Zeitung Heute : Spiegelbilder an der Spree

Die zweite Imago-Ganzkörperkamera wird in Schöneweide entwickelt.

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Susanna Kraus hat den Blick für das Ganze: Ihr riesiger Fotoapparat knipst Großbilder im Format 1:1. Foto: www.imago1to1.com
Susanna Kraus hat den Blick für das Ganze: Ihr riesiger Fotoapparat knipst Großbilder im Format 1:1. Foto: www.imago1to1.com

Wer in Oberschöneweide die Wilhelminenhofstraße entlangfährt, begegnet hier einem Stück Industriegeschichte. Denn 1897 eröffnete Emil Rathenau, Gründer der AEG, auf einem rund 23.000 qm großen Gelände entlang der Spree das Kabelwerk Oberspree, das auf die Herstellung von elektrischen Kabeln und Leitungen spezialisiert war.

Die als Rathenau-Hallen bekannten Gebäude – ehemals Kabelwerk Oberspree – gehören seit 2006 nach Eigentümerwechseln irischen Investoren und bieten Flächen für Kultur- und Technologieunternehmen, sowie Ateliers für Künstler.

Seit Anfang Dezember hat auch Susanna Kraus auf dem Gelände eine 220 qm große Halle als Werkstatt direkt an der Spree gemietet. Hier soll die „Imagophotour“ entstehen, eine mobile Version der von ihrem Vater entwickelten Großformatkamera Imago1:1. Diese weltweit einzigartige, begehbare Kamera ermöglicht es jedem, ein lebensgroßes Selbstporträt zu machen. „Die Imago ist wie ein riesiger Fotoautomat, in dem man seinem Spiegelbild begegnet und mit dem Auslöser in der Hand selbst fotografieren kann. Nach etwa zehn Minuten Entwicklungszeit, wie beim Polaroid, steht man sich dann auf einem 60 x 200 cm großen Bild gegenüber“, erklärt Kraus. „Da es aber nur diese eine Kamera gibt und gleichzeitig die Nachfrage dafür sehr hoch ist – wir haben ständig Anfragen aus aller Welt – wollen wir die Imagophotour jetzt als mobilen Bausatz entwickeln.“ Dafür hat Kraus nicht nur eine Investorin gewinnen können, sondern auch geeignete Räume gesucht. „Die passende Werkstatt zu finden war ein Fulltime-Job“, sagt sie. „Wir brauchen ja Platz, um alles aufzubauen und auszuprobieren. Gleichzeitig sollen die Kosten nicht zu hoch werden.“ Dass sie letztlich in den Rathenau- Hallen fündig geworden ist, freut sie sehr. „Vom Moritzplatz, wo wir unser Studio mit der Imago 1:1 haben, brauche ich bis hierher nur 15 Minuten. Das ist wunderbar“, so Kraus und meint, dass der Eindruck, am Stadtrand zu sein fast täuscht.

„Die Infrastruktur kann besser kaum sein“, bestätigt Thomas Niemeyer vom Regionalmanagement Schöneweide. „Es gibt eine Straßenbahnhaltestelle vor der Tür, die S-Bahn ist fußläufig zu erreichen und die Autobahn fünf Minuten entfernt. Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln sind mit dem Rad erreichbar. Weitere Brücken und Verkehrsverbindungen sind in Planung.“ Außerdem habe das gesamte Areal einerseits durch die direkte Einbindung in den Schöneweider Kiez und der Spreelage andererseits einen ganz besonderen Charme.

„Die Rathenau-Hallen waren schon oft Spielort für spannende kulturelle Großereignisse“, so Niemeyer. So gab es regelmäßig Nachtflohmärkte und im Sommer 2010 präsentierte hier die Modemarke Hugo Boss während der Fashion Week ihre Orange-Kollektion. „Aus Sicht des Regionalmanagements ist es uns aber wichtig, dass sich Unternehmen angesprochen fühlen, die langfristige Bindungen eingehen, damit die Eigentümer in die Substanz der Hallen investieren können und sich Nutzungen verstetigen und stabilisieren“, meint Niemeyer. „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn sich Nutzungen ergäben, die möglichst vielen Menschen die Arbeit oder den Besuch in den Hallen ermöglicht.“

Susanna Kraus hofft auf jeden Fall, dass sie noch lange hier ihre Werkstatt haben wird. „Unsere Halle ist ideal als Produktionsstandort für unsere Imagophotour und als Veranstaltungsort, um Menschen zusammenzubringen, die an ähnlichen Projekten arbeiten“, sagt sie und freut sich auf den Sommer, wenn sie mit ihrem Team nach getaner Arbeit auch mal einen lauen Abend an der Spree, direkt vor der Halle, genießen kann. Tong-Jin Smith

Weitere Informationen unter: www.imago1to1.com

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