Zeitung Heute : Speichermedien: Den Durchblick verloren

Tobias Wiethoff

Aus Fehlern wird man klug. Für die Produzenten von Unterhaltungselektronik gilt dieser Spruch offenbar nur bedingt. Seit der Einführung der Compact Disc (CD) vor 20 Jahren ist es der Branche nicht mehr gelungen, sich zügig auf einen gemeinsamen Standard für Speichermedien zu einigen. Viele ehrgeizige Entwicklungen von Videostandards und digitalen Nachfolgern für die Compact Cassette landeten schließlich auf der Müllhalde der Technikgeschichte - auch zum Schaden der Verbraucher.

Bei den so genannten Flashspeichern scheint sich das nun - buchstäblich im Kleinformat - zu wiederholen. Die Zahl der verschiedenen Systeme ist so groß, dass selbst Fachleute den Überblick verlieren: Es gibt SmartMedia- und CompactFlash-, MultiMedia- und PC-Cards, ferner Memory Sticks, Microdrives und nun auch SD Memory Cards.

Der Wettstreit der Systeme wird zunächst noch vorwiegend auf dem Markt der Digitalkameras ausgetragen. "Das war das erste breite Anwendungsgebiet für diese kleinen Festspeicher", sagt Sony-Sprecher Stefan Michalk. Wenn es jedoch in Zukunft um die Vernetzung verschiedener Medien geht, könnte sich die Inkompatibilität der Speichermedien als hinderlich erweisen.

Am verbreitetsten sind immer noch SmartMedia- und CompactFlash-Karten. Beide haben ihre Vor- und Nachteile: So sind die SmartMedia-Karten handlicher und weniger empfindlich - dafür ist ihre Speicherkapazität derzeit auf 64 Megabyte (MB) begrenzt. Die CompactFlash-Karte gibt es inzwischen immerhin mit knapp 200 MB.

Manche Kameras - etwa die neue E-10 von Olympus - können beide Systeme verarbeiten. Damit steht den Besitzern der Kamera theoretisch auch die Mini-Festplatte Microdrive von IBM zur Verfügung, die in die CompactFlash-Slots passt, Speicherplatz von bis zu einem Gigabyte bietet und damit viele Hundert Fotos aufnimmt. "Wir haben die Festplatte bisher nicht empfohlen, da sie zu heiß wurde. Das scheint sich aber jetzt gebessert zu haben", sagt Caroline von St. George von Olympus.

Seinen eigenen Weg bei den Festspeichern geht wie so häufig Branchenriese Sony. Der so genannte Memory Stick ist derzeit für 299 Mark mit maximal 64 MB erhältlich, im nächsten Jahr soll laut Firmensprecher eine Version mit 256 MB folgen. Serienmäßig sind die Sony-Geräte nur mit einem 8-MB-Memory-Stick ausgestattet - eine Kapazität, die schon mit zwei hochauflösenden Bildern ausgeschöpft sein kann.

Sony nutzt die Breite seiner Produktpalette, um seinem System zur Durchsetzung zu verhelfen. So sollen künftig Geräte der unterschiedlichsten Gattungen mit dem Memory-Stick-Slot ausgerüstet und dadurch vernetzt werden. "Angedacht ist zum Beispiel eine Fernbedienung mit entsprechendem Fach, über die man dann Bilder auf den Fernseher übertragen kann", sagt Michalk. Auf der photokina (bis zum 25. September) präsentiert Sony eine Computermaus, die Memory Sticks aufnimmt und dann deren Daten an den Rechner weiterleitet.

Während Sony bisher nur auf einen Walkman eines anderen Herstellers verweisen kann, der sich dem Memory Stick-Standard angeschlossen hat, erhoffen sich die Konkurrenten von Panasonic mehr Gefolgschaft. Das System SD Memory Card wurde in Zusammenarbeit mit Toshiba und SunDisk entwickelt, die auch für die Standards CompactFlash und SmartMedia verantwortlich zeichnen. Das "SD" in SD Memory Card steht für "Secure Digital", wohinter sich ein Kopierschutz für Audio-Dateien verbirgt.

Die Karte hat die gleiche Größe wie die MultiMediaCard, die schon bisher in Panasonic-Geräten zum Einsatz kommt, ist aber vier Millimeter dicker - und deutlich leistungsfähiger. "Wegen ihrer schnellen Übertragung eignet sie sich hervorragend für die Multimedia-Vernetzung", sagt Philipp Heintzenberg von Panasonic. "Auch hinsichtlich UMTS ist sie gerüstet."

Während die Lage unter den Flashspeichern schon kompliziert genug ist, gibt es auch noch Hersteller, die auf magneto-optische Systeme setzen. So hat Sanyo die iD Photo entwickelt, die einer Floppy-Disk im Miniformat gleicht und 730 MB aufnehmen soll.

Wie aus schlechtem Gewissen über seinen Alleingang bei den Festspeichern baut Sony sein mit gängigen Speichern arbeitendes Kamera-System namens Mavica aus. So wurde zur photokina mit der 3499 Mark teuren MVC-CD1000 eine Kamera vorgestellt, die Bilder auf wiederbeschreibbaren CD-ROMs mit acht Zentimetern Durchmesser per eingebautem Brenner speichert. Die Scheiben kosten rund 8,50 Mark und damit deutlich weniger als Festspeicher. Außerdem können sie von fast jedem CD-ROM-Laufwerk gelesen werden.

Auch die Systemvielfalt bei den Festspeichern findet Sony-Sprecher Michalk aber nicht so dramatisch: "Es gibt immerhin für fast alles ein Adapter."

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben