Zeitung Heute : Spielen, radeln, picknicken

Eigentlich liegt Spandau ja im Grünen, wozu braucht man da noch Parks? Weil sie ihren ganz besonderen Charme haben, wie ein Besuch zeigt

Kerstin Heidecke

Wozu braucht der Spandauer Parks, mag sich der Innenstadt-Berliner fragen, da ist doch sowieso alles grün. Trotzdem hat der Randbezirk, erst 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet, ganz unterschiedliche Erholungsflächen zu bieten.

Die älteste ist der Wröhmännerpark, von den Spandauern „Hafenplatz“ genannt, denn hier starten die Dampfer ihre Touren auf der Oberhavel. Der 1913/14 gestaltete Park ist zwar nur drei Hektar groß, dafür ist die Lage einmalig schön. Berlin ist hier schon „Dorf“ mit Kopfsteinpflaster und historischen Laternen – und dabei doch zentral, gleich an der U-Bahn-Linie 7 (Altstadt Spandau). Mit Blick auf die Zitadelle spaziert man am Wasser entlang, kann den Rosengarten, einen Teich und zahlreiche Ziergehölze bewundern.

Die Anlage mit dem kleinen Platz für Freiluftkonzerte ist gut besucht. Pärchen haben es sich auf der hügeligen Liegewiese bequem gemacht. Vom Abenteuerspielplatz drängen russische, türkische und deutsche Sprachfetzen herüber. Einige Angler haben sich am Ufer der Oberhavel niedergelassen und versuchen, eine frische Mahlzeit zu ködern. Trotz der vielen Besucher ist der Park sehr sauber. Gegrillt wird hier nicht. Dafür bietet das angrenzende Brauhaus Spandau Stärkungen nach der Wandertour.

Einen ganz anderen Charakter hat der Spektegrünzug. Ein richtiger Park ist er eigentlich nicht. Über eine Fläche von 85 Hektar verläuft das Tal, in dem nach 1950 Kies abgebaut wurde. Seit knapp zehn Jahren ist die ursprüngliche Situation mit der weiträumigen Wiesenlandschaft und Baumgruppen wiederhergestellt.

Vom Hohenzollernring/ Ecke Borchertweg bis zur Stadtgrenze können Erholungshungrige hier je nach Jahreszeit spazieren, radeln, rodeln, picknicken, Natur genießen. Den Spaziergang startet man gut von der Unnaer Straße, dort kommt man direkt zum Kiessee mit seiner üppigen Uferbepflanzung. Mit Frühlingsbeginn liegen hier Sonnenfans unter Bäumen, durchs Schilf toben Entenfamilien. Drumherum gibt es Kinder- und Ballspielplätze. Besonders die Anwohner sorgen wohl dafür, dass die Anlage gepflegt bleibt.

Den Koeltzepark kann man eigentlich nur Flugzeugfans wirklich empfehlen. Im 30-Sekunden-Takt donnern die Flieger so tief, dass man fast die Augenfarbe der Piloten bestimmen kann.

Dennoch ist die rund 3000 Quadratmeter große Grünfläche mit drei Kinder- und Ballspielplätzen beliebt: Auf den Bänken sitzen Senioren im Schatten alter Linden, Eichen und Ahornbäume, die Jüngeren platzieren sich auf der hügeligen Liegewiese. Es gibt mehr als 20 Baumarten. Auf den Spielplätzen toben Kinder etlicher Nationen zusammen. Für Hunde gibt es eine Freilaufanlage. Das Besondere des fast 80 Jahre alten Parks ist sein Naturdenkmal, ein rund 180 Jahre alter Spitzahorn. Erwähnt werden müssen auch der Trinkbrunnen und der Pavillon mit dem Höhenmesspunkt, eine Granitplatte mit den Messingintarsien: „3440 Meter über dem Meeresspiegel“.

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