SPITZBERGEN : Der Schneemann

Er war Universitätspräsident, hat drei Kinder, elf Enkel und ein Haus in der Heide. Doch Hauke Trinks muss immer wieder weg, in Richtung Nordpol, in seine Hütte im Eis

Erwin Koch

Ist er hier, will er weg. Ist er dort, ahnt er Gott. Hier die zentral überheizte Welt mit Spielplätzen für Senioren. Dort der Eisbär, der nachts um die Hütte schleicht, die Hauke Trinks seit Monaten belebt, seine finale Bleibe vielleicht.

Aber klar, redet er mit schneller Stimme, die Möglichkeit, da oben, 1000 Kilometer vor dem Nordpol, irgendwann verschollen zu bleiben, besteht. Und sie beruhigt durchaus.

Dr. rer. nat. Trinks, einstiger Präsident der Technischen Universität Hamburg-Harburg, Physikprofessor in Rente, ist auf Heimaturlaub, sechs lange Tage, um der Frau, die er vor 40 Jahren heiratete, zum Geburtstag 60 Rosen zu reichen, er gießt Tee in die Tassen, Salzstangen stehen auf dem Tisch aus nacktem Holz, in der Ecke die Knochen von Walen und anderem Getier, im Regal die Geschichte der Raumfahrt, ein Satellitenatlas, das Isländisch-Deutsche Wörterbuch.

Er könnte es hier, in seinem strohbedeckten Haus in der Lüneburger Heide, sehr bequem haben!

Trinks grinst aus glattem braunem Gesicht, die Augen sehr blau.

Was treibt Sie also in die Kälte?

Weshalb, schießt es aus dem Mann, fliegt die Küstenseeschwalbe jedes Jahr vom Südpol zum Nordpol und zurück? Die könnte doch an einem deutschen Stadtteich hocken und warten, bis eine Oma anhinkt und ihr Brötchen zuwirft. Um sich dann zu beklagen, wenn die Oma einmal nicht kommt, weil die gerade ein neues Hüftgelenk kriegt.

Er rutscht auf dem breiten Stuhl, um Gleichnisse nie verlegen, schlägt das eine Bein über das andere.

Mit der Küstenseeschwalbe, irgendwie, fühle er sich verbunden, auch mit der Eiderente, die Jahr für Jahr viele Gefahren auf sich nehme, ohne die Reise als Mühsal zu begreifen, er glaube, schnarrt Trinks aufs Band, dieser Antrieb, evolutionär gesehen, sei ein tief sitzendes Prinzip, eine ständige Unruhe, in ihm nicht weniger als im Federvieh.

Er gießt Tee nach und redet auf Vorrat.

Schon die Frau, die ihn aus dem Leib drückte, am 19. Februar 1943, verhielt sich wider die Norm, weigerte sich, ihr Kind im Berliner Bombenbunker zu gebären. Das Mietshaus ging in Flammen auf, man überlebte den Krieg und die Zeit danach, scharrte in den Trümmern nach allem, was Leben versprach. Als der Vater, ein Physiker, endlich aus Russland kam, erfuhr er von einer Arbeit in Schweden, die Familie zog nach Schweden, 1950 bis 1958, der Schulweg der vier Kinder führte durch Wald, im Winter durch Schnee, zwei Kilometer weit.

So war das halt und nicht anders.

Und als die Kinder größer waren, kein Gymnasium in der Nähe, holte der Vater sie jeden Morgen um vier Uhr aus den Betten, unterrichtete in allen Fächern, ging um halb neun zur Arbeit. Nach Deutschland zurückgekehrt, durften die Trinks, die keine Zeugnisse hatten, nur probeweise an deutsche Gymnasien, machten schließlich, jeder in seinem Jahr, das beste Abitur.

Wovor, Professor Trinks, sind Sie auf der Flucht?

Er lacht nicht.

Wenn auf der Flucht, dann höchstens vor mir selbst, sagt er. Aber Quatsch.

