Zeitung Heute : Spiel’s noch zehn Mal, Leo

Der Tagesspiegel

Von Andreas Kötter

Eigentlich kein guter Termin für einen runden Geburtstag: Da sind die Forderungen, die von allen Seiten auf Leo Kirch, den Patriarchen, einprasseln. Da ist Rupert Murdoch, der nur darauf wartet, den Laden zu ü bernehmen. Der kleine Kirch-Sender Kabel1 scheint sich davon die Laune nicht verderben zu lassen. Heute, zu seinem zehnten Geburtstag, gibt der Sender in München ein großes Fest, unter anderem mit Claudia Cardinale und Charlton Heston.

Kabel1 hat auch allen Grund zum Feiern. Relativ betrachtet, ist der Sender mit 5,1 Prozent Marktanteil bei allen Zuschauern 2001 der erfolgreichste Sender der so genannten zweiten Generation (dazu gehören noch Vox und RTL 2). Er ist das erfolgreichste Mitglied der ProSiebenSat 1-Senderfamilie. Im Gegensatz zu Sat1 macht er Gewinne.

Und was macht Kabel1 so erfolgreich? Nach irgendwelchen kreativen Ideen sucht man im Programm lange. Die einzige wirklich kreative Idee ist das Prinzip: Das Programm kommt fast ausschließlich aus dem Archiv – denn Kabel1 steht in der Verwertungskette der Senderfamilie ganz hinten.

Das kann nur das Fernsehen: mit Wiederholungen Geld machen. Und was Wiederholungen angeht, hat Kabel1 wahre Schätze zu bieten für denjenigen, der klassisches oder New Hollywood-Kino der 60er und 70er Jahre liebt und zudem von amerikanischem Serienfieber geschüttelt wird. Ein einfaches, einleuchtendes Erfolgsprinzip. Liegt es doch in der Natur des Cineasten, dass er von seinen Kostbarkeiten nicht genug bekommen kann. So mancher Kabel-1-Zuschauer hat sich auch beim zehnten Mal an Leans „Brücke am Kwai“ noch nicht satt gesehen.

Da verwundert es nicht, dass Kabel 1 wohl der einzige werbefinanzierte Sender ist, über den man kaum ein böses Wort liest. Wo sich etwa RTL 2 immer wieder als „Tittensender“ schelten lassen muss, da steht Kabel1 für den Slogan „Die besten Filme aller Zeiten“. Und diese Qualitätsmarke hat für den Sender nicht nur einen hohen Imagewert – laut einer Forsa-Umfrage bestätigen rund 20 Prozent der 14- bis 49-Jährigen, dass die besten Filmklassiker bei Kabel 1 zu sehen sind – sondern beschert ihm auch sehr gute Quoten. So ist man in der Sparte „Spielfilm-Klassiker“ die Nummer eins, während man bei den Serien-Klassikern wie „Raumschiff Enterprise“ nur knapp hinter RTL liegt. Und was für Filme und Serien gilt, trifft auch auf den Show-Sektor zu. Da mag die TV-Zeitschrift „Gong“ respektlos von „Erfolg mit alten Hüten“ sprechen, den Münchnern kann’s egal sein. Egal ob „Glücksrad“, „ Geh aufs Ganze“, „Dingsda“ oder insbesondere das heitere Beruferaten „Was bin ich?“ – „das Verblüffende ist, dass man bei dieser billigen Show in guten Momenten mehr über die Kandidaten erfährt und die Menschen an sich, als in vielen teuren Sendungen“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ ungewohnt herzlich lobte. Auch hier verdient sich laut Forsa nur der unumstrittene Marktführer „Jauch-TV“, auch als RTL bekannt, noch mehr Anerkennung.

Lob bekommt Kabel 1 schließlich sogar auf dem Informationssektor, den man ständig ausbaut. Und da wird, selbstverständlich, nicht wiederholt. Ob mit dem Reise-Magazin „Abenteuer Ferne“ oder dem Wissensmagazin „Abenteuer Leben“, immer wird unspektakulär, aber seriös berichtet. Selbst dort, wo das Wort Journalismus anderswo für Swinger-Club-Pseudoberichterstattung missbraucht wird, widerstehen „K1 – die Reportage“ und „K1 – Das Magazin“ dieser Versuchung. Der Dank des Publikums: Mit acht Prozent konnte sich Kabel 1 in Sachen Informationskompetenz weit vor der Konkurrenz von Vox (sechs Prozent) und RTL 2 (drei Prozent) positionieren.

Bei soviel Zustimmung verwundert es nicht, dass Kabel-1-Chef Andreas Bartl für die Zukunft nichts Neues verspricht: „Kabel1 wird der Fernsehsender bleiben, der die Programme erhält oder zurückbringt, die einem im Laufe des Lebens ans Herz gewachsen sind.“

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben