumeist wenig bekannter Soulsongs einzusingen: „The Soul Sessions“.

Der gewaltige Erfolg von Joss Stones Debüt war sicher auch Resultat einer geschickten Marketingstrategie: eine 16-jährige weiße Britin, deren Stimme sich zumindest technisch mit den großen Souldiven der Sechziger messen kann, das war natürlich ein die Fantasie anregender Stoff. Doch trotz ihrer Jugend machte Joss Stone nicht den Eindruck, als wäre sie das fremdgesteuerte Vehikel irgendwelcher Studio- Svengalis. Völlig unbefangen arbeitete sie auch beim ähnlich erfolgreichen Nachfolgealbum mit Routiniers wie Betty Wright, Benny Latimore oder Timmy Thomas aus der bis zu diesem Paukenschlag ein wenig im Dornröschenschlaf liegenden Soulszene von Miami zusammen.

Und auch die bald aus ihrem Schatten tretende einheimische Konkurrenz in Gestalt von Amy Winehouse oder Duffy scheint sie nicht irritiert zu haben. Joss Stones aktuelle, ohne großes PR-Brimborium veröffentlichte Platte „Colour me free“ besticht wie immer durch exquisites Songmaterial und erlesene Gastauftritte von Könnern wie Jeff Beck, Sheila E. und ihrem Langzeitpartner Raphael Saadiq und ist das unaufgeregte Reifezeugnis eines immer noch erstaunlichen Stimmphänomens.Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, Do 4.3.,

20 Uhr, 41 €

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