Er sei, so weit er sehe, nicht auf der Flucht, im Gegenteil. Auf Spitzbergen, in dieser rohen hölzernen Hütte von fünf mal sechs Metern, die auf einem Hügel stehe, umgeben von nichts und allem, kein Baum und kein Strauch, nur Geröll und Schnee, Rentiere, Polarfüchse, Eisbären, Eiderenten, Küstenseeschwalben, Erde und Himmel, im Hintergrund ein rauschender Gletscherfluss, dort oben, sagt Trinks, sei er auf der Reise nach Hause, ein laufendes Verfahren.

Und Sie sind einsam?

Selbstverständlich. Die Einsamkeit macht mich reich.

Und so beginnt er seinen Tag, wie üblich im Land der ewigen Sonne und der langen Nächte, wo niemand eine Uhr trägt, jeder ein Handy, um neun Uhr, vielleicht um zehn, kriecht aus dem Schlafsack und macht sich auf die tägliche Wanderung zur Quelle, in der einen Hand das geladene Gewehr, in der anderen den Kanister. Schließlich feuert er den Ofen ein, kocht sich Kakao, isst Haferflocken, angerührt mit Pulvermilch, die er in Longyearbyen gekauft, im Gummiboot über den Isfjord gebracht hat, im Rucksack auf den Berg geschleppt.

Mit 21 begann Hauke Trinks in Bonn, Bundesrepublik, sein Studium der Physik, zehn Jahre später war er Professor für Messtechnik an der Universität der Bundeswehr in Hamburg.

Seinen Studenten predigte er: Macht was!, bewegt Euch!, seid mutig, geht ins Ausland, schaut über die Grenzen, die ihr für gegeben haltet.

Hauke Trinks, Vater von drei Kindern, probte in einem Flugzeug, das sich aus dem Himmel stürzte, den Zustand der Schwerelosigkeit, er war Fallschirmspringer, zähmte Pferde, erzog Polizeihunde, Trinks wurde Professor an der neuen Technischen Universität Hamburg-Harburg TUHH, Mai 1982, Satellitentechnik, Umweltmesstechnik, elektromagnetische Verträglichkeit, ESA, NASA, INTELSAT, Trinks baute sich in der Heide ein Haus, das Dach aus Stroh, kein Gramm Kunststoff, war Ehemann, war Erzieher, wurde Imker, Vizepräsident der Universität, 1988 bis 1989, dann Gastprofessor in Tromsö, Norwegen, 1990 bis 1992, Aufbau der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik, grub im Garten einen Weiher, fällte Bäume, wurde am 1. April 1993, 50 und drahtig wie ein Junge, Präsident der TUHH.

Können Sie sich vorstellen, eines Tages im Schlafsack zu bleiben, nicht mehr zu heizen, nicht zu trinken und zu essen, nur noch zu warten, da oben am Nordpol?

Daran habe ich schon gedacht, sagt er schnell, hab es nicht getan, werde es nie tun.

Er habe viel gelebt, er habe, sagt er, seine Stoffsammlung beisammen, das Gelebte sei ein Schatz, und den, sagt Trinks, möchte er hüten.

Keiner hat das Leben je überlebt, wozu es deshalb kürzen?

Und also, ist der Kakao getrunken, macht Trinks sich auf, Holz zu sammeln, er trägt es auf seinen Berg, Tag nach Tag, und legt es zum Trocknen an die Sonne, hackt es in Stücke und bringt es in die Hütte, die einst einem Mann gehörte, der hier nach Kohle grub. Dann steigt er aufs Dach und bessert es aus, setzt sich endlich vor das Haus, die Flinte neben sich, das Fernglas vor den Augen, und sieht dem Polarfuchs zu, der die Eier der Vögel stiehlt, schaut den Rentieren zu, stundenlang, die immer näher kommen und ihre Angst verlieren, er spricht sie an, redet mit ihnen, und eigentlich ärgert er sich, dass seine Ehefrau Maj, südlich von Hamburg, im Juli Geburtstag hat, den sechzigsten, jetzt, wo die Rene, die er längst unterscheidet, ihre Kälber gebären, Trinks möchte nichts verpassen.

Er kocht sich eine Kartoffel, isst vom Hirsch, den Freunde ihm überlassen haben.

Und wenn Sie eines Tages krank sind?

