• Spanisch an der Hausburgschule: Die Europaschule in Friedrichshain bietet 425 Kindern einen zweisprachigen Unterricht an

Zeitung Heute : Spanisch an der Hausburgschule: Die Europaschule in Friedrichshain bietet 425 Kindern einen zweisprachigen Unterricht an

Frank Scheerer

Gleich neben dem stillgelegten Schlachthof Friedrichshain liegt die Grundschule in der Hausburgstrasse. Francisca Pflug wohnt in Pankow und hat ihre Söhne Marcel und Julius in der 2. und 4. Klasse der Europaschule untergebracht. Die kleine zierliche Frau mit den blauschwarzen Haaren und der großen Brille kommt aus Quito, der Hauptstadt Ecuadors und lebt seit 1980 in Deutschland. Ihr ist die Zweisprachigkeit wichtig: "Die Kinder hören nur deutsch, man muss kämpfen, damit sie Spanisch sprechen." Die Lehrer kommen aus Chile, Spanien und Kuba und die Kinder aus nahezu allen Ländern Lateinamerikas, aus Deutschland und Polen.

Benito Barreras aus Kuba unterrichtet Spanisch, Musik und Sachkunde in der "3c". Der dunkelhäutige Mann, der dem verjüngten Buena Vista Social Club angehören könnte, hat neun Nationalitäten in seiner Klasse und registriert unter den Kindern einen viel größeren Zusammenhalt als bei homogenen Gruppen. Gerade die sprachliche Vielfältigkeit Südamerikas ist bereichernd. So gibt es viele Lehnworte aus den indianischen Sprachen und wenn er auf Hochspanisch ein Wort sagt und ein Kind meint, zuhause hieße das anders, gibt es eine ungewöhnlich leichte Hausaufgabe. Der Schüler wird beim Abendbrot die Eltern fragen, wie es denn nun "richtig" heißt.

Das besondere neben dem bilingualem Unterricht an dieser Schule ist das Engagement der Lehrer, Eltern und Schüler und die Integration behinderter Kinder. "Eine echte pädagogische Herausforderung" meint Direktor Harald Schmidt. Die Schule mit 32 Lehrern, zwei Referendaren und 15 Erziehern bietet für die 425 Schüler Ganztagsunterricht von 8 bis 16 Uhr an. In spielerischer Form findet Ergänzungsunterricht in spanischer Sprache statt, dazu werden Spiele und Bücher sowie die verschiedenen Bräuche der Länder präsentiert. Mit Hilfe von Alba und dem Programm des Schulsenators "Grün macht Schule" wurden die Gebäude der ehemaligen Polytechnischen Oberschule seit 1991 renoviert und die Höfe von Kriegsschrott befreit.

Kerstin Passig, die Gesamtelternvertreterin, erzählt begeistert von ihrer kreativen Schule, die über freie Träger Tänzer, Bühnenbildner, Kunstmaler und Berufsmusiker mit in die Erziehungsarbeit hineinnimmt, während ihre in Venezuela aufgewachsenen Söhne, der elfjährige Adrian und der achtjährige Giovianni bei der Musikperformance ihres Spanischlehrers laut mitsingen. Einen Wermutstropfen gibt es für Direktor Harald Schmidt auch: Fünf Lehrer verlassen die Schule - die Projektgruppen machen zuviel Arbeit.

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