Zeitung Heute : Spielautomat für den Kleiderkauf Die Website Yoox bietet Designerstücke an

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Federico Marchetti ist Gründer und Chef der OnlineVerkaufsplattform Yoox, die über ihre Website in 25 europäischen Ländern sowie den USA, Kanada und Japan rund 300 Designerkollektionen der jeweils vergangenen Saison anbietet. Yoox hat etwa 300 000 Kunden und setzte im vergangenen Jahr 36 Millionen Euro um.

War es am Anfang schwierig, die Designer zum Mitmachen zu bewegen?

Es ist nicht einfach, einen Traum an Träumer zu verkaufen. Für mich und meine Mitstreiter war klar: Kein Designer kann sicher sein, dass er alle seine Sachen im Laden verkaufen kann. Also haben wir mit unserer Plattform im Internet eine Alternative angeboten. Wir verkaufen Produkte der letzten Saison, wir bieten Vintage und exklusive Stücke auf Yoox an. Was es bei Yoox gibt, ist nicht im Laden zu haben. Wenn man all die verschiedenen Produkte, die wir anbieten, in einem Laden präsentieren würde, käme dabei schlicht Chaos heraus. Mit unserer Ware konnten wir also keine puristische Website machen. Die Yoox-Site ist sehr verspielt geworden, sie sieht ein wenig aus wie ein Spielautomat. Wir mögen es, wenn unsere Kunden spielen können.

Wie sieht die Zielgruppe von Yoox aus?

Die meisten unserer Kunden leben außerhalb der großen Städte. Das bedeutet, dass Yoox die Produkte dahinbringt, wo sie sonst nicht existieren. Unsere besten Kunden sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und kennen sich sehr gut in der Modeszene aus.

Hat Yoox viele Konkurrenten?

Wir würden uns über ein wenig mehr Konkurrenz freuen. Aber es ist nicht einfach, in unseren Markt hineinzukommen. Geld ist sicherlich nicht das Problem – man findet immer einen Investor, der ein paar Millionen Euro übrig hat. Schwieriger sieht es mit den Beziehungen zu den Designern aus. Wir versuchen, die Designer mehr und mehr zu integrieren. Erst haben wir ihre Produkte am Ende der Saison übernommen, jetzt machen sie spezielle Produkte für uns – zum Beispiel für die „Wildbunch“-Seite. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren viel darüber gelernt, wie man online verkauft und die Kundschaft mit lustigen Sachen unterhält. Und wir haben auf drei Kontinenten eine gut funktionierende Logistik aufgebaut – in Bologna, in New Jersey und demnächst in Tokio.

Wie funktioniert „Wildbunch“?

Damit wollen wir jungen, aufstrebenden Designern die Möglichkeit geben, über unsere Plattform zu verkaufen und zu kommunizieren. Immerhin haben wir jeden Monat zwei Millionen Besucher auf unseren Seiten. Wir suchen uns einen Designer aus, der eine Kollektion für uns entwickelt. Wir kreieren dann für ihn eine Website. Aktuell ist es Bernhard Willhelm – die Entwürfe sind sehr lustig. Seine Inspiration waren Horror- und Splatter-Filme.

Das Gespräch führte Grit Thönnissen. Rein ins Kaufvergnügen geht es unter www.yoox.com.

Federico Marchetti hasste seine Arbeit in einer Mailänder Unternehmensberatung. Da er vorher viel Erfahrung in der Modebranche gesammelt hatte, wurde die Gründung von Yoox der Ausweg.

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