Jemand wird mich finden, lebend oder tot. Meine Familie weiß, was zu tun ist: Nichts.

Vor 50 Jahren sei er letztmals beim Arzt gewesen, redet Trinks, zum Arzt werde er nie gehen, nicht aus Fundamentalismus, sondern weil die Zeit, abzutreten, dann gekommen sei. Er habe, sagt er, alles gehabt, Frauen, drei Kinder, elf Enkel, Geld, Anerkennung, einen guten Beruf, wozu das Ganze verlängern, selbst eine Wurst beurteile man nicht nach ihrer Länge, sondern nach Gehalt und Geschmack.

In der Barentssee zu erfrieren, finde ich toller als fünf Jahre im Pflegeheim zu röcheln. Das tut nicht weh, im Gegenteil, es entspannt.

Bevor Hauke Trinks sein Amt an der TUHH antrat, kaufte er ein Segelschiff, zehn Tonnen Stahl, zehn Quadratmeter Platz, zwölf Meter lang. Fünf Wochen, Oktober 1992, hielt er westwärts, Trinks allein im Boot, vorbei an Island und Grönland, Wale neben sich, die ihn begleiteten während Tagen. Manchmal glaubte er Stimmen zu hören, Erik den Roten, Leif, Freydis, alte Wikinger, der Professor schrie ins Vorschiff: Kommt her, ihr Kerle, wärmt euch bei mir. Wo die Titanic versank, warf er eine rote Rose in die eisigen Wellen, erreichte schließlich Amerika.

In Hamburg-Harburg, als Präsident, gründete er das Northern Institute of Technology NIT, eine private Hochschule auf dem Campus der Universität, Lehrgänge auf Englisch und höchstem Niveau, die nicht der Staat, nicht der Steuerpflichtige bezahlt, sondern die Privatwirtschaft, 20 000 Euro pro Student und Jahr.

Ehefrau Maj, von wenig gehalten, zog nach Australien und züchtete Rinder.

Fünf Jahre lang stand Trinks der TUHH vor, belud sich mit Bürokratischem und Politischem, brach am 16. Mai 1999, von allen Ämtern befreit, einhändig nach Spitzbergen auf, um dort, allein auf seiner Yacht, ein arktisches Jahr zu erleben. Im Fjord von Mushamna machte er fest, bald umgeben von nichts als Eis und zwei Hunden, sechs Monate war es dunkel, sechs Monate hell, er jagte Robben, lernte sie schlachten, er backte Brot, trank Kakao und Rum, manchmal, um an Nährsalze zu kommen, aß er das Futter seiner Hunde.

Im Schiff führte Trinks ein kleines Physiklabor mit. Er wollte erhärten, was er vermutete: Dass alles Leben nicht, wie von den meisten behauptet, in einer warmen Ursuppe begann, sondern im Eis. Täglich saß er an seinen Geräten, studierte Bakterienkulturen und Aminosäuren, stellte fest, dass Meereis, als wäre es ein lebender Organismus, aus festen Zellen gebaut ist, dazwischen Blasen und Kanälchen, geeignet, dem ersten primitiven Leben auf Urerden vielleicht das beste Umfeld gewesen zu sein. Zwar geschehen chemische Reaktionen in der Kälte langsamer als in der Wärme, aber eine neue Verbindung, einmal entstanden, bleibt in der Kälte länger bestehen, das Eis ein Bioreaktor, kann sein.

Am 14. September 2000, 16 Monate nach seiner Abfahrt ins Eis, kehrte Trinks nach Hamburg zurück, neue Kenntnisse an Bord, Robbenfelle und Rengeweihe.

Noch Tee?, fragt er in sein Heidehaus.

Gibt es Gott?

Gott, sagt Trinks, um Worte selten verlegen, Gott, als menschähnliches Gedicht, ist eine Gotteslästerung.

Gott, holt er aus, als hätte er auf die Frage gewartet, sei nicht der alte vollbärtige Mann, der ihn behüte, wenn die Barentsee tobe, der Eisbär brülle. Als Physiker habe er mit Gott kein Problem, im Gegenteil, er erfahre ständig, wie wundersam sich alles ergebe, Gott, sagt Trinks, ist das, was die Welt zusammenhält.

