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Spieleindustrie : Virtuelle Welten entstehen im Team

20.11.2011 01:00 Uhrvon

Der Computerspielmarkt wächst und bietet immer mehr Arbeitsplätze. Gefragt sind Spezialisten – vom Programmierer bis zum Projektleiter.

Digitale Spiele zu entwickeln lohnt sich. Das vor wenigen Tagen veröffentlichte Ballerspiel „Call of Duty: Modern Warfare3“ brachte die Fans an den Rand der Ekstase. Dabei ist die Geschichte hanebüchen: Russische Nationalisten legen die amerikanische Ostküste in Schutt und Asche, worauf der „Shooter“ um die halbe Welt reist, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Innerhalb der ersten 24 Stunden wurde das Spiel allein in den USA und Großbritannien mehr als sechs Millionen mal bestellt und verkauft, der Umsatz belief sich auf 400 Millionen Dollar.

Solche Einnahmen sind für deutsche Firmen nicht in Sicht. Aber der Markt wächst und bietet mehr und mehr Arbeitsplätze.

Momentan sind es in Deutschland laut der Medienwissenschaftlerin Linda Breitlauch etwa 10 000 Jobs in mehreren hundert Firmen. Das Interesse der Öffentlichkeit an den Produkten ist riesig. Im August besuchten 275 000 Fans Europas größte Spielemesse, die „Gamescom“ in Köln. Am Wochenende war der Andrang so groß, dass viele „Hardcore-Daddler“ zeitweilig vor verschlossenen Türen standen.

Die Zeit, als Bastler den Markt mit Kreationen aus der Garage erobern konnten, ist vorbei. Gefragt sind Experten. „Spieleentwicklung ist ein interdisziplinäres Feld“, sagt der Programmierer Chris Chiu. „Unterschieden werden die Bereiche Programmierung, Grafik und Visual Art, Game Design, Projektmanagement und Qualitätssicherung, die unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse abverlangen.“ Für Chiu ist die Spieleentwicklung vor allem Teamarbeit: Der Gamedesigner ist Regisseur und Drehbuchautor, der Leveldesigner schafft komplexe digitale Bühnenbilder. Programmierer setzen die Ideen in Computersprache um – und deprimieren die Grafiker oft genug mit den Grenzen des Möglichen und Finanzierbaren. Projektleiter koordinieren den gesamten Prozess.

Spiele zu entwickeln ist ein junger, internationaler und urbaner Beruf, die Mitarbeiter kommen aus der ganzen Welt. Bei „Crytek“, einem von drei türkischen Brüdern gegründeten sehr erfolgreichen Entwickler mit Hauptsitz in Frankfurt am Main, arbeiten Spezialisten aus 40 Nationen. Die Umgangssprache ist Englisch. Berlin erfüllt die Voraussetzungen: In die Hauptstadt wollen viele, die jung und vermeintlich hip sind. Kai Bolik von der „Game Duell GmbH“ sieht hier „einen guten Standort, um Leute zu finden“.

Die staatlichen Bildungseinrichtungen reagieren inzwischen auf das Wachstum der Branche. Die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam bildet zum 3D-Grafikdesigner aus, die MD.H Mediadesign Hochschule Berlin in vier Semestern zum Gamedesigner; an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin gibt es den Studiengang Medieninformatik mit Spezialisierungen wie Spieletechnologie und interaktive Systeme.

Die Universitäten stehen aber bisher im Schatten privater Anbieter wie der Berliner „Games Academy“, die als staatlich anerkannte Ergänzungsschule mit einer Berufsfachschule gleichzusetzen ist. Die vor elf Jahren gegründete Akademie ist der älteste und wohl renommierteste Computerspiel-Ausbilder im deutschsprachigen Raum. Am Standort Berlin-Mitte programmieren 120 Auszubildende Computerspiele jeder Art. Der Andrang ist groß, obwohl die Akademie nicht billig ist. Wer im Fach „Art & Animation“ das Gestalten virtueller Charaktere lernt, zahlt 760 Euro im Monat. Die eigentlichen Game Designer müssen 890 Euro aufbringen. Sven Liebich von „Bigpoint“, einem in Berlin ansässigen internationalen Unternehmen für die Entwicklung und Vermarktung von Browserspielen, schätzt die private Ausbildung dennoch sehr: „Universität ist gut. Eine Spezialschule vermittelt jedoch spezialisiertes Fachwissen, das für unsere Spiele benötigt wird. Das ist besser.“

Nach dem Abschluss finden nach Aussage der „Games Academy“ 80 Prozent der Absolventen binnen zwei Monaten einen Job. Das Gehalt hängt von der Größe des Unternehmens und dem Standort ab. Entwickler starten mit etwa 2500 Euro brutto im Monat, Designer bekommen zirka 3000 Euro. Am besten bezahlt sind in der Regel die Programmierer: Sie können mit bis zu 4000 Euro rechnen.

Reich wird man also nicht in diesem Job. Und Spiele zu entwickeln ist auch nicht immer eine lustige Angelegenheit Ein Dozent warnt: „Junge Leute haben oft ein falsche Vorstellung von der Spieleentwicklung. Nur weil Spielen Spaß macht, heißt das nicht, dass die Arbeit ebenso unterhaltsam ist.“ Hinter der bunten Welt der Klötzchen, Monster oder Piraten wartet eben doch vor allem eins: ziemlich ernsthafte Arbeit. Frank Wendler

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