SPRACHSPIELER MIT POKERFACEMax Goldt liest : Der Ironiegirlandenkönig

Gregor Dotzauer

Die Ankündigung lautet kurz und schnurz: „Max Goldt liest neue Texte.“ Mehr Details wären reiner Luxus. Das Berliner Ensemble wird auch so bis in die Ränge ausverkauft sein. Wenn da nämlich stünde: „Max Goldt liest alte Texte“, dann müsste Deutschlands ungekrönter Ironiegirlandenkönig womöglich gleich in die Arena oder ins Velodrom umziehen. Denn die alten Texte sind, weil man die neuen noch nicht kennen kann, natürlich seine bisher besten. Wobei die neuen ganz sicher einiges von den alten haben. Mit anderen Worten: Unser liebster Sprachspieler mit dem aristokratischen Pokerface hat schon auch eine Masche. Ihr auf die Spur zu kommen, ist aber eine Kunst für sich. Oder durchschauen Sie auf Anhieb, worin das Gemeinsame der folgenden, allesamt ziemlich weltweisen, ja genialen Einstiegssätze besteht?

„Als Kind dachte ich, ein schönes Leben könnte man führen, wenn man Alexander hieße.“ (Affige Pizzen) – „Ich bin gern in Ungarn, obwohl es sprachlich wohl ein wenig hübscher wäre zu behaupten, ich sei ungern in Ungarn.“ (Junger Mann, der sich eine Schallplatte gekauft hat) – „Für den Milchkenner ist es herrlich, ein Glas frischer Milch aus dem Bioladen zu trinken, doch das geht nur, wenn nicht Nichtmilchkenner dem Milchkenner die Milch vor der Nase wegschnappen!“ (Milch und Ohrfeigen) Sehen Sie! Deshalb zum Schluss ein zweiter Satz mit einer mindestens genau so ungelösten Frage: „Wie lautet eigentlich der Fachbegriff für den Stab, den man im Supermarkt aufs Laufband legt, um seine Waren von denen des folgenden Kunden zu trennen?“ Gregor Dotzauer

Berliner Ensemble, Do 7.2.,

20 Uhr, 15 €/erm. 7 €

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