Deshalb habe ich auch meinen Kant dabei, Schopenhauer, Hegel, Nietzsche.

Manchmal, in seiner Berghütte über die Denker gekrümmt, notiert er Einfälle auf Papier, steht auf und setzt sich wieder vor den Verschlag, schaut den Vögeln zu und denkt, auch Tiere haben eine Ordnung, sehr anders als die Menschen sind sie nicht. Er sieht die Eiderenten, die Männer, zu Horden geballt, beim Lärmen und Prahlen, die Frauen beim Brüten und Füttern und Ausführen der Kinder, und neulich sah er, wie Entenmänner einem Entenmädchen nachsetzten, immer wieder griffen sie es an, das Mädchen, sich zu retten, tauchte weg und ertrank.

Was, abgesehen von der Suche nach dem Ursprung des Lebens, treibt Sie hinter den Polarkreis?

Er trinkt einen Schluck, sagt: Eigentlich möchte ich eine Toilette mit Spülung. Aber Quatsch. Die Werte! Was ist Moral? Sind Werte wie Demokratie und Menschenrechte unantastbar? Was ist die Rolle des Mannes in einer Gesellschaft, da die Frauen alles ebenso gut können? Solche Dinge, redet er.

Er glaube, sagt Trinks, alles Leben, ob materiell oder geistig, passiere in Schwingungen, mal rauf, mal runter, auch die Vorstellung darüber, was Wert sei. Früher habe der Mensch in Westeuropa sich einer Idee ergeben, die Idee sei alles gewesen. Jetzt aber, so pervers ein Einzelner sich auch verhalte, zähle nur der Einzelne.

Pervers, lacht er auf, darf man ja heute gar nicht mehr sagen, weil politisch unkorrekt. Manchmal, in Hamburg zu einem Vortrag geladen, entlasse ich den Scherz: Alle Probleme der Stadt wären gelöst, wenn man hier 3000 Eisbären aussetzte.

Am 23. Juli 2002 brachte ein Eisbrecher Hauke Trinks nach Kinnvika, einem Geisterort auf Nordaustlandet, bestehend aus wenigen verlassenen Hütten, Spitzbergen. Mit ihm war eine Frau, die Engländerin Marie, die er in einer Kneipe von Longyearbyen gefragt hatte, ob sie ihn begleite, ein Jahr im Eis, belagert vom Nichts. Die Hütte maß vier auf vier Meter, an den Wänden zwei Pritschen, in der Mitte ein Tisch, mit einer Linie in zwei Hälften geteilt, eine für sie, eine für ihn, sie las Science Fiction und Shakespeare, er Kant und Konsorten, sie hatte ihre Kerze, er seine, sie kochte, putzte, flickte, heizte, er forschte nach dem Anfang des Lebens, jagte, holzte, hielt die Eisbären ab. Im Schnee begraben lagen 300 Liter Rotwein, den sie, um ihn aufzutauen, mit in den Schlafsack nahmen, Kanister nach Kanister, sie liebten sich heftig. Man schwieg oft und tief, stritt selten, einmal, nachts, stand der Bär vor der Hütte und machte sich über Balto her, einen der Hunde, Frau und Mann rannten ins Freie, jeder mit seiner Flinte, und knallten den Fremden in die Flucht, Marie schoss zu nahe an Trinks’ Ohr, dass ihm das Trommelfell platzte.

Sie blieben 13 Monate und einige Tage. Marie reiste nach England, er nach 21274 Undeloh in der Heide, sie hielt es zu Hause nicht aus und zog in seine Nähe, gemeinsam schrieben sie ein Buch, Das Spitzbergen-Experiment.

Wie wichtig ist Angst?

Angst ist alles, Angst im Sinne von Vorsicht, Wachsamkeit. Man dreht sich ja ständig um, da oben, ist schon wach allein vom Gewicht der Flinte. Im Sinne von Panik kann Angst tödlich sein.

