Zeitung Heute : Spitzenkonzentration

Bei den Elite-Unis liegt der Süden Deutschlands vorn – dort, wo die Hochschulen ohnehin schon stark sind

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Im ExzellenzWettbewerb unter den deutschen Universitäten ist eine erste Entscheidung gefallen. Wie kam das Ergebnis zustande und was bedeutet es für Deutschlands Hochschullandschaft?

Im Exzellenz-Wettbewerb unter den Universitäten zeichnet sich eine starke Konzentration im Süden Deutschlands ab: Allein aus Baden-Württemberg werden vier Hochschulen in diesem Jahr den Vollantrag für eine Förderung als Elite-Uni stellen können, die so genannte dritte Säule des Wettbewerbs. Bayerns Universitäten werden in der ersten Auswahlrunde, die im Oktober entschieden wird, drei Mal vertreten sein.

Auch in den ersten beiden Disziplinen des Wettbewerbs, bei den Graduiertenschulen und den Exzellenzclustern, liegt der Süden weit vorn: Baden-Württemberg brachte bei den Graduiertenprogrammen für den wissenschaftlichen Nachwuchs 23 Prozent der Anwärter für die Endrunde durch. Allerdings führt Nordrhein-Westfalen, das mit Aachen lediglich eine potenzielle Elite-Uni vorweisen kann, in dieser Kategorie mit 25,6 Prozent. Bei den Exzellenzclustern liegt wiederum Bayern mit 22 Prozent der erfolgreichen Antragsskizzen deutlich vorn.

„Die starke Konzentration in Süddeutschland sieht nach einer strategischen Vorentscheidung aus“, sagte gestern der Soziologe und Eliteforscher Michael Hartmann dem Tagesspiegel: „Die Stärken werden gestärkt.“ Auch Bernd Huber, der Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität München, wundert sich nicht über „ein gewisses Nord-Süd-Gefälle“. Das gute Abschneiden Bayerns und Baden-Württembergs liege daran, dass die beteiligten Institutionen eben „eine bestimmte Größe und eine vorhandene Exzellenz“ haben müssten, um in der dritten Säule erfolgreich zu sein, sagt Huber. Das scheine vor allem in den neuen Ländern nicht der Fall zu sein, wo nicht einmal die TU Dresden erfolgreich war. Um den Status als Elite-Universität beworben hatten sich auch die Universitäten Halle-Wittenberg und Leipzig – beide gingen ebenfalls leer aus.

Der Norden Deutschlands stellt sich dagegen als Flickenteppich dar: Im Nordosten kam nur die Freie Universität Berlin weiter, im äußersten Nordwesten die Universität Bremen. Mehr noch als die FU, die in bundesweiten Forschungsrankings stets unter den besten zehn Forschungsuniversitäten landete, ist die Bremer Hochschule ein Überraschungskandidat für die dritte Säule. Obwohl die Bremer in den vergangenen Jahren ähnlich wie die FU Berlin den Ruf einer unbeweglichen und als Hort der Linken verschrieenen Massenuniversität abschütteln konnten, galten sie außerhalb Bremens nicht als Anwärter auf die Spitzengruppe. „Bremen konnte sich stark profilieren, weil die Hansestadt lange Zeit massive Bundeshilfen bekommen hat, von denen ein beträchtlicher Teil auch an die Universität geflossen ist“, sagt Michael Hartmann dazu.

Neben dem Nord-Süd-Gefälle zeichnet sich eine weitere Diskrepanz ab: Die meisten Cluster, die die Endrunde erreichen, kommen aus den Natur- und Technikwissenschaften – nur zehn Prozent aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein Drittel stammt aus der Medizin und den Lebenswissenschaften, ein Viertel aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, betonte allerdings, dass in mehreren dieser interdisziplinären Anträge auch Geistes- und Sozialwissenschaften vertreten seien.

Stecken hinter diesen Vorentscheidungen strategische Überlegungen, bestimmte Regionen oder Fächer zu stärken? Winnacker und auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Karl Max Einhäupl, betonten gestern, das ausschließlich mit Wissenschaftlern besetzte Auswahlgremium habe sich nur von Leistungskriterien leiten lassen. Politische Aspekte seien nicht eingeflossen. So hätten die Hochschulen für die Disziplin „Zukunftskonzepte“ ihre Stärken und ihre Schwächen offen legen müssen. Von ihrem Arbeitsplan für die Zukunft sei eine originelle Handschrift erwartet worden.

Jenseits der Hoffnungen einzelner Universitäten hat der Wettbewerb ein weiteres zentrales Ziel: Universitäre und außeruniversitäre Forschung sollen stärker als bisher zusammengeführt werden. Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, hofft, dass sich jetzt Forschungsorganisationen und Länder zusammentun, um gute Projekten, die zunächst keine Chance im Wettbewerb erhalten, möglichst doch zu verwirklichen. Der Schwung, den die Exzellenzinitiative in die deutsche Wissenschaftslandschaft gebracht habe, müsse durch zusätzliche Mittel für solche Kooperationen aufgefangen werden.

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