Neulich, sagt er, sei er in einen Fjord gesegelt. Er habe den Motor angeworfen. Doch der sei nicht auf Touren gekommen, das Schiff zehn Tonnen schwer, starke Strömung, Brandung, Gefahr. Er habe alle Filter geprüft, alle in Ordnung, und schließlich sei ihm nichts anderes geblieben, als ins Wasser zu steigen, ein Grad warm. Pro Grad, so die Regel, eine Minute Überleben.

Ich tauchte zwei Meter tief, sah wenig, fand ein Tauwerk, verheddert im Propeller, begann zu säbeln mit meinem Messer, kam nicht voran, keine Panik jetzt!, ich merkte, wie jede Kraft aus mir floss, ich tauchte auf und war zu schwach, ins Boot zu steigen, keine Kraft mehr in den Beinen, den Armen, es war kein schlechtes Gefühl, eigentlich ein gutes, dem Tod so nahe, sehr entspannt, ich wartete, dann kam ich endlich hoch, verschnaufte, wärmte mich auf, trank Kaffee und Cognac, tauchte wieder, dreimal insgesamt.

Ist das Holz gehackt, Kant ergründet und die Forschung betrieben, setzt sich Hauke Trinks vor die Hütte auf dem Berg und reinigt das Gewehr, kein Staub darf im Lauf sein, keine Feuchtigkeit, kein Fett, Fett gefriert bei minus 40 Grad, er putzt das Gewehr und sieht den Rentieren zu, der Sonne, die nicht untergeht.

Man wird, sagt er, da oben sehr klein.

In Deutschland, trotz Marie, hielt er es nicht aus, segelte allein nach Island, 2006, arbeitete mit vierzehn Isländern auf einem Fischerboot. Die fragten nicht: Was hast du gelernt?, bist du Doktor oder was?, fährst du Mercedes? Die fragten: Welche Sippe steht hinter dir? Dann antwortete ich: Ich habe viele Enkel. Damals waren es neun, jetzt sind es elf.

Marie, die englische Liebe aus Kinnvika, zog ins deutsche Nachbardorf und fand gute Arbeit, Maj, die Ehefrau, gab in Australien die Rinder auf, reiste nach Undeloh zurück, ins Haus nebenan. Zwischen den Häusern steht ein Tisch aus dickem Holz, zwei Bänke, vier Kissen darauf, zwei auf der Seite der Frau, zwei auf der des Mannes, der selten hier ist, immerhin dann, wenn sie Geburtstag hat und weint, weil er ihr 60 Rosen schenkt.

Er hat graues kurzes Haar und ein glattes Gesicht, an der Wand hängt ein Plakat, ein Eisbär darauf, HOLD AVSTAND!, Trinks fragt in den Raum: Hunger? Ich habe nichts hier.

Am 1. April 2008 zog er wieder los, vielleicht zum letzten Mal, segelte durch die wilde Barentssee und erreichte, als Erster nach dem Winter, Spitzbergen Anfang Juni. Die Yacht, darin sein Labor, Mikroskope, Laser, Polarisationsfilter, setzte er auf hölzerne Pflöcke, fuhr im Gummiboot über den Fjord zu seiner Hütte, heizte ein, nahm das Leben auf, das ihm wert ist.

Jung möchte ich nicht sein, sagt er, ich käme nicht mehr mit, bin nicht geschmeidig genug für die Welt da unten.

Manchmal, gegen Mitternacht, schultert er das Gewehr und macht sich auf zur nächsten Hütte, eine Stunde weit. Er stößt die Tür des Nachbarn auf und sagt: Erzähl was, Freund.

DIE FORSCHUNG

Als Physiker führt Trinks auf seinen Reisen Experimente durch. Seine These: Das Eis ist der Ursprung des Lebens.

DIE HÜTTE

1000 Kilometer vom Nordpol, im Geisterort Kinnvika auf Spitzbergen. Ein Raum, zwei Pritschen, ein Tisch.

DIE BÜCHER

Was hält die Welt zusammen? Im Eis liest Trinks Philosophie: Kant, Schopenhauer, Hegel, Nietzsche.

DIE GELIEBTE

Die Engländerin Marie Tièche lebte 13 Monate mit Trinks in der Hütte.

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